Der lange Weg zur Energiewende

Der Einstieg in eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland reicht bis in die 1970er-Jahre zurück.

Daniel Schoenen/Look - Energy

1976

Experiment Windenergie

Nicht erst seit den Ölkrisen der 1970er-Jahre gilt die Windenergie als Möglichkeit, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern. 1976 soll ein Technologiesprung herbeigeführt werden. Das Forschungsministerium beschließt den Bau einer 100 Meter hohen Großwindanlage (Growian) in Norddeutschland. Doch die erst 1983 in Betrieb genommene Anlage erweist sich als Misserfolg und wird 1988 abgerissen.

1984

Enercon in Kinderschuhen

1984 baut der friesische Tüftler Aloys Wobben ­einen Windmotor in seinem Schuppen; seine Firma Enercon wächst zum Mittelständler ­heran, bis Wobben 1992 eine getriebelose Windmaschine entwickelt, mit der neue Windräder besser 
und zuverlässiger laufen; die Firma zählt heute zu den wichtigsten Unternehmen des 
Weltmarkts.

1987

Erster Windpark am Netz

Am 24. August 1987 geht im Kaiser-Wilhelm-Koog an der schleswig-holsteinischen Westküste der erste 
deutsche Windenergiepark in Betrieb. 32 unterschiedliche Windkraftanlagen mit Leistungen zwischen zehn und 25 Kilowatt verwandeln fortan Nordseewind in elektrischen Strom.

1990

Energie vom Dach

Das sogenannte 1000-Dächer-Programm startet. Insgesamt werden bundesweit 2550 Dächer mit Fotovoltaikanlagen (Gesamtleistung 6 Megawatt) ausgestattet. Sonnenenergie pur.

1991

Gesetz für Erneuerbare

Am 1. Januar des Jahres 1991 tritt das kurz zuvor verabschiedete Stromeinspeisungsgesetz in Kraft. Es regelt erstmals die Verpflichtung der großen Elektrizitätsversorgungsunternehmen, elektrische Energie aus regenerativen Umwandlungsprozessen (Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie, Deponiegas, Klärgas oder Biomasse) abnehmen und zu festgelegten Tarifen vergüten zu müssen. Das erleichtert die Einspeisung von „grünem Strom“ beträchtlich. Das Stromeinspeisungsgesetz wird zum Vorläufer des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes, das im Jahr 2000 auf den Weg gebracht werden sollte.

 

1992

Erdgipfel in Rio

Der Erdgipfel 1992 in Brasilien macht die Bedrohung durch den Klimawandel zum globalen Thema; bis Ende der 1990er-Jahre verzehnfacht sich die Zahl der Windräder in Deutschland; weitere Solar­anlagen und neue Finanzierungsmodelle entstehen.

2000

Meilenstein EEG

Im Rahmen des „Atomkonsens“ vereinbart die Bundesregierung mit den vier deutschen Kernkraftwerksbetreibern, die deutschen Kernkraftwerke nach dem Erzeugen bestimmter Strommengen abzuschalten. Am 
1. April 2000 tritt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft. Die Vergütungssätze, die Anlagenbetreiber ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme für 20 Jahre erhalten, werden mit dem EEG stärker differenziert. Höhere Vergütungssätze für Fotovoltaik und der Einbezug von Technologien wie Geothermie sollen eine Anschubförderung geben. Der Vorrang für Strom aus Erneuerbaren bei Einspeisung und Netzanschluss wird gesetzlich verankert. Das EEG wirkt fortan als Motor für den Ausbau Erneuerbarer Energien, auch weil es stabile Rahmenbedingungen bietet. Das Gesetz entwickelt sich in der Folgezeit zum erfolgreichen Exportgut: 65 Länder weltweit haben zwischenzeitlich Fördersysteme nach dem Vorbild des EEG eingeführt. Seit dem Jahr 2000 hat das EEG drei „große“ 
Novellen erfahren (EEG 2004, EEG 2009, 
EEG 2012).

