Vielfalt schafft Innovation

Die Mitgliedsländer der EU haben verschiedene Wege der Digitalisierung eingeschlagen. Fünf gute Beispiele.

Autoproduktion bei Audi
AUDI AG

DEUTSCHLAND: SMART FACTORY

Kameras und Sensoren überwachen die automatisierte Fertigung, Roboter greifen im Notfall ein und beheben Fehler. Drohnen fliegen durch die Fabrik und bringen Materialnachschub. Ist das Lager leer, bestellt eine Software automatisch nach. Arbeiter sind keine zu sehen. So sieht die intelligente Fabrik der Zukunft aus, die in manchen deutschen Unternehmen schon Wirklichkeit geworden ist. Maschinen, Software und Roboter sind über superschnelles Internet miteinander verbunden. Sie kommunizieren, lernen voneinander und identifizieren Produkte anhand von RFID-Chips.

Doch in der Industrie 4.0 geht es nicht nur darum, dass Maschinen autonom und automatisiert Produkte herstellen. Die vierte industrielle Revolution ist der Abschied von der industriellen Massenfertigung für einen anonymen Kunden. Stattdessen wird bedarfsgerecht nach Kundenauftrag pro­duziert. Der geht online in der Fabrik ein und eine Software programmiert die Fertigungsanlagen. Dabei lernen die Systeme dank Künstlicher Intelligenz mit jedem Auftrag dazu. Individuell anstatt auf Lager zu produzieren ist billiger und ökologischer. Da auch die meisten Produkte zunehmend ­digitaler werden, endet die Geschäftsbeziehung immer seltener mit dem Verkauf eines fertigen Produkts. Stattdessen werden hybride Produkte inklusive Dienstleistung wie Software-Updates und Wartung verkauft.

Die neueste deutsche Technologie in der Smart Factory ist der digitale Boden. Ausgestattet mit Strom- und Datenleitungen versorgt und lenkt er Roboter. Das spart leistungsstarke Akkus und komplexe Ortungssysteme. Auch Fertigungsanlagen lassen sich über den Boden steuern und so ­Produktionslinien je nach Bedarf verändern. In der intelligenten Fabrik sind alle Komponenten vernetzt, ­flexibel und mobil. Nur das Fabrikgebäude selbst steht unverrückbar da – noch.

FINNLAND: E-HEALTH

Digitalisierung in der Medizin
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Finnland ist schon lange europäischer Spitzenreiter in Sachen Digitalisierung: Angefangen mit Handys über Onlinebanking und elektronischer Verwaltung (E-Government) ist Digital Health inzwischen der größte Hightech-Exportsektor. Seit 2010 werden Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente digital ausgestellt, die elektronische Patientenakte gibt es in dem nordischen Land seit mehr als 20 Jahren. Darin sind Gesundheitsdaten, ärztliche Diagnosen und Rezepte gespeichert. Patienten und behandelnde Ärzte können so von überall her Blutwerte oder Vorerkrankungen einsehen. Wer in dem dünn besiedelten Land ein gesundheitliches Problem hat, besucht ein virtuelles Gesundheitsdorf. Die Plattform bietet seriöse Informationen im Netz und lotst durch das finnische Gesundheitssystem. Patienten können sich online mit Ärzten austauschen und Termine vereinbaren. Neuster Coup im Bereich Digital Health ist das 2017 gestartete nationale Genforschungsprojekt FinnGen. Gesammelt werden Gendaten von zehn Prozent aller Finnen. Das Ziel: Veränderungen im Erbgut sichtbar machen und Krankheiten vorbeugen.

TSCHECHIEN: 3-D-DRUCK

3d-Printer
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Im ehemaligen Land der Schwerindustrie hat die Digitalisierung heute einen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Informatik ist ein häufiges Studienfach und aus Heimatliebe gründen viele Tschechen lieber eigene Tech-Startups statt auszuwandern. Darunter sind einige Weltmarktführer. Cybergym Europe simuliert in eine Prager Villa den Cyberwar. Aus ganz Europa schicken Firmen ihre Mitarbeiter auf den digitalen Übungsplatz. Dort lernen sie, was bei einem Hackerangriff zu tun ist. Auch der weltweit am häufigsten verwendete 3-D-Drucker stammt aus Prag. Prusa Research gilt als die am schnellsten wachsende Tech-Firma in Mitteleuropa. Tausende 3-D-Drucker verschickt die Druckerfarm im Monat in alle Welt, Tag und Nacht drucken die Geräte Drucker – sie reproduzieren sich quasi selbst. Noch immer sind die Drucker Open Source, das heißt, alle Programmiercodes sind frei zugänglich.

ESTLAND: DIGITALE BEHÖRDEN

Smart-ID-App
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Wenn frischgebackene Eltern in Estland entspannter sind als anderswo, mag das an der Verwaltung liegen. In „E-Estonia“, wie sich das baltische Land gern nennt, wird ein neugeborenes Kind vom Krankenhaus sofort bei den Behörden angemeldet. Geburtsurkunde, Krankenversicherung, Kindergeld und andere Zuschüsse werden automatisch beantragt. Ein Grund für die fortgeschrittene Digitalisierung liegt in der dünnen Besiedelung des baltischen Landes. Weil der Weg zu den Behörden meist weit ist, tüftelten die Esten schon früh an digitalen Lösungen. Mehr als 3000 Online-Dienstleistungen bieten Behörden und Unternehmen heute an. Um diese zu nutzen, braucht es nur die Bürgerkarte. Diese ist gleichzeitig Ausweis, Führerschein und Versichertenkarte. Sogar wählen können die Esten seit 2005 online. Nur bei drei Angelegenheiten ist der Gang zum Amt noch nötig: bei Heirat, Scheidung und Immobilienkauf.

LUXEMBURG: SCHNELLES INTERNET

Netzwerkverbindungen
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Beim „Digital Readiness Index“ des Netzwerkanbieters Cisco landete das kleine Großherzogtum auf Platz 2 – hinter Singapur. Das Ranking mit 141 Ländern ­bildet ab, wie gut die Länder auf die digitale Zukunft vorbereitet sind. Beim Vergleich der besten Rahmenbedingungen für Startups landete Luxemburg sogar auf dem ersten Platz. Der luxemburgische Staat unterstützt Neugründungen und es gibt einen regen Markt für Wagniskapital. Luxemburg hat viel Geld in die digitale Infrastruktur investiert, so dass Zugang zum Breitbandinternet flächendeckend verfügbar ist. Die Abdeckung mit besonders schnellem Internet mit Download-Geschwindigkeiten von über 30 Mbit pro Sekunde liegt bei 96 Prozent. Damit ist Luxemburg Spitzenreiter in Europa, der europäische Durchschnitt ist 74 Prozent. Auch bei der erfügbarkeit von mobilem Internet schneidet Luxemburg überdurchschnittlich gut ab. In der Öffentlichkeit gibt es überall W-Lan-Hotspots. So kann jeder jederzeit surfen ohne eigenes Datenvolumen zu verbrauchen.

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