Was uns bewegt

Zum ersten Mal wählen: Zwei junge Deutsche sagen, welche Themen Politiker aus ihrer Sicht vernachlässigen.

Erstwähler
dpa

Leoni Roller, 18 Jahre, Schülerin

„Ich bin ein ‚Merkel-Kind‘. Seit ich in der ersten Klasse war, ist sie Bundeskanzlerin. Nächstes Jahr möchte ich mein Abitur machen – mal sehen, ob sie dann immer noch regiert. Ich rechne ihr hoch an, was sie geschafft hat, und ich weiß, dass sie unter riesigem Druck steht. Trotzdem bin ich eher für einen Wechsel. Viele meiner Freunde sehen das ähnlich, wir wünschen uns Veränderung.

Die Programme der einzelnen Parteien schaue ich mir genau an. Ein Thema, das mich sehr beschäftigt und berührt, ist die Flüchtlingsfrage. Natürlich kann Deutschland nicht jeden dauerhaft aufnehmen. Aber meiner Meinung nach müssen wir diesen Menschen so gut wie möglich helfen und sie integrieren, statt sie abzuschieben. Gleichzeitig sollte die Politik sich dafür einsetzen, dass man in ihren Heimatländern in Ruhe und Frieden leben kann. Wer meine Stimme bekommen will, muss sich außerdem klar gegen Rassismus aussprechen.

Jeder sollte sein Wahlrecht nutzen und sich gut informieren, bevor er eine Entscheidung trifft. Manchmal höre ich von Gleichaltrigen, dass sie nicht zur Wahl gehen. Andere wählen einfach das Gleiche wie ihre Eltern. Das finde ich falsch.

Erstwähler: Leoni Roller
Leoni Roller privat

Lukas Schneider, 21 Jahre, Student

„Ich habe das Gefühl, dass viele notwendige Debatten in den vergangenen Jahren nicht geführt wurden – über Bildung zum Beispiel. Studiengebühren, Bafög, der Zustand der Schulen. Nach meinem Eindruck geht es der Politik, gerade vor der Bundestagswahl, eher um Botschaften, mit denen man ältere Menschen erreicht. Klar, Deutschland hat eine alternde Bevölkerung und die Gruppe dieser Wähler ist entsprechend groß. Aber das darf nicht bedeuten, dass man andere Diskussionen wegdrückt.

Ich habe insgesamt schon das Bedürfnis, einen Wechsel zu erleben.

Lukas Schneider (21)

Ich wünsche mir auch eine Debatte über Gerechtigkeit. Deutschland ist eine der reichsten Industrienationen der Welt und hat einen erheblichen Haushaltsüberschuss. Da wäre es an der Zeit zu überlegen, wie man diesen Reichtum konsequent aufteilen kann. Klima und Umwelt sind weitere Themen, die bei meiner Wahlentscheidung eine Rolle spielen.

Ich gehöre zur Generation Merkel und habe schon das Bedürfnis, einen Wechsel zu erleben. Wenn ich mit Gleichaltrigen über die Wahl spreche, höre ich allerdings häufig, dass ihnen die Differenzen zwischen den großen Parteien zu gering sind. Sie fragen: ‚Wie kann ich sicher sein, dass meine Stimme überhaupt einen Unterschied macht?‘“

Erstwähler: Lukas Schneider
Lukas Schneider privat