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Zusammen wohnen, voneinander lernen

In deutschen Städten leben ältere Menschen oft allein in großen Wohnungen, während junge schwer eine finden. Ein Berliner Projekt bringt beide Seiten zusammen.

Klaus LüberKlaus Lüber, 13.04.2026
Beate Meißner und Cornelia Stauß
Beate Meißner und Cornelia Stauß © Sonay soziales Leben e.V.

Beate Meißner und Cornelia Stauß teilen sich eine Wohnung in Berlin. Das ist nichts Ungewöhnliches für deutsche Städte – Wohngemeinschaften (kurz: WGs) sind weit verbreitet. Das Besondere ist der Altersunterschied. Meißner ist 21, Stauß 70 Jahre alt.

Zusammengefunden haben die beiden über den Berliner Verein „Sonay soziales Leben“. Er vermittelt ältere Menschen, die oft allein in eigentlich zu großen Wohnungen leben, an Studierende und Auszubildende, die dringend auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind. Bundesweit wohnt laut Statistischem Bundesamt gut ein Viertel (27 Prozent) der alleinlebenden Menschen ab 65 Jahren auf mindestens 100 Quadratmetern.

2024 startete Sonay daher das Projekt „Generationen-WG“. Es läuft drei Jahre und wird unter anderem vom Berliner Senat unterstützt. Der Bedarf ist groß. Mehr als 400 junge Menschen haben sich bereits auf der Plattform registriert.

Wer passt zu wem?

Meißner macht gerade eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und ist vor kurzem von Österreich nach Berlin gezogen. Cornelia Stauß wohnt schon seit 1979 in der Stadt und war auf der Suche nach einer Untermieterin oder einem Untermieter. Zuerst mussten beide einen Fragebogen ausfüllen. Sonay sucht genau aus, wer zusammenpasst. Wer beispielsweise in Ruhe studieren will, wird Probleme mit einem älteren Menschen haben, der schlecht hört und deswegen den Fernseher laut dreht. Oder umgekehrt: Wenn der junge Mensch etwa gerne viele Gäste empfängt, während der ältere empfindlich auf Lärm reagiert.

Bei Beate Meißner und Cornelia Stauß hat alles wunderbar gepasst – die Übereinstimmung im Fragebogen war groß. Es kam zu einem persönlichen Treffen, bei dem beide die Gelegenheit hatten, direkt anzusprechen, was ihnen wichtig ist und was ihnen Sorgen bereitet. Keine Haustiere, keinen Schimmel, keine dreckigen Töpfe in der Küche – das waren ihre Wünsche, berichtet Stauß. Meißner hatte die Sorge, dass sie vielleicht Pflegetätigkeiten übernehmen müsste. Nach dem Termin war klar: Ihre Bedenken waren unbegründet.

Lust auf eine neue Lebensphase

Ihr sei von Anfang an klar gewesen, dass es mit Beate gut klappen würde, erzählt Stauß. Auch Meißner hatte sofort ein gutes Gefühl, das nur noch bestärkt wurde: „Es ist lustiger als erwartet, wir lachen viel und haben mehr Gemeinsamkeiten als gedacht.“ Die Jüngere schätzt die Lebenserfahrung der Älteren, die Ältere freut sich wiederum, mit ihrer jungen Mitbewohnerin „noch einmal eine Lebensphase mitzuerleben, in der so viele spannende Dinge passieren“.