Der Hype um die Krypto-Kunst

Jahrelang führte die digitale Kunst ein Schattendasein – auch in Deutschland. Jetzt schaut die ganze Welt auf sie. Was steckt dahinter?

„Everydays – The First 5000 Days“ auf dem Smartphone
„Everydays – The First 5000 Days“ auf dem Smartphone Shutterstock

Für den Kunstmarkt ist er eine Bereicherung, für das Klima eine Katastrophe. So könnte man grob den aktuellen Hype um die sogenannte Krypto-Kunst zusammenfassen. Symptomatisch für den Trend steht „Everydays – The First 5000 Days“. Eine digitale Collage des Designers Mike Winkelmann alias Beeple, die bei Christie’s für 69,3 Millionen US-Dollar unter den Hammer kam. Der Amerikaner wurde damit auf einen Schlag zum drittwertvollsten lebenden Künstler. In Deutschland ist der Rummel um die Krypto-Kunst noch nicht so groß, aber auch hier steigen die Preise.

Warum jetzt?

Da stellt sich die Frage: Warum oder eher warum jetzt? Denn mit Computern hergestellte Kunst gab es bereits 1965 in einer Stuttgarter Galerie zu sehen. Danach hat die digitale Kunst als Medien- oder Netzkunst viele Wandlungen durchgemacht. Sie wurde in Museen und auf Festivals wie der Transmediale gezeigt und im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe wird sie seit 1989 gesammelt. Aber: Auf dem Kunstmarkt blieb sie weitgehend ein Ladenhüter und wegen ihrer digitalen Reproduzierbarkeit für viele Sammler und Investoren uninteressant.

Bei der Krypto-Kunst ist das anders, da sie auf NFTs basiert. NFT steht für Non-Fungible Tokens, die bei der durch Bitcoin bekannt gewordenen Blockchain-Technik eine Rolle spielen. Tokens sind so etwas wie digitale Gutscheine, mit denen man digitale „Gegenstände“ wie Kunst oder auch Musik erwerben kann. Im Gegensatz zu anderen sind Non-Fungible Tokens einmalig und nicht kopierbar. Und wer den entsprechenden Token hat, weist sich als rechtmäßiger Besitzer des damit verknüpften Werks aus.

Der Hit in Berlin

Bisher wurde mit Krypto-Kunst auf speziellen Börsen wie OpenSea oder SuperRare gehandelt. Neu ist, dass sich nun auch der durch Corona eingeschränkte, klassische Kunstmarkt dafür interessiert. Neben Christie’s ist die König Galerie in Berlin ein gutes Beispiel. Denn sie ist nicht nur die erste kommerzielle Galerie, die alle angebotenen Formen der Blockchain-Bezahlung in ihr Portfolio aufgenommen hat. Sie ist zudem in „Decentraland“, einer Blockchain-basierten, virtuellen Welt, vertreten und hat dort im März 2021 Werke von digitalen Künstlern wie Mario Klingemann oder Banz & Bowinkel ausgestellt.      

Die Schattenseite des Krypto-Hypes: Für die Herstellung eines NFTs ist eine hohe Rechenleistung und damit sehr viel Strom nötig. Deswegen hat das ZKM auf seiner Website angekündigt, dass es keine NFTs mehr kauft, die auf der besonders aufwändigen Ethereum-Blockchain basieren. Stattdessen wollen sie nun auf Blockchains warten, die weniger klimaschädlich sind.

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