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Agententhriller „Unfamiliar“: Reise zu Berlins geheimnisvollen Orten

Die deutsche Erfolgsserie „Unfamiliar“ führt durch Regierungsviertel, Geheimdienstzentrale und verlassene Orte – und zeigt Berlin als politischen Schauplatz.

Ralf Krämer, 05.03.2026
Ein Mann mit Bart und eine blondierte Frau, beide etwa 50 Jahre alt
Die Hauptprotagonisten der Serie Meret und Simon in Berlin © Netflix

An einem wolkenverhangenen Morgen in Berlin geht Meret in Deckung. Die ehemalige Agentin des Bundesnachrichtendienstes (BND) lauert auf dem Dach eines ehemaligen DDR-Gebäudes. Durch ein Teleobjektiv fixiert sie das Ufer des Spreekanals. Unten liegt ein toter Mann, Polizisten sichern den Tatort.

So beginnt eine der Schlüsselszenen der deutschen Netflix-Serie „Unfamiliar“. Ein Mord zwingt Meret und ihren Mann Simon zurück in die Welt der Geheimdienste, einem Geschäft, dem sie entkommen wollten. Der Sechsteiler erzählt von verdeckten Einsätzen zwischen Belarus und Marokko vor dem Hintergrund neuer Spannungen zwischen Russland und dem Westen.

Im Zentrum steht Berlin. Kaum eine europäische Stadt ist so stark von Ost-West-Konflikten geprägt. Heute ist sie Sitz von Regierung, Parlament und Auslandsgeheimdienst. In „Unfamiliar“ wird die Stadt zum realen Schauplatz einer Geschichte über Loyalität, Diplomatie und politische Brüche.

Binnen Tagen führte die von Lennart Ruff und Philipp Leinemann inszenierte Serie in 35 Ländern die Netflix-Charts an und erreichte rund 15 Millionen Abrufe. Für eine deutsche Produktion ist das außergewöhnlich.
 

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Ein Teil dieses Erfolgs liegt auch an den Drehorten. „Unfamiliar“ spielt an realen Berliner Schauplätzen, dort, wo Politik entsteht und Geschichte erlebbar ist.

Die Hauptfiguren Meret und Simon bewegen sich vom Spreekanal in Berlin-Mitte zur Zentrale des Bundesnachrichtendienstes, durch das Regierungsviertel bis hinaus in den Nordwesten und Südwesten der Stadt – nach Tegel und Wannsee. Die Stadt entfaltet sich vom politischen Zentrum bis an ihre Ränder.

Die Spur führt zum BND

Erstmals erlaubte der Bundesnachrichtendienst in seinen eigenen Büros Dreharbeiten für eine deutsche Serie. „Unfamiliar“ nutzt die Zentrale des Auslandsgeheimdienstes in der Chausseestraße als realen Schauplatz. Der 2019 eröffnete Neubau erstreckt sich über mehrere Straßenblöcke in Berlin-Mitte. Von außen wirkt der helle Betonbau zurückhaltend und fast hermetisch verschlossen, hohe Zäune und gesicherte Zufahrten prägen das Bild.

Im Inneren arbeiten Tausende Beschäftigte an Analysen und Lageberichten. In der Serie werden genau diese Räume zum Schauplatz der Handlung. Die Figuren agieren in Büros, Besprechungszimmern und Fluren, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Das verleiht den Szenen eine besondere Nähe. Für die Produktion galten strenge Sicherheitsauflagen, das Team stimmte sich eng mit dem BND ab, um in dem stark regulierten Gebäude drehen zu können.

Flughafen Berlin-Tegel – Transitort ohne Zukunft

Vor dem stillgelegten Flughafen Berlin Tegel fallen Schüsse. Das 1974 eröffnete Terminal mit seinem markanten Sechseck liegt verlassen da, der Kontrollturm ragt wie ein Relikt der West-Berliner Nachkriegszeit in den Himmel. Jahrzehntelang war Tegel das wichtigste Tor der jahrzehntelang geteilten Stadt, seit 2020 ist der Betrieb eingestellt. Wo einst Maschinen starteten, bleibt nun ein Agent blutend auf der breiten Zufahrtsstraße zurück.

Cube Berlin – Transparenz als Illusion

Nahe dem Hauptbahnhof spiegelt sich Berlin in der Glasfassade des Cube. Während einer Verfolgungsjagd rasen Meret und Simon durch das Regierungsviertel, ihre Silhouetten vervielfachen sich in den spiegelnden Flächen. Der Cube steht für das neue, digitale Berlin. In „Unfamiliar“ wird die gläserne Architektur zur Projektionsfläche moderner Geheimdienstarbeit.

NAG-Gebäude – Geschichte als Bühne der Gegenwart

Im ehemaligen Werk der Nationalen Automobil-Gesellschaft, kurz NAG, tritt die neue russische Botschafterin erstmals auf. Das Unternehmen produzierte hier Anfang des 20. Jahrhunderts Autos und Nutzfahrzeuge. Der Backsteinbau von 1917 mit seinen hohen Hallen und Rundbogenfenstern erinnert an die industrielle Blütezeit Berlins. In „Unfamiliar“ wird es zur Bühne für aktuelle Diplomatie. Zwischen Stahlträgern und Backsteinwänden treffen historische Industriearchitektur und gegenwärtige Politik aufeinander.

Strandbad Wannsee – Die trügerische Idylle

Das Strandbad Wannsee gehört zu den ruhigsten Orten Berlins. Wald, Wasser, Segelboote. Doch in „Unfamiliar“ kippt die Idylle. Ein früherer Einsatz in Belarus holt Meret und ihren Partner Simon ein. Der Konflikt verlagert sich an den Badesteg. Gerade der Kontrast verstärkt die Wirkung: Selbst dort, wo Berlin nach Erholung aussieht, bleibt die Vergangenheit präsent.

„Unfamiliar“ führt durch ein Berlin, in dem Geschichte und Gegenwart politischer Macht sichtbar bleiben. Wer sie gesehen hat, wird beim nächsten Besuch genauer hinschauen – auf Betonfassaden, Glasbauten und scheinbar unscheinbare Orte, hinter denen sich mehr verbirgt, als man vermutet.