Jünger, bunter und weiblicher

736 Abgeordnete sitzen künftig im Bundestag, fast 300 sind neu. Wie sich das Bild des Parlaments nach der Bundestagswahl wandelt.

Bundestag
Mehr Sitze: Der neue Bundestag wird größer. picture alliance/dpa

Im Deutschen Bundestag ändern sich nicht nur die Mehrheitsverhältnisse: Das neue Parlament sieht nach der Bundestagswahl vom 26. September 2021 in vielerlei Hinsicht anders aus als bisher. Schon allein deshalb, weil mehr als 280 Abgeordnete neu sind. Der Bundestag wird auch jünger, bunter und weiblicher. Insgesamt gehören dem Parlament künftig 736 Abgeordnete aus sechs Fraktionen an, so viele wie noch nie. Stärkste Bundestagsfraktion ist künftig die SPD mit 206 Abgeordneten, die bisher größte Fraktion aus CDU/CSU kommt nur noch auf 197 Sitze. Die Grünen stellen 118 Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die FDP 92, die AfD 83 und die Linke 39. Durch eine Sonderreglung entfällt ein Sitz im Bundestag auf den Südschleswigschen Wählerverband (SSW).

Mehr junge Abgeordnete

Das Durchschnittsalter im neuen Bundestag liegt laut Berechnungen des Bundeswahlleiters bei 47,3 Jahren, bei den Frauen beträgt es 45,5 Jahre und bei den Männern 48,2. Doch die Gruppe der jungen Politikerinnen und Politiker im Bundestag wächst: 50 Abgeordnete sind jünger als 30 Jahre, weitere 143 zwischen 30 und 39 Jahren alt. Die jüngsten Abgeordneten sind Emilia Fester und Niklas Wagener, beide 23 und künftig für die Grünen im Bundestag. Der älteste Abgeordnete ist der AfD-Politiker Alexander Gauland mit 80 Jahren. Die jüngste Fraktion mit einem Durchschnittsalter von 42,4 Jahren haben die Grünen, am höchsten ist es bei der AfD mit 51 Jahren.

Steigender Frauenanteil

Im Bundestag sitzen trotz einer leichten Verbesserung noch immer mehr Männer als Frauen: Ein Drittel der Abgeordneten ist weiblich. Die Zahl der Frauen im Bundestag erhöhte sich zwar um 38 auf 256 – ihnen sitzt aber noch immer eine deutliche Mehrheit von 480 Männern gegenüber. Den höchsten Frauenanteil unter ihren Abgeordneten haben die Grünen mit 58,5 Prozent. Den geringsten Anteil weist die AfD-Fraktion mit 13,3 Prozent auf. Für die Grünen ziehen erstmals auch zwei transgeschlechtliche Frauen in den Bundestag ein: Tessa Ganserer und Nyke Slawik.

Mehr Abgeordnete mit Migrationshintergrund

Im Bundestag sitzen von nun an auch mehr Politikerinnen und Politiker mit ausländischen Wurzeln. Laut einer Analyse des Mediendienstes Integration haben mindestens 83 Abgeordnete einen Migrationshintergrund. Damit steigt deren Anteil um rund drei Prozentpunkte auf 11,3 Prozent. Am höchsten ist die Quote in der Linksfraktion mit 28,2 Prozent, am geringsten bei CDU/CSU mit 4,1 Prozent.

XXL-Bundestag

Das Parlament ist aber nicht nur jünger, weiblicher und bunter, sondern auch größer als in den vorangegangenen vier Jahren. Die Zahl der Abgeordneten stieg um 27 auf 736. Damit gibt es im Bundestag deutlich mehr Sitze als vorgeschrieben, die Mindestzahl beträgt nur 598. Dass das Parlament tatsächlich deutlich größer ist, liegt an den sogenannten Überhang- und Ausgleichsmandaten. Diese entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate über die Erststimmen bekommt, als ihr aufgrund ihres Zweitstimmenanteils zustehen. Die Folge: Der Bundestag wächst. Seit Jahren laufen deshalb Gespräche über eine Wahlrechtsreform, um die Abgeordnetenzahlen zu begrenzen.

© www.deutschland.de