Die Wetter-Detektivin

Klimawandel verstehen und Ungleichheiten verringern – Friederike Otto erklärt der Welt, woher extreme Wetterereignisse kommen.

Friederike Otto – Klimaforscherin in London.
Friederike Otto – Klimaforscherin in London. picture alliance / SVENSKA DAGBLADET

Noch vor 20 Jahren war es kaum möglich, den Beitrag des Klimawandel zu einem konkreten Extremwetter wie einer Hitzewelle oder Starkregen abzuschätzen. Doch die Klimaforschung hat enorme Fortschritte gemacht. Heute lässt sich nachweisen, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für die verheerende Flut in Deutschland im Ahrtal, bei der 134 Menschen im Juli 2021 starben, um einen Faktor zwischen 1,2 und neun erhöht. 

Dass solche Berechnungen nur wenige Wochen nach der Flutkatastrophe zur Verfügung stehen, daran hat Friederike Otto maßgeblich Anteil. Die Klimaforscherin hat den jungen Forschungszweig der Zuordnungsforschung mitbegründet und vorangetrieben. Die Attributionsforschung, wie diese Disziplin auch genannt wird, untersucht den Einfluss der Klimaerwärmung auf bestimmte Wetterextreme. 

Weltweites Renommee in der Wissenschaft 

Fest steht: Jede Hitzewelle ist wegen des Klimawandels intensiver und wahrscheinlicher geworden. Dieses Wissen verfügbar gemacht zu haben, hat Otto weltweit Renommee eingebracht. Gemeinsam mit dem Klimaforscher Geert Jan van Oldenborgh wurde sie 2021 vom US-amerikanischen Magazin Time zu den 100 einflussreichsten Menschen gewählt.  

Gemeinsam mit dem Niederländer hatte Otto die World Weather Attribution gegründet. Ziel der internationalen Forschungsinitiative ist es, zügig wissenschaftliche Tatsachen zu bestimmten Extremwettern öffentlich zu machen. 

Der Klimawandel verstärkt Ungleichheiten.

Friederike Otto, Klimaforscherin Imperial College, London

Auch in der Wissenschaft wird die Arbeit Ottos geschätzt. 2021 kürte das Fachblatt „Nature“ die gebürtige Kielerin zu den wichtigsten Forschenden weltweit und nahm Otto in die Liste „Nature’s 10“ auf, wo sie als Wetterdetektivin vorgestellt wird. Nach einem Studium der Physik promovierte Otto an der Freien Universität Berlin in Philosophie. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sich Friederike Otto mit Wissenschaftstheorie und Klimamodellen. Mittlerweile seit mehr als zehn Jahren lebt und forscht Otto in Großbritannien. Nach mehreren Jahren in Oxford arbeitet die Klimaforscherin heute am Imperial College in London. 

Hitzewelle und Klimawandel – der Rhein am Bingener Mäuseturm führt so wenig Wasser wie selten.
Hitzewelle und Klimawandel – der Rhein am Bingener Mäuseturm führt so wenig Wasser wie selten.
picture alliance / Daniel Kubirski

Gegen soziale Ungerechtigkeiten anzugehen, war für Otto der Antrieb, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen. „Der Klimawandel verstärkt Ungleichheiten“, sagt Otto. Vor allem vulnerablen Gruppen seien durch die voranschreitende Klimakrise gefährdet, ihre Lebensgrundlagen zu verlieren oder sich Lebensmittel aufgrund steigender Preise nicht mehr leisten können. Wohlhabendende Menschen hätten dagegen genug Mittel sich anzupassen. „Um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, muss man Ungleichheit bekämpfen“, sagt Otto. 

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