Der auf der Welle tanzt

Der Nürnberger Surfer Sebastian Steudtner hat einen unglaublichen Rekord aufgestellt und will noch mehr. 

Steudtner bei seinem Rekord-Versuch
Steudtner bei seinem Rekord-Versuch picture alliance / ZUMAPRESS.com

Sebastian Steudtner ist am Ziel. Mit 16 Jahren ist er von Bayern nach Hawaii gezogen, um dort Surfen zu lernen. Jetzt, 21 Jahre später, hat er geschafft, wovon er immer geträumt hat. Der 37-Jährige hat die höchste Welle gesurft, die je ein Mensch bezwungen hat. Die offizielle Vermessung und Auswertung der Daten hat lange gedauert. Doch nun ist es offiziell: Die Monsterwelle, die Steudtner am 29. Oktober 2020 im portugiesischen Fischerort Nazaré bezwang, war 86 Fuß hoch, das sind 26,21 Meter. 

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Endlich bestätigt: neuer Weltrekord Jorge Leal

Steudtner ist ein Exot unter den besten Surfern der Welt. Denn die Big-Wave-Surfer-Szene wird traditionell von amerikanischen, australischen und brasilianischen Athleten dominiert. Der Junge aus Nürnberg hat aber mit 18 Jahren auf Hawaii einen Entschluss gefasst, der zunächst für Schmunzeln sorgte. Er würde eines Tages die größte aller Wellen surfen. Steudtner hat diese Vision in den folgenden Jahren nie aus den Augen verloren, allen Widerständen und Rückschlägen zum Trotz. 

Auf Hawaii hat er fünf Jahre als Betongießer gearbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. In Europa arbeitete er als Vortragsreisender und Türsteher vor Clubs, ehe er in Nazaré in Portugal sein Glück fand. Zuvor war sein Visum auf Hawaii nicht verlängert worden. Er war mit 50.000 Euro Schulden nach Irland gezogen, um dort sein Glück zu finden. Dann zog er nach Nazaré und erwischte die größte Welle des Jahres. 

Die ganze Arbeit ist darauf zugeschnitten, noch wesentlich größere Wellen zu surfen.

Sebastian Steudtner

Inzwischen sind die Schulden abbezahlt und Steudtner kann auf Top-Sponsoren wie Porsche, Siemens Healthineers und Schaeffler setzen, drei große deutsche Industrieunternehmen. Mit ihrer Hilfe will er die Entwicklung seines Sports weiter vorantreiben. Mit Porsche arbeitet er im Windkanal an aerodynamischen Verbesserungen. Siemens programmiert einen „virtuellen Zwilling“ mit Daten, die von einem mit Sensoren bestückten Anzug geliefert werden. Schaeffler entwickelt eine spezielle Oberflächenbeschichtung, um die Gleitfähigkeit der Bretter zu erhöhen. 

„Die ganze Arbeit ist darauf zugeschnitten, noch wesentlich größere Wellen zu surfen“, sagt Steudtner. Auf eine Höhenjagd um jeden Preis will er sich dennoch nicht einlassen. „Mir geht es immer um Leidenschaft“, sagt er. „Ich muss Spaß an dem haben, was ich mache.“ 

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