Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Kein Land hat mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als Jordanien. Das verschärft die Probleme um knappe Ressourcen und fragile Infrastruktur. Wie Deutschland sich dafür einsetzt, das zu ändern.

Schulalltag im Flüchtlingslager Zaatari
Lernen im Container: Schulalltag im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien. Tim Kanning

Dieser Lehrer ist ein Vorbild für seine Schüler: Voller Energie springt er mit breitem Lächeln an seinem Whiteboard hin und her, schreibt englische Sätze an und fragt die Schülerinnen nach der richtigen Zeitform. Nennt eine von ihnen die richtige Lösung, wirft er die Arme hoch und lacht motivierend. Sein Ehrgeiz und seine Begeisterung wirken ansteckend. Die 15 Jahre alte Danya weiß besonders viel. Sie spricht schon fast fließend Englisch. Dabei musste sie aus ihrer Heimat Syrien fliehen, als sie gerade einmal zehn Jahre alt war, und in einen Container umziehen, den sie heute ihr Zuhause nennt.

Danyas Schule ist keine normale Schule, die Idylle im Klassenzimmer trügt. Das einfache Gebäude steht in einem der größten Flüchtlingslager der Welt: Zaatari im Norden Jordaniens, aus dem Boden gestampft in einer wüsten, kargen Landschaft, nur wenige Kilometer entfernt von der syrischen Grenze. 80.000 Geflüchtete leben dort in provisorischen Unterkünften; die Vereinten Nationen und viele nationale Hilfsorganisationen kümmern sich um den Betrieb. Mit zwei großen Einkaufsstraßen, mehreren Krankenstationen, Schulen und Kindertagesstätten funktioniert Zaatari fast wie eine richtige Stadt.

Keine verlorene Generation

Dass Danya und die anderen Kinder und Jugendlichen hier zur Schule gehen können, verdanken sie unter anderem der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das Kinderhilfswerk UNICEF der Vereinten Nationen betreibt die Schulen und Bildungsstätten in Zaatari; Deutschland ist nach Großbritannien der größte Geldgeber. 17 Millionen Euro hat die Bundesrepublik allein für das Projekt „No lost Generation“ bereitgestellt. Es soll verhindern, dass die Kinder des Krieges als verlorene Generation ohne Bildung und Hoffnung aufwachsen. Im Gegenteil. Sie sollen eines Tages ihre Heimat wieder aufbauen.

Auch Danya will auf jeden Fall eines Tages nach Syrien zurückkehren. „Das ist schließlich mein Land“, sagt sie. Sie weiß aber auch, dass das noch eine ganze Zeit dauern wird. Ihre Mutter telefoniert oft mit den Verwandten, die in der Heimat geblieben sind. „Sie leben. Aber es ist alles kaputt“, sagt Danya und starrt mit ihren hellblauen Augen einen Moment lang ins Leere.

Verständnisvolle Nachbarn

1,2 Millionen syrische Flüchtlinge sind nach offiziellen Angaben seit Beginn des Bürgerkriegs nach Jordanien geflohen, das selbst kaum neun Millionen Einwohner hat. Nur ein Teil der Syrer ist in den offiziellen Flüchtlingslagern untergekommen, die meisten sind einfach in die Städte gezogen, zu Verwandten oder in eigene Wohnungen. Alles wird dort nun knapp: das Wasser, der Strom, die Plätze in den Schulen, die Jobs. Die Jordanier haben großes Verständnis für die Notlage ihrer Nachbarn und akzeptieren die hohe Zahl von Flüchtlingen bislang erstaunlich gelassen. Dabei sind die Einschränkungen im Alltag erheblich: Frisches Wasser gibt es im Sommer oft nur noch an einzelnen Tagen, viele Schulen sind überfüllt und arbeiten im Schichtbetrieb. Und weil viele Syrer schwarz oder zu Niedriglöhnen arbeiten, wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt für alle eng.

Die Schulen in Zaatari sind nur ein Teil der Hilfen, mit denen Deutschland Jordanien unterstützt. Die deutsche Entwicklungsbank KfW finanziert auch neue Kläranlagen und Wasserleitungen für das wasserarme Land und unterstützt Unternehmen, die syrischen Flüchtlingen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz geben. Das Ziel ist klar: Die Aufnahmebereitschaft in Jordanien soll nicht abreißen; nicht noch mehr Syrer sollen sich auf den beschwerlichen Weg nach Europa machen.

Warten auf den Strom

Spielte Jordanien noch vor wenigen Jahren kaum eine Rolle in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, so haben sich die jährlichen Zuwendungen seit 2011 auf 450 Millionen Euro Ende 2017 verzwanzigfacht. Projekte im Wert von 843 Millionen Euro unterstützt die KfW in Jordanien im Auftrag der Bundesregierung.

15 Millionen Euro davon flossen in eine eigene Stromversorgung für Zaatari. Weil das Flüchtlingscamp das jordanische Stromnetz zu stark beanspruchte, fiel im Norden Jordaniens oft mehrmals am Tag der Strom aus. Innerhalb des Camps war er rationiert, nur wenige Stunden am Tag gab es Strom. Für Danya hieß das: Abends um sieben Uhr ging das Licht an – erst dann konnte die 15-Jährige in dem dunklen Wohncontainer mit den kleinen Fenstern, in dem ihre Familie lebt, ihre Hausaufgaben machen oder lesen.

Doch seit November 2017 erzeugt Zaatari seinen eigenen Strom. Auf einer Fläche von der Größe mehrerer Fußballfelder sorgen 40.000 Solarpanels dafür, dass die Bewohner fast den ganzen Tag lang Strom haben, für Kühlschränke, Klimaanlagen und die Beleuchtung der staubigen Wege. Für Danya ist vor allem eines wichtig: Sie kann nun direkt nach der Schule ihre Hausaufgaben machen. „Und danach gehen wir Fußballspielen.“

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