So denken Deutsche über Außenpolitik

Deutschland übernimmt Verantwortung in der Weltpolitik – was das bedeutet und wie Menschen in Deutschland darüber denken, beantwortet die Studie „The Berlin Pulse“.

So denken Deutsche über Außenpolitik
dpa

Deutschland. Zurückhalten oder einmischen? „The Berlin Pulse“ analysiert Deutschlands Rolle in der Weltpolitik. Die Anfang Dezember erschienene Publikation der Körber-Stiftung vereint Erwartungen internationaler Partner an Deutschland und eine Umfrage zur Haltung der Deutschen zur Außenpolitik ihres Landes. Dabei traten klare Gegensätze zutage.

Wie lauten die wichtigsten Ergebnisse?

  • Kampf gegen Terror und Sicherheit für Deutschland und seine Verbündeten (71 Prozent), Umwelt- und Klimaschutz (67 Prozent) und Menschenrechte (64 Prozent) – das sind aus Sicht der Befragten die drei wichtigsten Gebiete für ein globales Engagement Deutschlands. Doch nur langsam wächst die Überzeugung, dass Deutschland in internationalen Konflikten stärker eingreifen sollte. 2016 waren 41 Prozent dieser Meinung; jetzt sind es 43 Prozent.
  • Die Flüchtlingskrise wird als größte Herausforderung der Außenpolitik angesehen (26 Prozent), gefolgt vom Verhältnis zu den USA unter Präsident Trump (19 Prozent) und dem zur Türkei (17 Prozent).
  • Afrika ist die Weltregion, die Deutschland in Zukunft am meisten unterstützen sollte, findet die Mehrheit der Befragten. Das gilt im Hinblick auf Migration und Bekämpfung von Fluchtursachen, denn Afrikas Bevölkerung könnte sich Prognosen zufolge bis 2055 verdoppeln.
  • Jeder zweite findet, dass Deutschland Innerhalb der EU die richtige Balance zwischen eigenen Interessen und Kompromissen hält. 88 Prozent sind für eine europäische Verteidigungspartnerschaft, aber nur 39 Prozent für einen europäischen Finanzminister.
Quick facts
53
Prozent

der Menschen in Deutschland interessieren sich stark für Deutschlands Außenpolitik.

71
Prozent

nennen die Sicherheit Deutschlands und seiner Partner und Kampf gegen Terror als wichtigste Aufgabe.

26
Prozent

sehen in der Flüchtlingskrise die größte Herausforderung für Deutschlands Außenpolitik.

59
Prozent

der Deutschen ist der Ansicht, dass die EU derzeit nicht auf dem richtigen Weg ist.

51
Prozent

meinen, dass Deutschland in der EU die richtige Balance zwischen Kompromissen und eigenen Interessen findet.

58
Prozent

der Deutschen befürworten eine gemeinsame europäische Armee.

Wo gibt es Differenzen zwischen Innen- und Außenansicht?

Eine knappe Mehrheit der Deutschen hält ein zurückhaltendes Auftreten auf der Weltbühne für angemessen. Aber Politiker aus allen Weltregionen und Vertreter internationaler Organisationen fordern, dass Deutschland weiter aus dem Schatten seiner Vergangenheit heraustritt und noch mehr Verantwortung übernimmt.

Deutschland sollte der Beckenbauer des globalen Europa sein.

Timothy Garton Ash, britischer Historiker

Was sagen internationale Politiker und Experten?

In Gastbeiträgen zu „The Berin Pulse 2017“ formulieren internationale Politiker und Experten Erwartungen an Deutschlands Rolle in der Weltpolitik. Eine Auswahl:

  • Die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice fordert: „Eine lebendige Demokratie und starke Wirtschaftsnation wie Deutschland muss sich international aktiv einbringen.“
  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagt: „Deutschland ist das Herz Europas, seine größte Wirtschaft und das Herz unser Allianz. Deutschlands Handeln wirkt sich auf die Nato, Europa und die internationale Sicherheit aus.“
  • Der britische Historiker und Träger des Karlspreises, Timothy Garton Ash, vergleicht Europa mit einem Fußballteam . Deutschland müsse nicht unbedingt als Coach auftreten, aber als zentraler Spieler, der das Team zusammenhält: „Deutschland sollte der Beckenbauer des globalen Europa sein.“

Wer nahm an der Umfrage teil?

Die Körber-Stiftung beauftragt jährlich eine repräsentative Umfrage zur Sicht der Deutschen auf die Außenpolitik. Für die Studie 2017 wurden im Oktober 1.005 Deutsche über 18 Jahre zu 29 Aspekten befragt.

The Berlin Pulse 2017 (PDF)

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