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Wohnungsbau in Deutschland: Der Turbo für mehr Tempo

Zu wenig Neubau, lange Verfahren, hohe Kosten: Mit „Bau-Turbo“ und neuem Mietrecht will die Bundesregierung bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Wolf ZinnWolf Zinn, 14.04.2026
Bauarbeiter überprüft Fensterinstallation
Der Wohnungsbau in Deutschland soll neuen Schwung bekommen. © Shutterstock/Hryshchyshen Serhii

Der Wohnungsbau in Deutschland ist ein Engpass – aber erstmals seit Jahren weist ein Signal in die richtige Richtung. Nach drei Jahren rückläufiger Zahlen wurden 2025 wieder mehr Wohnungen genehmigt: 238.500, ein Plus von knapp elf Prozent. Bauministerin Verena Hubertz sieht darin einen Beleg dafür, „dass die Trendwende im Wohnungsbau begonnen hat“. Doch die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Denn zwischen Genehmigung, Baubeginn und Fertigstellung verstreicht oft viel Zeit – und in den meisten Städten ist die Nachfrage höher als das Angebot.

So rechnet die Branche trotz der steigenden Genehmigungszahlen 2026 nur mit rund 200.000 Fertigstellungen – deutlich weniger als benötigt. Der Markt wirkt vielerorts wie blockiert: Umzüge werden zum Risiko, weil eine neue Wohnung meist deutlich teurer ist als die alte. Vor allem für Familien mit Kindern ist die Wohnungssuche eine Herausforderung, während alleinstehende ältere Menschen oft in zu großen Wohnungen bleiben, weil kleinere Alternativen fehlen oder unerschwinglich sind.

Bauministerin Verena Hubertz
Bauministerin Verena Hubertz will Genehmigungen beschleunigen und Verfahren vereinfachen. © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Bau-Turbo und Gebäudetyp E: Mehr Pragmatismus

Das Bauministerium begegnet dieser Situation mit dem sogenannten „Bau-Turbo“: Kommunen sollen schneller Baugenehmigungen erteilen und Verfahren vereinfachen. Hubertz: „Wir brauchen schnell mehr bezahlbaren Wohnraum. Die Neuregelung ermöglicht es Gemeinden, das Planen und Genehmigen wesentlich zu beschleunigen.“

Besonders wichtig ist die Kostenfrage. Hier setzt der geplante „Gebäudetyp E“ an, wobei „E“ für „einfach“ steht. Demnach soll künftig verstärkt nach gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards gebaut werden – ohne teure und unnötige Zusatzleistungen, etwa im Schallschutz oder der Elektrotechnik. Hubertz: „Wir brauchen keinen Klimbim an jeder Ecke.“ Spürbare Effekte erwartet die Branche allerdings erst ab 2027.

Justizministerin Stefanie Hubig
Justizministerin Stefanie Hubig möchte den Mieterschutz erhöhen. © picture alliance / photothek.de | Florian Gaertner

Mietrecht: Druck im Bestand dämpfen

Parallel plant Bundesjustizministerin Stefanie Hubig „Anpassungen des sozialen Mietrechts, um dem rapiden Anstieg der Mieten entgegenzuwirken und den Schutz von Mieterinnen und Mietern zu verbessern“. Vorgesehen ist unter anderem, Indexmieten – also Mieten, die an die Inflationsentwicklung gekoppelt sind – in angespannten Märkten auf 3,5 Prozent Steigerung pro Jahr zu begrenzen. Bei möblierten Wohnungen sollen Vermieter offenlegen, wie hoch der Möblierungszuschlag ist – damit Mieter sehen können, wofür sie zahlen. Und: Kurzzeitvermietungen – etwa an Touristen – sollen strenger reguliert werden, damit Wohnungen nicht dauerhaft dem Markt entzogen werden.