Willkommen im neuen Alltag

Die Corona-Pandemie verändert, wie Menschen in Deutschland arbeiten, lernen, leben. Manche Neuerungen haben auch etwas Gutes.

Working from home
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Arbeiten

Im Homeoffice eingelebt. Menschenleere Büros, verwaiste Teeküchen und gespenstische Stille in den Konferenzräumen – dieses Bild bietet sich Anfang des Jahres 2021 in vielen Unternehmen in Deutschland. Seit Mitte März 2020 sind Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Home­office. Laut einer Befragung des Digitalverbands Bitkom von Dezember 2020 arbeitet ein Viertel der Berufstätigen ausschließlich von zu Hause aus, ein Fünftel zumindest an manchen Tagen. Für die meisten Menschen in Deutschland sind mobiles Arbeiten und Homeoffice allerdings nicht selbstverständlich: Vor der Pandemie waren nur 3 Prozent der Berufs­tätigen ausschließlich im Homeoffice tätig, weitere 15 Prozent teilweise. Zwar vermissen laut der Umfrage viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die gute Ausstattung ihrer Büros und den persönlichen Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen. Doch wer von zu Hause aus arbeitet, schätzt seine Arbeit als produktiver ein und ist zufriedener mit den Ergebnissen. Keine Anfahrtswege, mehr Freiheiten – das gefällt vielen an der ­neuen Situation. Fachleute rechnen deshalb damit, dass sich der Trend zum Homeoffice in Deutschland verfestigt.

Mobilität

Radweg
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Ausgestiegen, umgestiegen. Auch in Deutschland leidet die Mobilitätsbranche unter der Krise. So waren im ers­ten Halbjahr 2020 laut Statistischem Bundesamt nur gut halb so viele Fahrgäste im Fernverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs wie ein Jahr zuvor. Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main zählte 2020 so wenige Reisende wie zuletzt 1984. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer empfinden virtuelle Treffen statt Dienstreisen inzwischen als selbstverständlich und zahlreiche Konzerne wollen auch nach der Pandemie Dienstreisen reduzieren, so eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Zudem können sich viele Menschen vorstellen, künftig seltener privat zu verreisen, wie eine Studie von Pricewaterhouse Coopers ergab: 44 Prozent der Befragten wollen demnach weniger häufig in den Urlaub fahren. Wenn es einen Gewinner der Krise gibt, ist es das Fahrrad: Laut Bundesverkehrsministerium fuhr ein Viertel der Menschen im Juni und Juli 2020 mehr Rad als im Vorjahreszeitraum. Viele Städte reagieren auf den Trend und richten „Pop-up-Radwege“ ein, bei denen – zunächst zeitlich befristet – meist Autofahrspuren in Radwege umgewandelt werden.

Studium

zuhause studieren
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Das Examen am Küchentisch abgelegt. Hörsäle bleiben leer, Vorlesungen werden online übertragen und Prüfungen von zu Hause aus absolviert: Die Pandemie verändert das Leben von Studierenden und zwingt Hochschulen, neu zu denken. Das Projekt MyScore der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen etwa ermöglicht den Austausch im digitalen Raum. Mit Virtual-Reality-Brillen ausgestattet, treffen sich Teilnehmende als Avatare zu Lehrveranstaltungen. Auch Mobilität und internationaler Austausch laufen digital – und könnten so Modell für die Zeit nach der Krise sein, denn sie ermöglichen auch jenen Studierenden Auslands­erfahrung, die sonst nicht die Mittel dazu hätten. Das Programm International Virtual Academic Collaboration (IVAC) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ­beispielsweise fördert digitale Kooperation zwischen deutschen und internationalen Hochschulen. Trotz neuer Ideen ist die Corona-Krise eine finanzielle Belastung für viele Studierende, weil etwa Nebenjobs wegfallen. Deutschland unterstützt sie deshalb mit einem Überbrückungsgeld von bis zu 500 Euro monatlich und Studienkrediten.

