Hoffen auf schnelle Erholung

Die Covid-19-Pandemie hat die Wirtschaft Ostafrikas hart getroffen – auch die Exporte nach Deutschland sind eingebrochen.

Symbol der Kooperation: das von Deutschland finanzierte Gebäude des EAC-Sekretariats
Symbol der Kooperation: das von Deutschland finanzierte Gebäude des EAC dpa

Aus medizinischer Sicht scheint die Corona-Pandemie in den Ländern Ostafrikas bisher relativ glimpflich zu verlaufen. Doch wirtschaftlich spüren alle ostafrikanischen Länder die Auswirkungen der Krise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Wachstumserwartungen 2020 für Ostafrika deutlich nach unten korrigiert. Die größte Herausforderung für die ostafrikanischen Industrie ist laut einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft die gesunkene Nachfrage infolge der Corona-Krise.

Gesunkene Kaufkraft

Viele Beobachter wie Iraj Abedian, Gründer der Pan-African Capital Holdings, sind überzeugt, dass die Corona-Pandemie auch die Armutsbekämpfung um Jahre zurückwerfen dürfte. Die Handelsaussichten sind ebenfalls begrenzt. Für die meisten Branchen gilt, dass die geringe Kaufkraft der Bevölkerung und die lückenhafte Energie- und Verkehrsinfrastruktur einen wirklichen Warenaustausch stark erschweren.

Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda sowie Burundi und der Südsudan bilden die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) und werden gemeinhin als ein Markt mit rund 170 Millionen Menschen behandelt. In Kenia, der größten Volkswirtschaft der Region, lag der Handelsaustausch mit Deutschland 2019 bei rund 500 Millionen Euro, mit Tansania lag das Handelsvolumen bei 250 Millionen Euro.

Kenia ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in der Region. Mehr als 50 deutsche Firmen sind hier vertreten. Traditionell sind dies vor allem deutsche Handelshäuser mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Industrieteile und Zubehör oder Medizintechnik.  

Im wichtigen Sektor Gartenbau (Blumenzucht) sind seit vielen Jahren deutsche Investoren in Kenia im Geschäft. Diese Branche zählt zusammen mit der Teeproduktion zu den Säulen der kenianischen Exportwirtschaft. Im Gartenbausektor ist neben der Blumenzucht auch die Obsterzeugung mit Export nach Europa eine erfolgversprechende Sparte.

Hoffnungsträger Mittelschicht

Die Nachfrage nach Exportprodukten der Ostafrikanischen Gemeinschaft, wie etwa den auch in Kenia angebauten Schnittblumen, ist jedoch durch die Corona-Pandemie zeitweise komplett eingebrochen. Auch Kenias Kaffee- und Tee-Exporte haben gelitten.

Mit dem Aufkommen einer kleinen Mittelschicht war vor der Corona-Krise die Konsumgüterbranche auf die Region aufmerksam geworden, allen voran der Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf. Das Unternehmen ist seit Anfang der 1980er-Jahre in Kenia am Markt. Ursprünglich war das kleine Investment eher ein philanthropisches Projekt; inzwischen stützt der Familienkonzern seine Stellung in der Region auf die Präsenz im Land – mit eigener Produktion. Die junge Wirtschaft Afrikas galt vor Corona als vital – bleibt zu hoffen, dass sie sich schnell erholt.

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