Eine italienische Liaison

Der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt leitet das größte italienische Museum, die Uffizien in Florenz. 

Eike Schmidt, Direktor der Uffizien
Eike Schmidt, Direktor der Uffizien picture alliance

Es war ein Novum in der italienischen Kulturgeschichte, als 2015 Eike Schmidt, ein Deutscher, die Leitung der Uffizien in Florenz übernahm. Ein Nicht-Italiener, der über die Geschicke des größten italienischen Museums bestimmt und damit über bedeutende Kunstwerke von Michelangelo oder da Vinci? Das war davor völlig undenkbar. Aber der damalige Kulturminister Dario Franceschini wollte neue „superdirettori“ für die 20 größten italienischen Museen. Sieben davon holte er aus dem Ausland. Entsprechend groß war bald dann auch in der Politik und in den Medien das Murren. Aber es hielt nicht lange an. Denn die Besucherzahlen stiegen. Die Finanzlage besserte sich. Die Technik wurde vielerorts auf den neuesten Stand gebracht. Und erfolgreiche Ausstellungen weckten das Interesse der Öffentlichkeit für viele Museen. 

Die Uffizien, Italiens größtes Museum.
Die Uffizien, Italiens größtes Museum. Adobe Stock

Im Falle der Uffizien kostete das durchaus Arbeit, wie Eike Schmidt vier Jahre später gestand. Da sorgte der heute 54-Jährige für neuen Trubel. Nun aber in Österreich, wo er sich bereits nach zwei Jahren in Florenz für die Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien beworben hatte. Als er dann genommen wurde, trat Eike Schmidt das Amt aber nicht an. Seine Begründung: Die Aufbauarbeit in Florenz weiterzuführen, sei für ihn wichtiger. Das Museum in Wien komme dagegen auch ohne ihn gut aus. Seitdem hat Schmidt die Uffizien weiter modernisiert. Es wurden Räume neu gestaltet. Die Museumsarbeit wurde digitalisiert (vor Schmidt hatte das Museum nicht einmal eine Website). Und während Corona haben die Uffizien mithilfe von TikTok & Co ein neues, auffällig junges Publikum gewonnen.  

In den Uffizien werden unzählige, weltweit bekannte Werke ausgestellt.
In den Uffizien werden unzählige, weltweit bekannte Werke ausgestellt. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Eike Schmidt und Italien, diese Liaison funktioniert. Tatsächlich reicht die gemeinsame Geschichte bereits recht lange, bis in die 1980er Jahre zurück, wie er erzählt. Damals nahm ihn die Großmutter nach Florenz mit und natürlich auch in die Uffizien. In den 1990ern ging es dann mit einem Erasmus-Stipendium nach Bologna. Danach forschte Schmidt sechs Jahre lang am Kunsthistorischen Institut in Florenz über die „Geschichte der Uffizien“ und lernte in der dortigen Bibliothek seine heutige Frau, die italienische Kunsthistorikerin Roberta Bartoli, kennen. Das klingt nach einer langjährigen Liebesgeschichte. Und nun (nach Zwischenstationen in Los Angeles, London und Minneapolis) erfolgreich das größte italienische Museum zu führen: Da schließt sich der Kreis.  

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