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Ort der kulturellen Begegnung

Deutsch-türkischer Austausch: Ein aktueller Blick auf die Arbeit der Kulturakademie Tarabya in Istanbul.

Canan TopçuCanan Topçu, 19.04.2023
Kulturakademie Tarabya: Begegnungen am Bosporus
Kulturakademie Tarabya: Begegnungen am Bosporus © Deutsches Generalkonsulat Istanbul, Mehmet Erken

Tarabya – so heißt auf der europäischen Seite Istanbuls der vom Zentrum rund 15 Kilometer entfernte Stadtteil, der einst ein Kurort war und Therapia hieß. Seit nunmehr zwölf Jahren ist der Name auch mit der Kulturakademie der Bundesregierung verbunden. Auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz der Deutschen Botschaft sind Ateliers, Gemeinschaftsräume und Wohnungen für Stipendiatinnen und Stipendiaten aus allen Kunst- und Kultursparten geschaffen worden. Sie können ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt für vier bis acht Monate dorthin verlagern.

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„Ein Refugium mit einem herrlichen Park und Wald hinter dem Haus, das Raum für Konzentration und Kreativität bietet“, so beschreibt die Berlinerin Ute Freund die Kulturakademie. Von deren Existenz habe sie bis zu ihrer Bewerbung für ein Stipendium nichts gewusst, berichtet die Kamerafrau. Erst von der türkischen Filmemacherin Rûken Tekeş habe sie von der Möglichkeit erfahren, dort leben und arbeiten zu können. Die beiden Frauen bewarben sich zusammen für eines der deutsch-türkischen Koproduktionsstipendien, die von der Allianz Foundation gefördert werden. Im Oktober 2022 begannen Freund und Tekeş in Istanbul mit der Arbeit an einem gemeinsamen Filmprojekt.

Austausch mit der türkischen Kunst- und Kulturszene

Die Kulturakademie Tarabya ist auf Initiative des Deutschen Bundestags mit dem Ziel gegründet worden, den künstlerischen Austausch zwischen der Türkei und Deutschland zu fördern. Wesentlicher Bestandteil des Stipendiums sind regelmäßige Treffen mit Akteurinnen und Akteuren der türkischen Kunst- und Kulturszene. Geförderte und Gäste kommen in lockerer Atmosphäre zusammen, um eigene Projekte vorzustellen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Der jüngste Austausch fand Mitte März 2023 statt, diesmal widmete sich das Treffen einem Thema, das seit Anfang Februar die türkische Politik und Gesellschaft bestimmt: das Erdbeben vom 6. Februar im Südosten des Landes. Itir Erhardt und İpek Uralcan von der zivilgesellschaftlichen Organisation TEGEV sowie Mert Firat von der Hilfsorganisation İhtiyaç Haritası berichteten von ihren Eindrücken aus dem Erdbebengebiet. Im Gespräch mit Mani Pournaghi, dem Leiter des Istanbuler Goethe-Instituts, gingen sie der Frage nach, wie Synergien für die Erdbebenhilfe geschaffen werden können, um die betroffene Region nachhaltig im kulturellen Bereich zu unterstützen.

Öffentliche Veranstaltungen – in der Liegenschaft in Tarabya und in Istanbuler Kultureinrichtungen – sind fester Bestandteil des Konzepts der Kulturakademie. So stellte beispielweise die Journalistin und Autorin Rebekka Endler, die bis Ende Januar 2023 für vier Monate Stipendiatin war, in der Istanbuler Buchhandlung „Robinson Crusoe“ die türkische Ausgabe ihres Buches „Das Patriarchat der Dinge“ vor. In ihrem Buch, das auf Türkisch unter dem Titel „Eşyaların Patriyarkası“ erschienen ist, analysiert Endler die Bedeutung von Gender beim Design und der Konstruktion des öffentlichen Raums.

„Nachhaltig beeindruckt“ von Istanbul

Im Oktober 2021 war die Kölner Autorin nach Istanbul gereist, um an einer Podiumsdiskussion über Femizide teilzunehmen. Obwohl sie nur ein paar Tage dort gewesen sei, hätten die Stadt und die Menschen sie so „nachhaltig beeindruckt und geprägt“, dass sie sich sofort für ein Stipendium der Kulturakademie beworben habe, berichtet die 39-Jährige. Sie sei dann ohne konkrete Erwartungen angereist, habe sich vorgenommen, an ihrem zweiten Sachbuch über patriarchale Mechanismen zu schreiben. „Nach meiner Ankunft in Tarabya habe ich festgestellt, dass es eine Verschwendung dieses Ortes wäre, jeden Tag an einem Manuskript zu schreiben, das ebenso gut zuhause entstehen könnte“, so Endler. Glücklicherweise habe sie die Abgabe des Manuskripts verschieben und sich „komplett auf diesen Ort einlassen können“. Tarabya habe „definitiv immer noch die Kurort-Vibes von einst, aber in all der Entspannung liegt, allein durch die Mitmenschen sowie durch die Geschichte des Ortes, ein großes kreatives Potenzial, das ich als äußerst ansteckend empfunden habe“, resümiert sie ihren Aufenthalt.

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Jährlicher Höhepunkt in Tarabya ist das Sommerfestival. Im Juni 2023 werden wieder aktuelle Geförderte, Ehemalige und lokale Künstlerinnen und Künstler daran mitwirken und die Parkanlage der historischen Sommerresidenz des Deutschen Botschafters in einen Schauplatz ihres kreativen Schaffens verwandeln: performativ, musikalisch, literarisch und visuell. 2022 besuchten rund 1.000 Gäste das Festival, das auch 2023 für Aufsehen sorgen wird.