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Warum lieben die Amerikaner deutsche Discounter?

Die deutsche Discountkette Aldi expandiert massiv in den USA. Zum Aldi-Imperium gehört auch der Kultsupermarkt Trader Joe’s – wie passt das zusammen?

Wolf ZinnWolf Zinn, 16.03.2026
Aldi Filiale in Vista, Kalifornien
Aldi Filiale in Vista, Kalifornien © picture alliance / ZUMAPRESS.com | Charlie Neuman

Auch US-Promis müssen ihren Kühlschrank füllen – und gehen dafür in den Supermarkt. Auffällig oft trifft man sie bei Trader Joe’s: Ob Topmodels wie Bella Hadid, Schauspielerinnen wie Mindy Kaling, Sportler wie NFL-Star Travis Kelce oder Musiker wie Harry Styles – amerikanische Celebrities geben sich in dem „Edel-Discounter“ offenbar die Klinke in die Hand.

Bei Trader Joe’s lassen sich öfter mal Prominente blicken, hier Model Emily Ratajkowski in einer New Yorker Filiale.
Bei Trader Joe’s lassen sich öfter mal Prominente blicken, hier Model Emily Ratajkowski in einer New Yorker Filiale. © picture alliance / abaca | Dylan Travis/ABACA

Wohl auch deswegen genießt Trader Joe’s, seit 1979 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der deutschen Handelskette Aldi Nord, in den USA fast schon Kultstatus. Und die Einkaufsbeutel („Trader-Joe’s Mini-Tote-Bags“) sind sogar weit über die US-Grenzen hinweg begehrt: Auf Verkaufsportalen erzielten sie Preise von mehr als tausend Dollar.

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Die Filialen verströmen ein wenig Hippie-Flair, das Personal trägt Hawaii-Hemden. Statt auf Selbstbedienungskassen setzt das Unternehmen auf Interaktion und Authentizität. Kommunikationsprofessor Dustin York von der Maryville University spricht von strategisch „durchdachter Kommunikation“. Ein großer Teil des Sortiments besteht zudem aus vergleichsweise günstigen Eigenmarken. Bislang hat Trader Joe’s 631 Filialen (Januar 2026) in 43 US-Bundesstaaten – und ist auf Wachstumskurs.

Trader Joe’s Geschäft in Chicago
Trader Joe’s Geschäft in Chicago © iStock | TrongNguyen

Aldi in den USA: 50 Jahre – und jetzt die große Expansion

Gemessen an der Zahl der Standorte spielt Aldi selbst, 2026 seit genau 50 Jahren in den USA präsent, in einer ganz anderen Liga: Mit mehr als 2.600 Filialen in über 1.700 Städten und 40 Bundesstaaten (Ende Februar 2026) steht das deutsche Traditionsunternehmen an der Spitze der US-Lebensmittelhändler. Und auch in der Beliebtheitsskala ist Aldi die Nr. 1 der Amerikaner, dicht gefolgt von Trader Joe’s. Laut Jason Hart, CEO von Aldi U.S., haben seine Märkte 19 Millionen neue Kunden im Jahr 2025 gewonnen, und die Zahl der „Aldi-Superfans“ steige täglich. So rauscht die Expansionswelle weiter: 2026 soll das Filialnetz auf 2.800, 2028 auf 3.200 Standorte wachsen

Eines von vielen Zeichen, dass Aldi längst zum Alltag der Amerikaner gehört: Late-Night-Host Jimmy Fallon hat den Discounter in mehreren seiner Sketche eingebaut. 

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Die Aldi Story: Vom Essener Lädchen zum Mega-Discounter

Aldi ist ein Handelsphänomen, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erwachsen ist: Die mittlerweile verstorbenen Brüder Theo und Karl Albrecht machten aus dem bereits seit 1914 bestehenden, kleinen elterlichen Lebensmittelgeschäft in Essen ein Konzept, das radikal auf Einfachheit setzt. Wenige Artikel, hohe Umschlaggeschwindigkeit, klare Prozesse und ein konsequenter Fokus auf niedrige Preise wurden zum Markenkern – und zum Erfolgsmodell für modernen Discount. Man könnte sagen: Aldi steht für „typisch deutschen“, effizienten Einkauf ohne viel Schnickschnack. 

Anfang der 1960er‑Jahre teilte sich das Unternehmen in Aldi Nord (Theo) und Aldi Süd (Karl). Der Grund: Brüder-Zwist, angeblich auch um die Frage, ob man in den Filialen Zigaretten verkaufen sollte – nach 40 Jahren Pause beendete Aldi Süd 2003 schließlich die Tabak-Abstinenz.

Heute ist Aldi ein globales Discount-Imperium: Aldi Nord und Aldi Süd betreiben zusammen über 13.500 Filialen in 18 Ländern. Eigentümer sind Stiftungen der Gründerfamilie Albrecht.

Warum Discount auf der Erfolgsspur fährt

Der US-Durchschnittskunde schätzt sicherlich vor allem die niedrigen Preise. Die Inflationsrate lag in den USA 2025 bei 2,7 Prozent – alles wird teurer und die Budgets werden knapper. Während Aldi früher der Ruf anhaftete, eher Leute mit niedrigem Einkommen anzusprechen, beobachtet US‑Retail‑Analyst Will Auchincloss, dass die Kunden inzwischen aus allen Einkommensgruppen kommen.

Neil Saunders, Chef des Beratungsunternehmens Global Data, ist überzeugt, dass der Erfolg von Aldi nicht nur auf den Preisen beruht: „Aldi hat hart daran gearbeitet, auch andere Aspekte des Angebots zu optimieren – Qualität, Geschmack, Sortiment und Ladendesign.“ Die übersichtliche Produktauswahl (ca. 1.600 Artikel) mit rund 90 Prozent Eigenmarken wertet Saunders ebenfalls als Plus. Es gelte schlichtweg als „smart“, bei Aldi einzukaufen.

Am positiven Image von Aldi kratzte vor einigen Jahren Kritik an Lohn und Arbeitszeit der Beschäftigten; laut HR Dive zahlte das Unternehmen zwei Millionen US‑Dollar, um eine Sammelklage abzuwenden.