Ankommen auf dem Arbeitsmarkt

Zwei Frauen bringen Flüchtlinge in Pflegeberufe. Nun wird ihr Sozialunternehmen mit dem „Special Impact Award“ ausgezeichnet.

Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe - Birgit Schierbaum and Shilan Fendi

Deutschland. Die Pflege älterer Menschen – für viele Flüchtlinge und Migranten in Deutschland ist das eine Aufgabe, die sie früher nie als Beruf betrachtet haben. In ihren Heimatländern werden Eltern und Großeltern meist in der Familie betreut, Seniorenheime gibt es nicht. Der ihnen bislang unbekannte Beruf könnte nun eine Chance sein. Denn die demografische Entwicklung in Deutschland mit einer immer älter werdenden Bevölkerung erhöht den Bedarf an Pflegerinnen und Pflegern. Viele Jobs sind unbesetzt.

Hier kommt das Projekt „Willkommen in der Pflege!“ ins Spiel. Birgit Schierbaum und Shilan Fendi haben es 2016 gestartet. Innerhalb von drei Jahren wollen sie zunächst rund 100 Menschen für den Einstieg in einen Pflegeberuf fit machen, etwa über Sprachkurse und Praktika. Vor allem Männer und unverheiratete Frauen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak haben das Angebot angenommen.

KfW-Stiftung und Social Impact

Die Idee zu dem Projekt hatte Birgit Schierbaum bei ihrem ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlinge. Hauptberuflich arbeitet sie beim Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe. Shilan Fendi floh als Kind selbst aus dem Nordirak. Sie hat eine Ausbildung zur Krankenschwester und einen Masterabschluss in Pflegepädagogik. „Wir sind Pflegespezialisten“, sagt Schierbaum. „Wir bilden aus und wir bilden weiter. Geflüchtete sollen keine Handlangerarbeiten machen, sondern die Chance bekommen, aufzusteigen und sich weiterzuentwickeln.“

Mit Hilfe des Stipendienprogramms „Ankommer. Perspektive Deutschland“ konnten die beiden Frauen ihre Idee verwirklichen. Das Programm wird von der KfW-Stiftung gefördert und in Kooperation mit der Agentur Social Impact umgesetzt. Es richtet sich an Sozialunternehmer, die Flüchtlingen helfen, sich in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Experten von Social Impact beraten die Stipendiaten beim Aufbau ihrer Unternehmen, stellen ihnen ihr Netzwerk und Räume zur Verfügung.

Dem Projekt „Willkommen in der Pflege!“ wird nun eine besondere Auszeichnung zuteil – der Special Impact Award. Unter allen „Ankommer“-Stipendiaten ermittelt eine Fachjury die sechs besten Projekte für das Finale. Die Gewinner bekommen 20.000 Euro für ihr Projekt. Schierbaum und Fendi haben schon viele Ideen, wie sie das Geld nutzen könnten. Unter anderem möchten sie den Teilnehmern ihres Programms eine Kinderbetreuung anbieten.

Neben den Gewinnern in der Kategorie "Ankommer" freuten sich zwei weitere Gründerteams über Auszeichnungen: Den Special Impact Award in der Kategorie "Anders.Gründer", ebenfalls dotiert mit 20.000 Euro, gewann das Unternehmen Companion2go. Das Team aus Marburg hat eine Plattform entwickelt, die Menschen mit und ohne Behinderung für die gemeinsame Teilnahme an Reisen und Veranstaltungen vernetzt. Den "Community Award" - verbunden mit einem Preisgeld von 5.000 Euro - erhielten die Gründer von Bemela Coffee aus Frankfurt am Main. Sie vertreiben fair gehandelten Kaffee und bilden Flüchtlinge zum Barista aus.

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