Aus 1918 lernen

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Zahlen und Fakten zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Eine Projektion am Kölner Dom erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.
dpa

Warum brach der Erste Weltkrieg aus?

Am 28. Juni 1914 wurde der Thronfolger Österreich-Ungarns in Sarajewo ­erschossen. Das Attentat löste eine diplomatische Eskalation und militärische ­Eigendynamik aus. Deutschland, das zur Weltmacht aufsteigen wollte, trug dafür eine hohe und mitentscheidende Verantwortung. Dies war der Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien sowie das Osmanische Reich gegen fast alle Staaten Europas und später auch die USA kämpften.

Was unterscheidet den Ersten Weltkrieg von den Kriegen zuvor?

Der Erste Weltkrieg war der erste industrielle Krieg in Europa, in dem Menschen mit Maschinengewehren, Panzern, Flugzeugen und U-Booten, mit Flammenwerfern und Giftgas massenhaft vernichtet wurden.

Wie viele Opfer gab es?

Rund neun Millionen Soldaten verloren ihr Leben. Noch nie hatte bis dahin ein Krieg in Europa so viele zivile Opfer gefordert: ­Ihre Zahl wird auf sechs Millionen geschätzt. Im Sommer 1918 war die Niederlage Deutschlands unausweichlich. Als die Kriegsmarine im Oktober noch einmal aus­laufen sollte, meuterten die Matrosen. Das war das Signal zur ­Re­volution, die am 9. November Berlin erreichte. Noch am selben Tag wurde die Republik ausgerufen, der deutsche Kaiser Wilhelm II. musste abdanken.

Quelle: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

Kampf an der Westfront
Kampf an der Westfront dpa

Es geht darum, aus 1918 zu lernen, was 2018 zu bedenken ist.

Oliver Janz, Professor für Neuere Geschichte an der der Freien Universität Berlin

Was kann man aus 1918 lernen?

Auf einer internationalen Konferenz im Auswärtigen Amt diskutieren am 11. und 12. Oktober 2018 namhafte internationale Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Medien das Ende des Ersten Weltkriegs, seine Folgen und seine Bedeutung für die Gegenwart. Dabei spannen sie einen weiten Bogen von der historischen Betrachtung bis zur Diskussion aktueller Konflikte und möglicher Friedenslösungen. Oliver Janz, Professor für Neuere Geschichte an der der Freien Universität Berlin und Projektleiter der Tagung, sagt: „Die Leitfragen, die diese Konferenz strukturieren, entspringen der Gegenwart. Es geht darum, aus 1918 zu lernen, was 2018 zu bedenken ist.“

Was bedeuten divergierende Erzählungen für heutige politische Fragen?

Welche Entwicklungslinien reichen von der unmittelbaren Nachkriegszeit in unsere Gegenwart? Welche aktuellen Probleme und Krisen reichen bis in diese Zeit zurück? „Alles deutet darauf hin, dass die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und sein Ende vor 100 Jahren in sehr unterschiedlichen nationalen Bahnen verläuft“, sagt Janz. In Deutschland würden die Niederlage und der Friedensvertrag von Versailles als weitere Meilensteine auf dem Weg in die Katastrophe des Nationalsozialismus gesehen, konstatiert der Historiker. „In anderen Staaten wird vor allem der unter heldenhaften Opfern errungene Sieg in einem legitimen Krieg für Recht und Freiheit erinnert; in wieder anderen Ländern vor allem die Erlangung der nationalen Unabhängigkeit und die Kriege nach dem Krieg, die zu ihr führten.“ Was bedeuten diese divergierenden Erzählungen für heutige politische Fragen, wo liegen Berührungspunkte und Schnittflächen, die unter Berücksichtigung unterschiedlicher nationaler Erfahrungen dennoch ein gemeinsames Lernen ermöglichen?

Konferenz „Frieden gewinnen – Der Erste Weltkrieg zwischen Geschichte, Erinnerung und gegenwärtigen Herausforderungen“, 11. - 12. Oktober 2018 im Auswärtigen Amt