„Leapfrogging“ in Afrika?

Kann sich Afrika auf Grundlage Erneuerbarer Energien entwickeln? Diese Frage beschäftigte das German-African Energy Forum. Peggy Schulz vom Afrika-Verein weiß mehr.

Das German-African Energy Forum
KfW

Frau Schulz, Sie organisieren für den Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft das German-African Energy Forum Ende März in Hamburg. Es hat sich zu einer der größten europäischen Plattformen für Energiethemen mit Afrika entwickelt und findet bereits zum 14. Mal statt. Was wurde bisher erreicht?
In den vergangenen 13 Jahren haben mehr als 4.600 Teilnehmende das Forum besucht. Wir begrüßten dabei afrikanische Delegationen aus 53 und Ministerdelegationen aus 29 Ländern. Auf den Konferenzen wurden wichtige Kontakte geknüpft, es sind Projekte entstanden und auch weiterverfolgt worden. Darüber hinaus haben wir uns im Rahmen des Forums  für eine noch stärkere Begleitung deutscher Energieunternehmen in Afrika durch die Bundesregierung eingesetzt und werden dies auch weiter tun.

Peggy Schulz organisiert das Energy Forum.
Peggy Schulz organisiert das Energy Forum. privat

Ein Programmpunkt lautet „German-African flagship projects as a stepping stone towards Africa’s Green Deal“. Was sind diese Flaggschiff-Projekte?
Die deutsch-afrikanischen Projekte decken die ganze Bandbreite an Lösungen ab: Dazu gehören die  weltweit größte Concentrated Solar Power (CSP)-Anlage in Marokko, aber auch angepasste Angebote für den ländlichen Raum oder für einzelne Industriebetriebe wie in Sambia. Zudem bieten deutsche Unternehmen von der Projektentwicklung und -beratung bis hin zur Technologie alles an und verknüpfen Lösungen im Energiebereich mit anderen Sektoren wie beispielsweise der Landwirtschaft.

Die Kapverden wollen eine hundertprozentige Energieversorgung durch Erneuerbare Energien bis 2025

Peggy Schulz, Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft

Welche afrikanischen Länder bieten die besten Voraussetzungen für grüne Technologien?
Das hängt ganz von der Technologie ab. Während es in fast allen Ländern ein großes Potenzial für Solarenergie gibt, hilft vor allem küstennahe Länder die  Windenergie weiter. Wasserkraft ist auch in Afrika die häufigste genutzte erneuerbare Energiequelle. Allerdings sind auch hier mit einer aktuell installierten Kapazität von 36 GW nur elf Prozent des Potenzials ausgeschöpft. Großprojekte in diesem Bereich sind in den vergangenen Jahren unter anderem in Äthiopien und Angola begonnen und auch schon umgesetzt worden. Auch die Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Einige Länder wie beispielsweise die Kapverden haben sich ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2025 will der Inselstaat seine Energieversorgung zu einhundert Prozent durch Erneuerbare Energien sicherstellen und hat entsprechende Mechanismen und Anreizsysteme geschaffen.

Szene vom German-African Energy Forum 2019
Szene vom German-African Energy Forum 2019 Afrika-Verein

Was hat die deutsche Seite zu bieten?
Deutsche Unternehmen sind in den erneuerbaren Energietechnologien breit aufgestellt. Die Energiewende-Technik „Made in Germany“ genießt einen guten Ruf und wird im Ausland stark nachgefragt. Viele deutsche Anbieter setzen daher auf den Export. In der Windenergie liegt die Exportquote der Hersteller bei 67 Prozent und auch bei den Solaranlagen steigt die Bedeutung des Exportes, da die Unternehmen sich im Inland stark verändernden Rahmenbedingungen ausgesetzt sehen. Wasserkrafttechnologie ist in der Vergangenheit am stärksten genutzt worden und wird auch in Zukunft Zuwachsraten verzeichnen. Allerdings haben die Preisrückgänge für Solar- und Windenergie auch dafür gesorgt, dass ein steigendes Interesse an diesen Technologien zu verzeichnen ist.

Wäre damit vielleicht sogar ein „Leapfrogging“ möglich, also die afrikanische Wirtschaft und Industrie von Anfang an auf Grundlage erneuerbarer Energien zu entwickeln?
In der Theorie wird diese Idee häufig diskutiert, da die meisten afrikanischen Länder ein enormes Potenzial für die Nutzung Erneuerbarer Energien aufweisen und die Kosten für Wind- und Solarenergie in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind. Hinzukommt, dass der Netzausbau in vielen ländlichen Regionen Afrikas nicht wirtschaftlich ist und hier verstärkt auf dezentrale Lösungen gesetzt wird. Erneuerbare Energieanlagen wie Solar Home Systems oder dezentrale PV-Mini-Grids eignen sich da besser. Auf der anderen Seite gibt es afrikanische Länder, die das Problem der mangelnden Stromversorgung durch die Nutzung eigener fossiler Ressourcen wie Erdgas oder Kohle lösen wollen. Beim Forum soll genau dieses Thema diskutiert werden, um zu sehen wie realistisch es ist, dass eine Industrialisierung des Kontinents auf Basis einer hundertprozentigen erneuerbaren Energieversorgung stattfinden kann und inwieweit dies auch durch die Strategien afrikanischer Regierung unterstützt wird.

Was sind die häufigsten Hindernisse, woran scheitern Projekte noch?
Am häufigsten scheitern gemeinsame Projekte, wie in anderen Sektoren übrigens auch, weiterhin an der Finanzierung. Während beispielsweise Anbieter aus China durch staatliche Unterstützung ihre eigene Finanzierung mitbringen, gibt es solche Angebote für deutsche Unternehmen nicht. Auch in der Absicherung von Projekten kann noch einiges getan werden. Notwendig wäre die Einführung einer neuen Versicherung, eines „Grünen Hermes“, der die Finanzierung von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien erleichtert und Investoren aus Deutschland gegen Zahlungsausfälle afrikanischer Stromabnehmer absichert. Mit einer solchen Absicherung wären Banken eher bereit, Kredite für derartige Projekte zu gewähren.

14. German-African Energy Forum am 25. und 26. März 2020 in Hamburg

© www.deutschland.de