„Zusammenarbeit ist der Schlüssel“

Physiker Solomon Nwabueze Agbo über Wasserstoffpartnerschaften Deutschlands mit Ländern in Subsahara-Afrika und ihren Beitrag zur Energiewende.

Experte für "grünen" Wasserstoff: der Physiker Solomon Nwabueze Agbo.
Experte für "grünen" Wasserstoff: der Physiker Solomon Nwabueze Agbo. Forschungszentrum Jülich/Wilhelm-Peter Schneider

Er gilt als Hoffnungsträger der Energiewende: Grüner Wasserstoff wird mit erneuerbarem Strom hergestellt. Zur ausreichenden Produktion sind Partnerländer mit reichlich Fläche, viel Sonne und Wind gesucht. Ein Kontinent, der über besonders viel Potential für „grüne“ Energie verfügt, ist Afrika. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt deshalb auf strategische Partnerschaften mit Ländern im westlichen und südlichen Afrika. Mit rund 5,7 Millionen Euro fördert es seit Sommer 2020 das Projekt „H2Atlas-Africa“. Der promovierte Physiker Solomon Nwabueze Agbo vom Forschungszentrum Jülich koordiniert das Projekt. Im Interview spricht der gebürtige Nigerianer über die wichtigsten Ziele des Atlas.

Herr Dr. Agbo, was dachten Sie, als Sie von der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung und Afrika als potenziellem wichtigen Partner erfuhren?

Nachdem ich sie vollständig gelesen habe, kann ich sagen: Sie ist umfangreich. Es handelt sich um eine zwar optimistische, aber insgesamt sehr klare, umfassende Roadmap mit den wichtigsten notwendigen Bausteinen, um die Energiewende zu vollenden. Dass Afrika in Bezug auf Produktion und Export von Wasserstoff als wichtiger Partner definiert wurde, ist vollkommen logisch. Internationale Partnerschaften sind der Schlüssel, um Grünen Wasserstoff weiter zu etablieren und dem Klimawandel zu begegnen. Deutschland verfügt nicht über ausreichend Möglichkeiten, um Erneuerbare Energien für Grünen Wasserstoff zu erzeugen, zu speichern und zu transportieren. Deshalb sind Partner auf der ganzen Welt so wichtig. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind attraktiv, weil sie über ausreichend Sonne und Wind für die Wasserstoffproduktion verfügen.

Der H2Atlas-Africa, den Sie aktuell am Forschungszentrum Jülich erstellen, nimmt die Potenziale Subsahara-Afrikas in Bezug auf Wasserstoffpartnerschaften mit Deutschland in den Blick. Was ist Ziel Ihres Projekts?

In insgesamt 31 Ländern im Süden und Westen Afrikas analysieren wir bis Ende 2021 die verfügbaren erneuerbaren Energie- und Wasserressourcen, die verfügbaren Flächen zur Erzeugung von Grünem Wasserstoff sowie Eckdaten zu Produktion und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Atlas verfolgt zwei Ziele: Erstens will er in einer interaktiven Karte sinnvolle Standorte für den Aufbau einer Infrastruktur zur Erzeugung Grünen Wasserstoffs festhalten. Zweitens soll das Projekt im Anschluss durch Pilotprojekte aufzeigen, wie die Produktion von Grünem Wasserstoff, sein Export und sein Vertrieb wirtschaftlich effizient realisierbar sind.

Auch die afrikanischen Partner sollen profitieren, zum Beispiel, indem durch Wasserstoff-Partnerschaften in den Ländern Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft angekurbelt wird.

Solomon Nwabueze Agbo, Physiker

Warum wären Wasserstoff-Partnerschaften mit Deutschland auch für Länder südlich der Sahara von Interesse?

Das ist ein wichtiger Punkt. Eine Partnerschaft kann nur gelingen, wenn sie für alle Beteiligten von Vorteil ist. Wir legen größten Wert darauf, dass auch die afrikanischen Partner von einer Wasserstoff-Partnerschaft profitieren, zum Beispiel, indem dadurch in den Ländern Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft angekurbelt wird. In vielen afrikanischen Ländern werden Erneuerbare Energien schon seit längerem im Haushalt verwendet. Wenn nun mit Hilfe der deutschen Partner die Potenziale weiter ausgeschöpft würden und sich Grüner Wasserstoff zum Beispiel auch im industriellen Sektor Afrikas etablieren ließe, wäre das ein wichtiger Beitrag gegen den globalen Klimawandel und für die wirtschaftliche Entwicklung afrikanischer Länder. Viele Menschen in Afrika haben großes Vertrauen und Zuversicht in Technologie aus Deutschland und denken, dass sich die Partner sehr gut ergänzen. Am Ende muss jedes Land in Afrika für sich definieren, worin die eigenen Schwerpunkte einer Wasserstoffpartnerschaft liegen. Wichtig ist, dass es sich um Partnerschaften auf Augenhöhe handelt.

Wie gehen Sie bei der Erstellung des „H2Atlas-Africa“ vor?

Mit Hilfe nationaler Teams sind wir mit allen 31 teilnehmenden Ländern in kontinuierlichem Austausch und analysieren etwa die jeweilige Energieversorgung oder die individuellen Präferenzen in Bezug auf Produktion und Verbrauch Erneuerbarer Energien. Auch geht es in den jeweiligen Ländern um politische und rechtliche Voraussetzungen für Energiepartnerschaften. Auf afrikanischer Seite haben wir zwei wichtige Partner: die beiden Zentren für Klimaforschung in Ghana (West African Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use, WASCAL) und in Namibia (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management, SASSCAL). Gemeinsam mit Forschenden, Ingenieuren und Technikern ermitteln wir potenzielle Standorte für Anlagen, die – zum Beispiel aus Photovoltaik – Erneuerbare Energien erzeugen können.

Was sind Ihre Wünsche in Bezug auf die Entwicklung der Wasserstoffpartnerschaften?

Ich hoffe sehr, dass auch in Zukunft Menschen in Afrika in die Erzeugung von Grünem Wasserstoff auf ihrem Kontinent involviert werden. Denn nur so haben Vertrauen, Partnerschaft und Freundschaft Bestand. Dafür etablieren wir zum Beispiel intensive Trainings für afrikanische Studierende und Forschende. Das Forschungszentrum Jülich organisiert zudem mit der WASCAL und der RWTH Aachen Workshops und Graduiertenschulprogramme. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserer Arbeit einen wichtigen Beitrag gegen den globalen Klimawandel und für die Zukunft afrikanischer Länder in Subsahara-Afrika leisten. Natürlich stehen wir auch mir allen Beteiligten hier in Deutschland in engem Austausch, um sicherzugehen, dass die Interessen aller Partner gewahrt werden.

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