Bonjour Berlin!

Berlin sieht sich als das Silicon Valley Deutschlands. Auch Gründer aus Frankreich lassen sich immer häufiger dort nieder. Die Internationalisierung stärkt den Standort – und wird deshalb gefördert.

Chloé Desnoyers - French Tech Hub

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande ließen es sich nicht nehmen, persönlich zu kommen. Bei der zweiten Deutsch-Französischen Konferenz zur Digitalen Wirtschaft Ende 2016 in Berlin betonten beide, wie wichtig die Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung sei. Nur gemeinsam könne Europas Tech-Szene der Innovationskraft der US-Amerikaner etwas entgegensetzen. Das unterstrichen auch die Wirtschaftsministerien beider Länder, die zu der Konferenz eingeladen hatten. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: „Start-ups müssen wachsen und sich als ‚europäische Akteure‘ positionieren können.“ Frankreich und Deutschland würden daher aktiv zur Umsetzung der Strategie für einen „digitalen Binnenmarkt“ beitragen.

Am Vorabend der Konferenz konnte man bereits einen lebendigen Eindruck von den neuen Bemühungen um Vernetzung bekommen. Im Kunstraum Urban Spree im Berliner Stadtteil Friedrichshain lud die Gruppe French Tech Berlin  zu einem Treffen ein. Das Netzwerk wird von der französischen Regierung und der Wirtschaftsförderung Business France unterstützt. Die Initiatoren wollen in Berlin Investoren, etablierte Unternehmen und Start-ups zusammenführen. Es geht vor allem darum, den informellen Austausch innerhalb der großen französischen Community zu fördern und die französischen Jungunternehmer früh mit deutschen Firmen in Kontakt zu bringen.

„Berlin ist günstiger als London oder Paris“

„Das French Tech Hub ist weder ein Verein noch ein Inkubator, man erwirbt keine Mitgliedschaft und bekommt auch keine Fördergelder“, erklärt Lucas Friscic von Business France. Die Initiatoren verstehen ihr Projekt eher als Netzwerk von Mentoren. Französische Start-ups, die sich in Berlin niederlassen wollen, können sich an das French Tech Hub wenden, wenn sie Hilfe bei Problemen benötigen oder auf der Suche nach Investoren und Partnern sind. Auf der Website von French Tech Berlin können sich die französischen Firmen präsentieren, ein gutes Dutzend tut das bereits. Darunter: eine Jobbörse, eine Gesundheits-App, ein Musikstreamingdienst. Dass der deutsche Markt für französische Start-ups ebenso interessant ist wie umgekehrt, steht für Friscic außer Frage: „Frankreich und Deutschland haben viel gemeinsam. Beide stehen für große, attraktive Märkte innerhalb Europas.“

Doch der Blick auf 80 Millionen mögliche Neukunden ist nicht der einzige Grund, warum so viele Franzosen in den vergangenen Jahren nach Berlin gekommen sind. „Berlin ist günstiger als London oder Paris“, sagt Alexis Hue, der seit 2010 in Deutschland lebt. Hue hat mehrere Firmen gegründet und arbeitet heute als CEO bei Oppex, einer der weltweit größten Suchmaschinen für öffentliche Ausschreibungen. Die Bedingungen für Gründer in Berlin findet er nahezu ideal: „Hier arbeiten Zehntausende in der Start-up-Szene. Man findet für alles einen Experten.“

Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschiede überwinden

Und nicht nur die Franzosen zieht es verstärkt in die deutsche Hauptstadt. Auch zahlreiche italienische, spanische und russische IT-Fachkräfte bereichern die deutsche Digitalwirtschaft. „Die Berliner Szene ist extrem international“, sagt Hue. Ein Gewinn für beide Seiten: Denn der große Pool an kreativen und hochqualifizierten Arbeitskräften bildet einen immensen Standortvorteil für bestehende Unternehmen.

Doch das allein reicht nicht aus, um der US-amerikanischen Konkurrenz die Stirn bieten zu können. „In den USA haben Start-ups vom ersten Tag an Zugang zu einem Markt mit 350 Millionen Nutzern, die alle dieselbe Sprache sprechen“, erklärt Hue. Europa ist vielfältiger, das bremst die Digitalwirtschaft etwas aus. Wer mit seinem Unternehmen europaweit agieren will, muss Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschiede überwinden. Doch eine Alternative gibt es nicht, denn nur länderübergreifend entstehen echte Wachstumschancen, meint Hue. „Das Ziel muss deshalb sein, eine gut vernetzte europäische Tech-Szene zu kreieren.“ Dazu müssen noch viele Brücken gebaut und viele Netzwerke gegründet werden. Das French Tech Hub Berlin könnte dafür ein Vorbild sein.

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