Mini-Wohnung für 100 Euro

Gute Ideen aus Deutschland: Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel hat ein originelles Konzept für günstiges Wohnen in der Großstadt entwickelt.

Georg Moritz - Van Bo Le-Mentzel

Bett, Tisch, Sessel, Dusche, WC, Kochecke – fertig ist die 1-Zimmer-Wohnung auf sechseinhalb Quadratmetern und zwei Ebenen. Alles ist funktional durchgeplant und clever designt. Der Clou: Die Wohnung soll nicht mehr als 100 Euro Miete im Monat kosten, inklusive Heizung und Internetanschluss. Das gibt es in Deutschland bisher nicht. Im Gegenteil, die Mieten in den großen Städten steigen und steigen und kosten ein Vielfaches. Architekt Van Bo Le-Mentzel aus Berlin will mit dem Konzept ein Zeichen setzen und zeigen, dass bezahlbares Wohnen in Großstädten machbar ist. „Uns fehlt nicht Wohnraum, sondern Fantasie“, sagt er. Die originelle Idee entstand an der von Le-Mentzel in Kooperation mit dem Bauhaus-Archiv und dem Museum für Gestaltung gegründeten  Tiny-House-University in Berlin. Das Projekt setzt sich unter anderem ein für ökologisches Bauen und  soziale Nachbarschaft.

 

Modellwohnung in Berlin-Kreuzberg

Anschauen kann man das Modell der Mini-Wohnung noch bis zum 17. März in Berlin-Kreuzberg, am Carl-Herz Ufer 9. Leer steht es nicht: Der Architekt hat die wohnsitzlose Amelie eingeladen, darin Probe zu wohnen. „Warum sollte es leer stehen?“, sagt Le-Mentzel. Nur das kleine Modellhaus steht auf Rollen und sieht daher ein bisschen nach Wohnmobil aus; würde die Idee umgesetzt, entstünde ein fester Bau mit mehreren Wohnungen verschiedener Größe. Konzipiert ist die Miniwohnung als Modul, das sich neben- und übereinander erweitern lässt auf bis zu fünf Geschosse. „Wir haben ‚Harry-Potter-Wände‘ entworfen, die kann man einfach rausnehmen und so die Wohnung vergrößern“, sagt der Architekt. Mehr Fläche bedeutet dann natürlich auch etwas mehr Miete, sie wäre im Vergleich aber immer noch sehr moderat.

Qualität auf kleinstem Raum

Aus mehreren Modulen entstünde ein „Cobeing“-House mit gemeinsam genutzten Flächen, in dem aber jeder ein eigenes Bad, eine eigene Küche habe. Warum kam noch niemand auf die Idee so zu bauen? „Wir verletzen einige Standards und Vorschriften“, gibt Le-Mentzel zu. „Aber wenn man es ernst meint, günstigen Wohnraum zu schaffen, müssen wir einfach anfangen und nicht nur auf die Regeln schauen“, ist der Architekt überzeugt.  Deshalb gibt es zum Beispiel auch eine Deckenhöhe von 3,60 Meter wie in einem der beliebten Berliner Gründerzeit-Altbauten. Hier wird der „Standard“ dann nach oben gebrochen, denn normal sind bei Neubauten ca. 2,50 Meter, „weil wir auf kleinstem Raum viel Qualität wollen“.

Vom Projekt zur Wirklichkeit?

„Wir wollen diese Idee wirklich umsetzen“, sagt Le-Mentzel. Und vielleicht hat der Entwurf die Chance dazu. Ein kirchliches Wohnungsunternehmen zeige bereits Interesse und prüfe Grundstücke, sagt der Architekt. „Wir haben alles durchgerechnet, ein Investor käme auf immerhin bis zu 7 Prozent Rendite.“ Luftschlösser will Le-Mentzel nämlich nicht bauen.

Van Bo Le-Mentzel, Jahrgang 1977, der als Kind mit seinen Eltern aus Laos nach Berlin kam und dort aufwuchs und studierte, hat schon öfter mit guten Ideen für preiswertes Wohnen auf sich aufmerksam gemacht. Zum  Beispiel mit Bauplänen für Möbel, die jeder ganz einfach und günstig nachbauen kann.

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