Große Bühne für Brasilien
Handel, Energie, Mobilität: Die Hannover Messe zeigt, wie eng die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit ist – und wo sie noch besser werden könnte.
Mehr als 140 Aussteller und über 300 beteiligte Unternehmen aus Brasilien: So stark war noch kein anderes Partnerland auf der Hannover Messe vertreten. Der große Auftritt passt, denn Brasilien, das Partnerland 2026, ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Südamerika. Zugleich ist Deutschland der bedeutendste europäische Wirtschaftspartner Brasiliens – mit mehr als 1.500 deutschen Tochterunternehmen im Land und einem starken Fokus auf Industrie, Infrastruktur und Energiewende. Hier findest du Antworten auf zentrale Fragen zur deutsch-brasilianischen Partnerschaft:
Warum ist eine starke Partnerschaft zwischen Deutschland und Brasilien wichtig?
„Brasilien und Deutschland verbindet eine jahrzehntelange gemeinsame Geschichte. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas war unter anderem der weltweit erste internationale Produktionsstandort von Volkswagen und steht sinnbildlich für die frühe industrielle Vernetzung der deutschen Industrie mit Lateinamerika. In einer zunehmend fragilen Weltwirtschaft gewinnen starke, belastbare und langfristige Partnerschaften weiter an Bedeutung. Hier spielt Brasilien eine zentrale Rolle. Ich halte es für absolut notwendig, dass Brasilien und Deutschland ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter ausbauen.“
Thomas Schmall ist Vorsitzender des Lateinamerika-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.
Was macht den Wirtschaftsstandort Deutschland für brasilianische Unternehmen attraktiv?
„Für Deutschland als unseren Hauptsitz in Europa haben wir uns aufgrund seiner zentralen Lage, der Logistikinfrastruktur und der Marktgröße entschieden. Deutschland bietet qualifizierte Fachkräfte aus aller Welt und genießt in unserer Marktnische von Heißluftöfen für die Gastronomie einen guten Ruf für Professionalität und Effizienz. Die bürokratischen Anforderungen in Deutschland sind allerdings ein potenzieller Nachteil und wer keine zweisprachige Unterstützung hat, muss mit Kommunikationsproblemen rechnen.“
Carlos Eduardo Baktchejian ist Managing Director von Prática USA and Prática Europe. Seit 2025 betreibt das Unternehmen sein Europageschäft von einer Zentrale in Köln aus.
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Einverständniserklärung öffnenWas bedeutet das Mercosur-Abkommen für die deutsch-brasilianischen Beziehungen?
„Das Abkommen stärkt die Position von Unternehmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern im Wettbewerb mit den USA und China, dem wichtigsten Handelspartner Brasiliens. Es verringert die Abhängigkeiten und diversifiziert die Lieferketten. Es vertieft bestehende Partnerschaften und schafft neue Kooperationsmöglichkeiten, etwa bei der Gewinnung von Rohstoffen, die für die ökologische und digitale Transformation, die Herstellung militärischer Güter und die Luft- und Raumfahrt von strategischer Bedeutung sind.“
Prof. Dr. Detlef Nolte ist Associated Fellow am German Institute for Global and Area Studies und dem Institute for Latin American Studies.
Welche Rolle spielen nachhaltige Biotreibstoffe aus Brasilien für die deutsche Mobilitätswende?
„Brasilien zeigt, dass die breite Nutzung von Biokraftstoffen die Dekarbonisierung des Automobilsektors beschleunigt. Für Deutschland bietet die brasilianische Erfahrung wichtige Erkenntnisse darüber, wie Biokraftstoffe und Elektrifizierung kombiniert werden können, ohne vollständig von Ladeinfrastruktur abhängig zu sein. Mit erneuerbaren Kraftstoffen betriebene Hybride stellen eine Sofortlösung dar, während die Elektrifizierung voranschreitet. Stabile politische Rahmenbedingungen, Investitionen in Technologie und die Zusammenarbeit zwischen Automobil- und Agrarsektor sind daher unerlässlich für die Schaffung eines nachhaltigen Mobilitätssystems, das Arbeitsplätze entlang der gesamten Produktionskette generiert. In diesem Sinne kann sich Deutschland vom brasilianischen Modell inspirieren lassen, um seinen eigenen Übergang zu beschleunigen.“
Ricardo Plöger ist Vizepräsident Produktentwicklung bei Volkswagen Brasilien und Südamerika
Hannover Messe 2026
Die Hannover Messe ist eine der international wichtigsten Plattformen für Technologien rund um die industrielle Transformation. 2026 ist Brasilien das Partnerland. Vom 20. bis 24. April geht es unter dem Titel „Think Tech Forward“ um Themen wie Künstliche Intelligenz, Energielösungen oder nachhaltige Produktion und Mobilität. Bundeskanzler Friedrich Merz und der brasilianische Präsident Lula da Silva werden die Messe gemeinsam eröffnen.