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„Hohe Profitabilität, geringes Risiko“

Asiatische Investoren bauen ihr Engagement in Deutschland aus. Warum das auch für die deutsche Wirtschaft ein Gewinn ist, erklärt GTAI-Experte Achim Hartig.  

Francoise HauserFrançoise Hauser, 24.02.2026
Zwei Personen in einem Labor.
Unter anderem in der Medizintechnik ist Wissen aus Asien ein Gewinn für Deutschland. © AdobeStock

Asiatische Investoren haben ihr Engagement in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Dabei ist meist von China und Indien die Rede. Doch auch über diese beiden großen Länder hinaus tut sich derzeit eine Menge. Achim Hartig ist bei der Außenwirtschaftsagentur des Bundes Germany Trade & Invest (GTAI) verantwortlich für die Investorenanwerbung. Im Interview verrät er, welche Länder und Branchen besonders wichtig sind – und wie Deutschland davon profitieren kann.  

Herr Hartig, welche Rolle spielen Investitionen aus Asien für die deutsche Wirtschaft?
Interessant und bedeutsam sind vor allem Länder, die Deutschland ähnlich oder die besonders komplementär sind. Dabei denke ich vor allem an Japan, aber auch an Südkorea und Singapur, die einen großen Teil der sogenannten Greenfield-Investitionen ausmachen, also Investitionen in völlig neue Produktionsstätten oder Niederlassungen. Investoren aus diesen Ländern haben eines gemeinsam: Sie investieren meist im Technologie-Bereich. Aus deutscher Sicht ist das sinnvoll, denn wir versuchen bei der Anwerbung von Investoren, Lücken in den Wertschöpfungsketten zu schließen – zum Beispiel bei der Batterieproduktion – und die deutsche Wirtschaft resilienter zu machen, etwa die Bereiche Energieerzeugung, -transport und -speicherung. Gleichzeitig wollen wir auch bei den Investitionen aus Asien den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie fördern. Dafür sprechen wir Hochtechnologie-Unternehmen an und versuchen, Forschung und Entwicklung asiatischer Unternehmen nach Deutschland zu bringen. Dies ist vor allem bei Firmen aus Japan der Fall. 

Portraitfoto von Achim Hartig.
Achim Hartig ist bei der GTAI verantwortlich für Investorenanwerbung. © Torsten George

Was zeichnet die Investitionen aus Japan aus?
Mit 81 Projekten im Jahr 2025 ist Japan der größte Investor, nach China mit 186 Projekten. Japan und Deutschland eint der hohe Qualitätsanspruch, beide Länder haben eine mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur. Wichtig für Deutschland sind hier die Automobilindustrie und Maschinenbau, Robotik und Medizintechnik, aber auch die Elektromobilität und digitale Technologien. Ebenfalls interessant ist für uns zum Beispiel die Gaming-Industrie. Dies allerdings nicht aus Entertainment-Gründen, sondern zur Visualisierung und Simulation neuer technischer Entwicklungen.

Deutschland steht für den freien Markt und hat ein verlässliches Rechtssystem.
Achim Hartig, GTAI

Welche anderen asiatischen Länder sind wichtig?
Ebenfalls unbedingt erwähnenswert ist Südkorea – im Jahr 2025 mit immerhin 29 Projekten in Deutschland vertreten. Auch hier ist der Mittelstand wirtschaftlich stark, wenn auch strukturell anders aufgestellt, denn in Südkorea arbeiten die mittleren Unternehmen den sogenannten Chaebols zu, den Großunternehmen. Auch bei südkoreanischen Investitionen stehen Elektromobilität, Halbleitertechnik, die Herstellung von Elektronikgeräten und der Gaming-Bereich im Vordergrund. Aus Singapur, wo die GTAI seit 2025 mit einem eigenen GTAI-Hub vertreten ist, haben ebenfalls 24 Unternehmen investiert, vor allem im Bereich Fintech. Besonders erwähnenswert ist dabei VIRTUS Data Centres mit einem Rechenzentrum in Brandenburg und einer Investition von rund drei Milliarden Euro. Bei Halbleitertechnologien sind auch Malaysia mit drei Unternehmen und Taiwan erwähnenswert: Taiwan Semiconductors hat zehn Milliarden Euro in Dresden investiert. Nicht zuletzt entwickelt sich auch Vietnam zu einem vielversprechenden Investor. Hochtechnologie ist in diesem südostasiatischen Land im Kommen, dort möchte Deutschland als First-Mover dabei sein.

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Was schätzen asiatische Investoren an Deutschland?
„Hohe Profitabilität, aber geringes Risiko“, könnte man es kurz zusammenfassen. Deutschland steht für den freien Markt und hat ein verlässliches Rechtssystem, das Investoren absichert und den Schutz des geistigen Eigentums garantiert. Zudem ist Deutschland der größte Markt Europas, der wiederum als größter Markt der Welt gilt. Mit 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen bietet Deutschland eine Fülle von Kundinnen und Kunden, Zulieferern, aber auch Konkurrentinnen und Konkurrenten – also ein belebtes Umfeld zwischen Partnerschaft und Wettbewerb.