Jeder Tropfen Wasser zählt

Das EU-Projekt Waterbiotech verbessert das Wassermanagement in unterschiedlichen Regionen Afrikas.

picture-alliance/one Koene - Water Supply

Immer mehr Weltregionen leiden unter Wassermangel – mit gravierenden Folgen für Umwelt, Landwirtschaft und Gesundheit der Menschen. Viele der betroffenen Gebiete liegen auf dem afrikanischen Kontinent. Vor allem in den Wüstenzonen ist Wasser seit jeher ein knappes Gut und der Klimawandel droht diese Situation weiter zu verschärfen. Anderswo führt vor allem das rapide Bevölkerungswachstum zu Schwierigkeiten. Es herrscht dringender Handlungsbedarf.

Die Europäische Union widmet sich diesen Herausforderungen. Im August 2011 startete sie das Projekt Waterbiotech und möchte darin das Wassermanagement in verschiedenen betroffenen afrikanischen Ländern wie in Burkina Faso und im Senegal verbessern. Das kann zum Beispiel das Abwassermanagement, die Trinkwasserversorgung oder die Senkung des Wasserverbrauchs betreffen. Das auf 30 Monate ausgelegte und mit knapp einer Million Euro geförderte Programm wurde im Januar 2014 mit einer Abschlusskonferenz in Marrakesch beendet. An Waterbiotech waren neben EU-Experten Partner aus Tunesien, Ägypten, Algerien, Marokko, dem Senegal, Ghana, Burkina Faso und Saudi-Arabien beteiligt. Das Ziel: Zunächst den genauen Bedarf zu ermitteln und bereits angewendete Technologien zu erfassen, erklärt der deutsche Projektleiter Gerhard Schories vom Forschungszentrum ttz Bremerhaven. Auch sollte das schon vorhandene Wissen zwischen den beteiligten Partnern ausgetauscht werden. „Es gibt lokal sehr viel Know-how“, sagt Schories. Oft jedoch seien solche Fachkenntnisse in Nachbarländern nicht vorhanden. Hier hat Waterbiotech ebenfalls neue Wege aufgezeigt.

Die Einteilung der Projektregionen erfolgte nach Wasserverfügbarkeit, nicht nach Wasservorkommen, betont Schories. Ein wesentlicher Unterschied. Auch in feuchten Gebieten kann es schwer sein, die lokale Bevölkerung mit ausreichenden Mengen an sauberem Trinkwasser zu versorgen – vor allem, wenn die dortigen Siedlungen nicht über sanitäre Vorkehrungen verfügen. Nicht oder schlecht aufbereitete Abwässer können gefährliche Krankheitskeime wie Cholera-Erreger enthalten und sie in Flüssen und Seen verbreiten. Für die in unterentwickelten Landstrichen lebenden Menschen ist dies eine häufige Bedrohung.

Die Reinigung von Abwässern mit biotechnologischen Mitteln hat großes Potenzial – auch für die Agrarproduktion. Pflanzenkläranlagen etwa eignen sich vielerorts bestens für den Einsatz in kleinen, ländlichen Kommunen wie in Ghana. Das aufbereitete Schmutzwasser kann zu Bewässerungszwecken eingesetzt werden, Restkonzentrationen an Stickstoff und Phosphor senken zudem den Düngemittelbedarf. In Ballungsräumen wie der senegalesischen Hauptstadt Dakar dagegen setzt man bereits jetzt auf Belebtschlamm-Anlagen mit großer Kapazität. Es gelte genau zu erkennen, welche Technologie für welche Situation optimal geeignet ist, erläutert Gerhard Schories. Um solche Entscheidungsprozesse zu unterstützen, wurden im Rahmen von Waterbiotech spezielle Leitfäden und Software erarbeitet. Folgeprojekte sind geplant. Die Entwicklung von neuen Verfahren wird zudem den Technologiestandort Europa stärken und weltweit wettbewerbsfähiger machen, meint Schories.

Kurt de Swaaf ▪