Deutsches Gebäck verzaubert Japan

Vor hundert Jahren brachte ein deutscher Konditor den Baumkuchen nach Japan. Die Menschen lieben ihn noch heute – wie auch den Christstollen aus Dresden.

Baumkuchen
Baumkuchen shutterstock/Chang-Pooh24

„Baumkuchen ist in Japan einer der beliebtesten Kuchen“, sagt Hideo Kawamoto, Präsident des japanischen Gebäckwarenherstellers Juchheim, über das deutsche Gebäck und serviert dem Gast in einem Café auf Tokios eleganter Flaniermeile Omotesando ein Stück – frisch aus dem Ofen. Gebacken wurde es nach dem Originalrezept des deutschen Konditormeisters Karl Joseph Wilhelm Juchheim, Namensgeber von Kawamotos Firma. Der aus Kaub am Rhein stammende Juchheim war es, der den Baumkuchen nach Japan brachte – unter abenteuerlichen Umständen.

Anfang des 20. Jahrhunderts lebte Juchheim zusammen mit seiner Frau Elise im chinesischen Qingdao, damals eine deutsche Kolonie. Dort betrieb das Ehepaar eine Konditorei. Im Ersten Weltkrieg besetzten die Japaner das Gebiet. Juchheim wurde zum Kriegsgefangenen und nach Japan gebracht, seine Frau lebte vorerst allein im besetzten Qingdao. Mit anderen Deutschen wurde ihr Mann in einem Lager auf einer Insel in der Bucht der japanischen Stadt Hiroshima interniert. Dort durfte Juchheim backen. Für eine Schau deutschen Handwerks in einer Ausstellungshalle, der heutigen Atombombenkuppel, backte er einen Baumkuchen. Ein bisher in Japan unbekanntes Gebäck.

Nach dem Krieg ließen sich die Juchheims in Japan nieder und eröffneten in Yokohama ihren ersten Konditorladen. Heute, 100 Jahre später, ist der durch sie bekannt gewordene deutsche Baumkuchen zu einem japanischen Klassiker geworden. „Karl Juchheim wollte uns Japanern etwas geben, das uns glücklich macht“, erklärt Kawamoto. Noch heute habe Baumkuchen in Japan dieses glückverheißende Image. Ob zu Hochzeiten, als Geschenk für Geschäftspartner, als Snack für zwischendurch oder als Souvenir – Baumkuchen kennt jeder Japaner, wie auch Juchheim. Die in Kobe ansässige Gruppe ist bis heute eine bekannte Marke, hat etwa 270 Geschäfte und beschäftigt rund 520 Mitarbeiter.

Christstollen
Christstollen shutterstock/orinocoArt

Ähnlich beliebt in Japan sind Christstollen

Ähnlich beliebt in Japan ist nur der Dresdner Christstollen. Allerdings wird er importiert. Denn nur rund 125 Konditoreien und Bäcker aus Dresden und Umgebung dürfen ihn herstellen. Darüber wacht der Schutzverband des Dresdner Stollens. Und eine detaillierte Satzung regelt, welche Zutaten zu welchen Anteilen verwendet werden dürfen. Im 14. Jahrhundert war der Stollen ein Fastengebäck, das lediglich aus Wasser, Öl, Hefe und Mehl bestand. Erst später kamen weitere Zutaten dazu, heute in jedem Fall Butter, Zitronat, Orangeat, Mandeln und Sultaninen.

Im Jahr 2000 wurden circa eine Million Christstollen aus Dresden verkauft, im letzten Jahr waren es bereits vier Millionen. Rund 25 Prozent gehen in den Export, der Großteil nach Japan, Europa und in die USA. Die Dresdner Betriebe freuen sich über die gestiegene Nachfrage, allerdings ist für sie die Menge nicht entscheidend. Die Qualität steht nach wie vor im Vordergrund. Traditionell kommen die ersten Stollen nach dem Reformationstag, in Deutschland dieses Jahr am 31. Oktober, in den Handel.

In Deutschland stehen Lebkuchen auf Platz 1

In Deutschland belegt der Christstollen Platz 3 der Beliebtheitsskala bei den Herbstgebäcken, so der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Nummer 1 sind die Lebkuchen mit 40 Prozent Absatzanteil, gefolgt von Spekulatius mit 21 Prozent. Dann kommen die Stollen mit 20 Prozent vor Dominosteinen, einer besonderen Art der Braunen Lebkuchen, mit 8 Prozent. Zimtsternen und andere saisonale Erzeugnissen erreichen 11 Prozent. Branchenübergreifend erreicht die deutsche Süßwarenindustrie einen Exportanteil von 51 Prozent.

(mit dpa)

© www.deutschland.de