„Kitsch ist für mich etwas Schönes“
Buttercreme und Bling-Bling: Das Modelabel Kitschy Couture wirkt verspielt. Gründerin Abarna Kugathasan geht es aber auch um Haltung und Identität.
Das Modelabel Kitschy Couture ist 2026 bereits das fünfte Mal auf der Berlin Fashion Week vertreten. Doch Gründerin Abarna Kugathasan bleibt ihrer süddeutschen Heimatstadt Pforzheim verbunden: Dort hat sie Mode studiert und das Studio für ihr Label gefunden. Entstanden ist Kitschy Couture 2021 als Bachelorarbeit – eine Auseinandersetzung mit Kugathasans Herkunft. Sie ist Tamilin, ihre Eltern stammen aus Sri Lanka. Schon zwei Jahre nach ihrem Abschluss kam die erste Einladung zur Berlin Fashion Week.
Abarna, wie erklären Sie sich diesen schnellen Erfolg?
Für mich war Kitschy Couture keine Arbeit an einer Marke – es entstand eine Art Safe Space, ein eigenes Kitschy-Universum, in dem ich meine kulturelle Identität erforschen konnte. Was ist deutsch, was ist tamilisch? Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich Tag und Nacht im Studio war. Ich reichte Fotos meiner Entwürfe bei einer Ausschreibung ein; erst später erfuhr ich, dass es dabei um die indische Vogue ging. Durch das Feature in der Modezeitschrift wurde Kitschy plötzlich als Fashion Label wahrgenommen.
Wer trägt Kitschy Couture?
Ganz unterschiedlich. Wir haben schon deutsche Künstlerinnen wie Nina Chuba eingekleidet, aber auch Jennie von der K-Pop Girlgroup Blackpink oder die amerikanische Sängerin SZA. Wir haben aber auch einen Pforzheim-Merch entworfen, Tops mit "I Love Pforzheim" Schriftzug, Das wird von einem breitgefächerten Publikum getragen – nicht nur in Pforzheim.
Berlin Fashion Week
Vom 30. Januar bis 2. Februar 2026 lädt die Berlin Fashion Week die Modewelt in die deutsche Hauptstadt ein. Internationale und deutsche Designerinnen und Designer präsentieren in insgesamt 42 Shows ihre Entwürfe. Seit 2007 verwandelt sich Berlin zweimal im Jahr zum Mode-Hotspot – dabei steht die Förderung aufstrebender Designtalente im Fokus.
Jetzt ist Kitschy Couture wieder auf der Berlin Fashion Week. Was für ein Event ist geplant?
Wir zelebrieren einen tamilischen Kindergeburtstag. Es gibt ein ganzes Buffet an Torten, die wir alle selbst backen. Meine Mama hat zu meinem ersten Geburtstag eine Buttercremetorte gebacken und ein passendes Kleid genäht. An diese Tradition erinnern wir bei dem Community-Event. Mir ist wichtig, Themen wie Migration und kulturelle Identität im Rahmen der Mode rüberzubringen. Es ist zwar eine sehr bunte und kitschige Welt, aber es geht auch um ernsthafte Themen und eine sehr persönliche Geschichte. Wir wollen beide Seiten zeigen: wie schön es sein kann, einen kulturellen Background zu haben, aber auch mit wie vielen Herausforderungen das einher gehen kann.
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Inwiefern ist Ihre tamilische Identität eine Inspirationsquelle für Ihre Designs?
Meine Mama ist Schneiderin für traditionell tamilische Bekleidung – mit diesem Handwerk bin ich aufgewachsen. Viele Ideen für die letzten Shows kamen vor allem von Kindheitserinnerungen. Wenn ich durch das Fotoalbum meiner Eltern blättere, sieht man das typisch deutsche Wohnzimmer, aber dekoriert mit blinkenden Plastik-Lotusblüten oder Bananenbäumen aus Schaumstoff. Deswegen ist unser Universum so bunt, so verspielt und auch sehr nostalgisch.
Das ist der ‚Kitsch‘ in Kitschy Couture?
Genau. Während „kitschig“ in Deutschland eher einen negativen Touch hat, denke ich da sofort an etwas Positives und Schönes.
Designhauptstadt 2026: Wie Gestaltung Demokratie stärkt
Die Metropolregion FrankfurtRheinMain trägt 2026 den Titel World Design Capital (WDC). Unter dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ zeigt die Region, wie Design zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Teilhabe und einer höheren Lebensqualität beitragen kann. Geplant sind zahlreiche Projekte und Veranstaltungen in Städten und Gemeinden.