Reisefreiheit in Europa

Seit 20 Jahren wird das Schengen-Abkommen praktisch umgesetzt. Damit fielen unter anderem Personenkontrollen an vielen europäischen Binnengrenzen weg.

dpa

Manchmal ist es gut, wenn Dinge nutzlos werden. Schlagbäume zum Beispiel, oder Grenzwärterhäuschen. An einigen Grenzübergängen in Europa kann man sie heute noch sehen. Doch die Anlagen sind verwaist, haben keinen Zweck mehr, seit am 26. März 1995 das Schengener Durchführungsübereinkommen (SDÜ) in Kraft gesetzt wurde.

Das Winzerdorf, das dem Vertrag und damit der Idee der europäischen Reisefreiheit einen Namen gab, liegt im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg auf luxemburgischem Gebiet. Knapp 4400 Menschen leben in Schengen, das aus symbolischen Gründen als Ort der Unterzeichnung gewählt wurde. Auf dem Moselschiff „Princesse Marie-Astrid“ hatten Vertreter Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Luxemburgs und der Niederlande 1985 jenes Dokument unterschrieben, das völlig neue Antworten auf Fragen von Mobilität und Sicherheit in Europa gab.

Gemeinsames „Schengen-Visum“ für 90 Tage

So fielen an den Grenzen zwischen den beteiligten Ländern Personenkontrollen weg. Lediglich stichprobenartig oder vorübergehend dürfen Reisende heute überprüft werden, etwa während internationaler Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften oder wenn die innere Sicherheit massiv bedroht ist. Zudem wurde das „Schengen-Visum“ eingeführt. Es gewährt Bürgern aus Drittstaaten für 90 Tage Reisefreiheit im Schengen-Raum. Wer von außen in das Gebiet einreisen will, wird nach einem gemeinsamen Standard kontrolliert. Auch die koordinierte Bekämpfung von Drogenkriminalität wurde vereinbart und das Schengener Informationssystem (SIS) geschaffen, mit dem Polizeidienststellen in der EU Daten über gesuchte Personen austauschen können. Im Laufe der Jahre haben weitere Länder das Abkommen unterzeichnet oder sind mit ihrem Beitritt zur EU automatisch Teil des Schengen-Raums geworden. In 26 europäische Staaten kann man heute ohne Passkontrolle einreisen. Neben den meisten EU-Mitgliedern gehören zum Schengen-Raum auch Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

„Die Reisefreiheit ist für Millionen Bürger täglich gelebtes Europa“, schrieb die damalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Viviane Reding 2012 in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Die junge Generation kann es sich gar nicht mehr vorstellen, in langen Stauungen vor den Grenzhäuschen zu stehen und kontrolliert zu werden. Schengen steht für Freiheit, Schengen steht für einen besonderen Geist der Zusammenarbeit. Mit den offenen Grenzen hat Europa für viele Menschen ein Gesicht bekommen – ein Gesicht mit positiven Zügen.“

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