Deutschland und China im Dialog

Regelmäßig tauschen sich beide Länder in den Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen aus.  Fünf Punkte, die man über die bilateralen Beziehungen wissen muss.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staats- und Parteichef Xi Jinping
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staats- und Parteichef Xi Jinping dpa
  1. Ein direkter Vergleich zwischen Deutschland und China verbietet sich im Grunde. Zu groß sind die Unterschiede in den wichtigsten Kennzahlen wie Bevölkerung, Fläche oder politischem System. China ist mit 9.596.961 km² fast 27 Mal größer als Deutschland (357.581 km²) und hat mit 1,4 Milliarden Einwohnern fast 17 Mal so viel Einwohnerinnen und Einwohner wie Deutschland (83 Millionen). Der parlamentarischen Demokratie in Deutschland steht in China ein Einparteiensystem gegenüber.
  2. Aber beide Länder unterhalten enge politische Beziehungen. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1972 haben sie sich immer weiter verdichtet. Heute stimmen sich regelmäßig hochrangige Vertreter beider Länder in circa 80 Dialogmechanismen zu Handel, Investitionen, Umwelt, Kultur oder Wissenschaft ab. Darüber hinaus finden seit 2011 Deutsch-Chinesische Regierungskonsultationen mit Mitgliedern der Kabinette  statt – die sechste Auflage Ende April 2021 wegen der Corona-Pandemie nur virtuell.
  3. Noch intensiver haben sich die Wirtschaftsbeziehungen entwickelt. China ist – noch vor europäischen Ländern oder den USA – Deutschlands wichtigster Handelspartner. Im Jahr 2020 wurden Waren im Wert von 212,4 Milliarden Euro zwischen Deutschland und China gehandelt. Das schlägt sich auch in den Direktinvestitionen nieder. Im Jahr 2018 lagen die deutschen Direktinvestitionen in China bei 86 Milliarden Euro; die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland bei 3,2 Milliarden Euro, Tendenz steigend.
  4. Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit wird seit 1978 kontinuierlich ausgebaut und umfasst heute fast alle wichtigen Themenfelder von Industrie 4.0 über Elektromobilität bis zu Life Sciences. In der Wissenschaftskooperation spielen die deutschen Wissenschaftsorganisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft mit ihren Repräsentanzen in China eine wichtige Rolle. Sehr erfolgreich agiert der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD: China stellt mit rund 45.000 Studierenden mit Abstand die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland.
  5. Trotz der insgesamt positiven Entwicklung der bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede in der Frage der Menschenrechte. Ein wichtiges Kooperationsinstrument in dieser Hinsicht ist der Rechtsstaatsdialog sowie der bilaterale Menschenrechtsdialog. Deutschland hat darüber hinaus großes Interesse, dass China die Märkte weiter öffnet, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Partizipation zulässt, Minderheitenfragen friedlich löst und auch in diesem Sinne sein Engagement in internationalen Institutionen und für eine regelbasierte internationale Handelsordnung gestaltet.

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