„Die Herausforderung motiviert mich“

Im Jemen leiden die Menschen massiv unter den Folgen des Krieges. So erlebt die Deutsche Fiona Bay ihren Einsatz für Ärzte ohne Grenzen.

Fiona Bay im Jemen: „Wir können hier viel Gutes tun“
Fiona Bay im Jemen: „Wir können hier viel Gutes tun“ 2018 Ärzte ohne Grenzen e.V.

Die Krankenschwester Fiona Bay ist seit November 2018 für die private Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) im Jemen im Einsatz. Seit 2007 sind die ÄoG – die deutsche Sektion von Médecins Sans Frontières – im Jemen aktiv. Finanziert aus privaten Spenden operieren die Teams, leisten Geburtshilfe, behandeln Unterernährte, starten Impfkampagnen.

Frau Bay, wie sieht Ihre Arbeit im Jemen aus?
Ich kümmere mich in Amran, nördlich der Hauptstadt Sanaa, in zwei Krankenhäusern um die medizinische Teamleitung. Dort bin ich eine von fünf internationalen und mehr als 300 nationalen ÄoG-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern. Dazu gehören unter anderem Logistiker, Ärzte und Hebammen.

Am Patienten arbeite ich also nicht, sondern vorrangig im Büro. Ich koordiniere zwischen den Stationen und den zwei Kliniken, bin Ansprechpartnerin für das medizinische Personal, sorge für Medikamentennachschub und sammele Daten, etwa über neue Cholera-Fälle. Als Krankenschwester steigt man bei ÄoG in der Regel mit einer Position ein, die Stationsleitern in Deutschland entspricht.

Was sind die größten Herausforderungen für die medizinische Hilfe im Jemen?
Unter anderem der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes. Wenn das Benzin auf dem Markt zu teuer wird, kann sich die ärmere Bevölkerung oft die Fahrtkosten ins Krankenhaus nicht mehr leisten. Weil das Gesundheitssystem kollabiert, haben zudem viele Frauen keinen Zugang zu sicherer Geburtshilfe. Damit steigt die Sterblichkeitsrate der Mütter und der Kinder.

Warum haben Sie sich den Ärzten ohne Grenzen angeschlossen?
Zuletzt habe in Deutschland als Krankenschwester in der Notaufnahme einer Klinik gearbeitet, suchte aber eine neue Herausforderung. So kam ich zu Ärzte ohne Grenzen. Meinen ersten Einsatz hatte ich  2015 im Südsudan. 2016 war ich im Nordosten Nigerias tätig, danach ein Jahr im Irak.

Viele Frauen haben keinen Zugang zu sicherer Geburtshilfe.

Fiona Bay, Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen im Jemen

Haben Sie während der Einsätze keine Angst?
Eigentlich nicht. Sicherheit wird bei Ärzte ohne Grenzen groß geschrieben. Das Risiko empfinde ich als sehr gering in Relation zu dem, was wir hier Gutes tun können. Außerdem war ich schon während meiner Ausbildung über einen kleinen Verein in Krisenregionen unterwegs – etwa auf den Philippinen nach dem Tsunami.

Wie gehen Sie mit den Belastungen um?
Manchmal verzweifle ich über die ungleiche Verteilung von Lebensqualität auf der Welt. Aber ich habe über die Jahre gelernt, mich um mich zu kümmern, genug zu schlafen, Sport zu treiben. Mit den Kollegen tausche ich mich abends aus, wir schauen Filme, spielen Karten. Die Herausforderung motiviert mich und gibt mir Kraft. Jeden Tag lerne ich Neues und werde über meine Grenzen hinaus geschubst. Und schließlich retten wir Menschenleben.

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