Schwarmstrom für die Energiewende

Deutschland hat ehrgeizige Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien. Wir stellen in unserer Serie Projekte vor, die die Energiewende praktisch fördern. Teil 3.

Schwarmstrom
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Deutschland baut sein Elektrizitätssystem um: Wind- und Solarstrom sollen die Hauptpfeiler werden. Um trotzdem immer verlässlich Elektrizität in der Steckdose zu haben, braucht es hochflexible Lösungen – zum Beispiel eine „Schwarmstrom“-Steuerung, die Windkraft-Anlagen und Mini-Kraftwerke in Häusern miteinander koppelt. Dass das funktioniert, wurde jetzt erstmals von einem Hamburger Stromversorger gezeigt.

Die „Schwarm-Zentrale“ sitzt in Hamburg. Sie gehört dem dort ansässigen Energieunternehmen Lichtblick, das der größte „grüne“ Stromversorger in Deutschland ist. Die Zentrale vernetzt die gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern entwickelten gasbetriebenen Klein-Heizkraftwerke, die zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern oder kommunalen Einrichtungen stehen und dort verbrauchernah Wärme und Strom produzieren. Schon bisher nutzte das Unternehmen sie, um die wetterbedingt schwankender Stromerzeugung aus Wind und Sonne auszugleichen.

Damit wird es beispielsweise möglich, bei einem Überangebot von Ökostrom Windräder vom Netz zu nehmen. Davon können künftig die vier deutschen Stromnetz-Betreiber profitieren, denen der Hamburger Versorger „Regelenergie“ aus Windkraft zur Netzstabilisierung anbieten will. Die ersten erfolgreichen Tests unternahm er mit einem Windpark im Bundesland Brandenburg. Die Hamburger Leitstelle konnte sowohl die Stromerzeugung einzelner Windkraftanlagen als auch des gesamten Parks steuern. Eine spezielle Software bündelt dafür Energiemarkt-, Wetter- und Anlagendaten. Sie entwickelt daraus Betriebspläne und greift direkt auf die Minikraftwerke und jetzt auch auf Windräder zu. Lichtblick bietet anderen Betreibern etwa von Windkraft-Anlagen an, sich der „Schwarmstrom-Vermarktung“ anzuschließen.

Die Bundesregierung unterstützt solche Ansätze. Sie führt ab 2013 im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes einen so genannten Fernsteuerbarkeits-Bonus ein. Ziel ist es, die Integration der Windenergie in den Strommarkt zu verbessern.

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