2010

Vorausschau bis 2050

Im September 2010 beschließt die Bundesregierung erst-mals ein umfassendes Energiekonzept. Es benennt die wichtigsten strategischen Ziele und Maßnahmen der deutschen Energie- und Klimapolitik und legt damit den Rahmen 
für den grundlegenden Umbau der Energieversorgung in Deutschland bis 2050. Darum geht es: weniger Treib­hausgase, mehr Energieeffizienz und Erneuerbare Energien als Grundlage.

Kernenergie als Brücke

Mit der Novelle dess Atomgesetzes wird am 28. Oktober eine Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke beschlossen, um die Atomenergie als Brückentechnologie nutzen zu können. Die sieben vor 1980 in Betrieb gegangenen Kernkraftwerke erhalten zusätzliche acht Betriebsjahre, die übrigen zehn zusätzliche 14 Jahre.

Erster Offshore-Windpark

Am 27. April 2010 wird alpha ventus, der erste deutsche 
Offshore-Windpark, in Betrieb genommen. Die Anlage liegt circa 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum in der 
Nordsee und speist jährlich rund 267 Gigawattstunden ins Netz ein – das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 70 000 Haushalten.

2011

Reaktion auf Fukushima

Im März 2011 beschließt die Bundesregierung – kurz nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima – den beschleunigten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Zunächst verkündet sie ein dreimonatiges Atom-Moratorium für die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke sowie für das pannenanfällige Kernkraftwerk Krümmel; kurz darauf beauftragt sie die Reaktor-Sicherheits-Kommission und die neu ein­gesetzte Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, um ihren Atomausstieg zu prüfen. Am 6. Juni 2011 beschließt das Bundeskabinett energiepolitische Eckpunkte, um bis zum Jahre 2022 schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen und gleichzeitig eine bezahlbare, umweltfreundliche und zuverlässige Energieversorgung zu sichern. Zusammen mit dem Energiekonzept vom September 2010 beschreiben diese Beschlüsse den Weg in das neue Energiezeitalter.

Größter Solarpark

Der größte Solarpark Deutschlands geht auf 
dem Gelände des ehemaligen Braunkohletagebaus Meuro in Südbrandenburg mit 70 Megawatt 
Solarleistung ans Netz. Der Solarpark erstreckt sich auf einer Fläche von 150 Hektar, das entspricht in etwa der Größe von 220 Fußballfeldern.

2012

EEG auf dem Prüfstand

Rund 23,5 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms stammt mittlerweile aus Erneuerbaren Energien – zum Vergleich: im Jahr 2000 waren es lediglich 
6,2 Prozent. Durch den EEG-geförderten erneuerbaren Strom konnten über 146 Millionen Tonnen Treibhaus­gase eingespart werden. Gleichwohl steht das Erneuerbaren-Energien-Gesetz auch nach seiner Revision 
von 2012 in der Kritik. Ein Hauptgrund ist die Kosten­dynamik des EEG, die zu steigenden Belastungen 
für Wirtschaft und Verbraucher führt.

Greentech als Jobmotor

Die Umweltbranche ist zwischenzeitlich eine der wachstumsstärksten Sparten in Deutschland. Schätzungsweise 380 000 Menschen sind in der Greentech-Branche beschäftigt. Deutsche Unternehmen sind in vielen Bereichen der Erneuerbaren Energien Technologieführer, ­bekommen aber zunehmend starke internationale Konkurrenz, vor allem aus China.

2013

Energiewende vollenden

In ihrem Koalitionsvertrag erklären die ­Regierungsparteien CDU/CSU und SPD die „Energiewende“ zum zentralen Projekt 
der Legislaturperiode.

2014

EEG 2.0

Mit der EEG-Reform soll die Kosteneffizienz und Planbarkeit beim Ausbau Erneuerbarer Energien in den Mittelpunkt rücken; bis 2025 soll der Öko­strom­anteil auf 40 bis 45 Prozent steigen.