Know-how gegen den Klimawandel

Mit zwei einzigartigen Forschungszentren in West- und Südafrika unterstützt Deutschland die Ausbildung von Klimaexperten.

Ein Wissenschaftler an einer Wettermessstation in Burkina Faso
Ein Wissenschaftler an einer Wettermessstation in Burkina Faso WASCAL

„Wir haben eine moralische Pflicht, den afrikanischen Staaten zu helfen, weil diese Länder viel weniger Treibhausgasgase pro Kopf ausstoßen und damit sicher nicht die Hauptverursacher für den Klimawandel sind“, sagt Anja Karliczek, die deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung. Deswegen hat ihr Ministerium, das BMBF, bereits 2010 zwei Kompetenzzentren für Klimawandel und Landnutzung auf dem afrikanischen Kontinent ins Leben gerufen: WASCAL (West African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) mit Sitz in Accra, Ghana, und SASSCAL (Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) in Windhoek, Namibia. Beteiligt an WASCAL sind elf westafrikanische Länder, bei SASSCAL sind fünf südafrikanische Länder an Bord. Nach eigenen Angaben hat das BMBF bisher 130 Millionen Euro in die beiden Einrichtungen investiert, weitere Millionen sollen folgen.

Olaf Pollmann, beim DLR zuständig für WASCAL und SASSCAL
Olaf Pollmann, beim DLR zuständig für WASCAL und SASSCAL privat

Ein Herzstück der beiden Forschungszentren sind die frei zugänglichen, umfangreichen Datensammlungen zu Böden, Klima und Umwelt. Sie sind nützlich für Modellrechnungen, so wurde laut BMBF zum Beispiel untersucht, wie hoch der zusätzliche Wasserbedarf wäre, wenn sich das Klima um zwei Grad erwärmen würde. Ein anderes Beispiel: „Im südlichen Afrika wurde ein Netz von Wettermessstationen aufgebaut, das maßgeblich die lokalen Wetterdienste bei Prognosen unterstützt“, sagt Olaf Pollmann. Er ist wissenschaftlicher Referent in der Abteilung „Umwelt und Nachhaltigkeit“ beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das vom BMBF mit der Umsetzung der Projekte rund um WASCAL und SASSCAL beauftragt wurde. Dank der neuen Wetterstationen könnten nun präzise Vorhersagen getroffen werden. In Namibia haben die Forscher eine interaktive Regenfall-App für Bauern entworfen. Regnet es stark, wird das Mobilfunksignal schwächer. So kann der Niederschlag über große Entfernungen gemessen werden – und die Bauern können ihre Aussaat besser planen.

Die Wissenschaftler arbeiten später in den Regierungen ihrer Länder, an Hochschulen oder bei der Weltbank.

Olaf Pollmann, wissenschaftlicher Referent beim DLR

Ende 2018 hatten die WASCAL-Graduiertenschulen, die an zehn westafrikanischen Universitäten angesiedelt sind, schon mehr als 350 Absolventen. Wer für ein Master- oder Doktorandenstipendium ausgewählt wird, wird auch mit einem Forschungsaufenthalt in Deutschland gefördert. Gerade ist in Accra ein neues Alumni-Programm angelaufen: „Climate Research Alumni and Postdocs in Africa” (CLAPafrica). Stipendiaten sind in ein wachsendes Netzwerk von Klimawissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen eingebunden, sie werden zu internationalen Konferenzen und zu Forschungsaufenthalten in Europa eingeladen. Gerade werden die ersten Teilnehmer ausgewählt, Anfang 2020 wird die nächste Bewerbungsrunde starten.

All die Programme von WASCAL und SASSCAL haben ein Ziel: Mehr afrikanische Klimaexpertinnen und -experten in ihrer Heimat auszubilden und sie befähigen, ihr Wissen weiterzugeben. „Die Wissenschaftler, die bei WASCAL und SASSCAL ausgebildet werden, sind gefragte Experten“, sagt DLR-Referent Pollmann. „Sie arbeiten später in den Regierungen ihrer Länder, an Hochschulen oder sogar bei der Weltbank.“ So können sich diejenigen, die von der Erderwärmung am stärksten betroffen sind, in internationalen Verhandlungen selbst für ihr Heimatland einsetzen.

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