Freizeit

Waldspaziergang
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Den Wald wiederentdeckt. Fast 80 Prozent der Menschen in Deutschland leben in Städten. Und auch wenn deutsche Großstädte mit Blick auf Wohnraum, Licht und Grün kaum mit Megacitys in Asien oder mit Metropolen wie Paris, London oder Madrid vergleichbar sind, wurde es vielen Deutschen wegen der Corona-Beschränkungen dort zu eng. Bundesweite Ausgangssperren gab es in Deutschland wegen der Pandemie bislang zwar nicht, doch Spielplätze und Parks waren zeitweise gesperrt; Kinos, Bars, Restaurants und viele Geschäfte sowieso. Auf der Suche nach Ablenkung zog es immer mehr Menschen hinaus ins Grüne. Wer die Möglichkeit hatte, quartierte sich zeitweise bei Verwandten in ländlichen Gegenden ein und auch Schrebergärten, Wanderwege und Wälder kamen zu neuer Beliebtheit. Wald und Landwirtschaft machen in Deutschland gut vier Fünftel der Bodennutzung aus – und doch schlugen Verantwortliche in Ausflugsregionen zwischenzeitlich Alarm, weil sie regelrecht von Gästen überrannt wurden. In den Städten zeigte sich derweil das um­gekehrte Phänomen: Wildtiere wie Füchse und Rehe wagten sich zurück in urbane Randgebiete.

Konsum

Onlineshopping
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Den Online-Handel ins Allzeithoch geklickt. Gerade zu Beginn der Pandemie war die Verunsicherung groß, wie hoch das Ansteckungsrisiko im Supermarkt denn nun eigentlich sei. Und so kauften selbst Menschen, die vorher eher selten online bestellt hatten, im Netz ein –  auch Lebensmittel. In der frühen Phase der Pandemie mussten Kundinnen und Kunden deshalb mitunter zwei Wochen auf einen freien Liefer­termin warten. Überhaupt erlebte der Internethandel 2020 ­einen Boom. Denn Bekleidungsgeschäfte, Buchhandlungen und Sportläden waren wegen der Pandemie zeitweise geschlossen. Die Aktie des deutschen Modeversandhändlers Zalando erreichte dagegen ein Rekordhoch, das Unternehmen gewann so viele neue Kunden hinzu wie noch nie. Leidtragende waren die Ladengeschäfte im stationären Handel: Kaufhäuser, Boutiquen und der Fachhandel. Fahrradgeschäfte hingegen blieben geöffnet und verzeichneten im Mai 2020 den „stärksten ­Monat, den die Branche jemals erlebt hat“, so der Zweirad-Industrie-­Verband. Nun stehen die Fahrradhändler vor anderen Herausforderungen: Manche Modelle sind vergriffen – und werden erst im Sommer 2021 wieder vorrätig sein.

Medien

Computertastatur
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Sensibilisiert für Fake News. Demokratie braucht Fakten – das wird in der Corona-Krise besonders deutlich. Falschinformationen in sozialen Netzwerken, in Foren oder auf unseriösen Nachrichtenportalen verbreiten sich in der Pandemie rasend schnell. In Deutschland arbeiten Journalistinnen und Journalisten etwa des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv deshalb täglich gegen Desinformation an. Für ihre Faktenchecks gehen sie Hinweisen von Nutzerinnen und Nutzern nach und durchforsten das Netz nach potenziellen Fake News. Anschließend prüfen sie die Behauptungen anhand von validen Quellen und machen ihre Rechercheergebnisse frei zugänglich. Gemeinsam mit der dpa unterstützt Correctiv auch Facebook beim Faktencheck. Tatsächlich ist das Bedürfnis nach verlässlicher Information in der Pandemie groß: Viele Deutsche greifen derzeit häufig auf traditionelle, glaubwürdige Medien zurück, so das Covid-19 Snapshot Monitoring (Cosmo) der Universität Erfurt. Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch die Online-Angebote von Tageszeitungen verzeichnen demnach seit Ausbruch der Pandemie Zugriffszahlen in Rekordhöhe.

Wohnen

Wohnen auf dem Land
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Das Landleben schätzen gelernt. Lange Zeit galt es vielen Menschen in Deutschland als provinziell, „aufs Land“ zu ziehen. Doch die Corona-Pandemie hat diese Sichtweise verändert. Die Einschränkungen im Frühjahr und Winter haben insbesondere Familien vor Augen geführt, dass Dreizimmerwohnungen ohne Balkon nicht ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten etwa für zwei Elternteile im Homeoffice und schulpflichtige Kinder, die nun zu Hause lernen müssen. Niedrigere Immobilienpreise, die Chance auf einen Garten und die Aussicht, auch nach der Pandemie zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten zu können, haben das Interesse an einem Wechsel aufs Land verstärkt. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom könnte sich jeder Fünfte vorstellen umzu­ziehen, wenn die Zeit im Homeoffice andauert. Die Plattform Immobilienscout24 verzeichnete im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Anfragen für Eigentumswohnungen im Umland der Städte. Eine gute Nachricht für viele Dörfer, die bislang unter Bevölkerungsschwund litten – durch die Pandemie könnte der ländliche Raum auch langfristig wieder attraktiver werden.

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