Ein Lied auf die Freiheit

Aleksandra Pawłowska engagiert sich für den Austausch zwischen Deutschen und Polen.

Stephan Pramme - Aleksandra Pawlowska

„Die Deutschen wissen wenig über Polen. Unsere breite Ostseeküste zum Beispiel ist vielen unbekannt. Manch einer weiß noch nicht einmal, dass Polen ein unmittelbares Nachbarland ist. Das erlebe ich immer wieder, seit ich beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk, kurz DPJW, arbeite. Die Deutschen, die ich hier kennenlerne, möchte ich davon überzeugen, dass uns nicht viel von­einander trennt.

Historisch gibt es wichtige Verbindungen, vor allem in Bezug auf den Mauerfall. Mit der Streikbewegung der polnischen Gewerkschaft Solidarność begann ab 1980 die Freiheitsbewegung. Das wissen die wenigsten in meinem Alter. Für uns junge Menschen ist das Leben in Freiheit selbstverständlich. Wenigen ist bewusst, dass unsere Eltern hart dafür gekämpft haben. Bevor ich im DPJW arbeitete, hatte ich wenig Interesse am Mauerfall. In unserer Familie wurde selten über die Ereignisse gesprochen, obwohl mein Großvater, ein Fabrikarbeiter, die Streiks hautnah erlebt hat. Erst jetzt rede ich mit meiner Familie darüber und erfahre mehr über die Geschehnisse. Diesen Teil der Geschichte möchte ich noch mehr jungen Menschen vermitteln. Zusammen mit meiner Kollegin Helena Bernhardt, die ihren Freiwilligendienst im Warschauer DPJW-Büro absolviert, organisiere ich deshalb eine Jugendbegegnung zum Mauerfall: Zwölf junge Deutsche und Polen nehmen an einem mehrtägigen Workshop in Danzig teil, informieren sich über die gemeinsame Geschichte und tauschen sich über ihr Verständnis von Freiheit aus. Es ist kein Zufall, dass wir in Danzig zusammenkommen. Hier unterzeichnete Lech Wałęsa das „Danziger Abkommen“ und begründete die Solidarność.

Die Ergebnisse des Workshops verarbeiten wir in einem Rap-Song. Auf diese Weise verbinden wir Geschichte und Musik – Helena und ich glauben, dass die Ereignisse von 
1989 und unser Bezug zu ihnen so besser in Erinnerung bleiben. Das ist, finden wir, das Beste, was wir für junge Menschen heute tun können.“ ■

ALEKSANDRA PAWLOWSKA //
GLIENICKER BRÜCKE

Aleksandra ist 23 Jahre alt und stammt aus der polnischen Hauptstadt Warschau. Das Bild zeigt sie vor der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Im Kalten Krieg lag die Brücke auf der Grenze zwischen Ost und West und wurde von ­Sowjets und Amerikanern zum Austausch ihrer Agenten genutzt. Aleksandra absolviert im Potsdamer Büro des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) einen Freiwilligendienst. Die 1991 gegründete Organisation bringt junge Menschen aus Deutschland und Polen in Projekten, Workshops und Sport zusammen. Neben dem Büro in Potsdam gibt es einen weiteren Standort in Warschau.

Protokoll: Clara Görtz, Helen Sibum, Foto: Stephan Pramme