Der Maschinenraum des Internet

Warum in Frankfurt immer mehr Rechenzentren entstehen und was hinter deren fensterlosen grauen Fassaden passiert.

Serverschränke in einem Rechenzentrum
Serverschränke in einem Rechenzentrum Interxion

Als im Juli 2020 ein Betreiber von Rechenzentren eine Milliardeninvestition in Frankfurt am Main verkündete, rückte eine Branche in den Fokus der Öffentlichkeit in Deutschland, die bisher (auch aus Sicherheitsgründen) hinter fensterlosen grauen Fassaden arbeitete.

Was war der Auslöser?

Der niederländische Konzern Interxion hatte angekündigt, das Gelände des ehemaligen Versandhändlers Neckermann in einen Digitalpark umzuwandeln. Er will dort mehr als zehn neue Rechenzentren bauen, die ersten Kunden sollen Mitte 2022 einziehen. Interxion ist einer der führenden Betreiber von Rechenzentren in Europa.

Rechenzentrum vor der Frankfurter Skyline
Rechenzentrum vor der Frankfurter Skyline Interxion

Warum Frankfurt?

In Frankfurt liegt der größte Internetknoten der Welt: De-Cix. Er wurde Mitte der 1990er-Jahre installiert. Seitdem kennt die Entwicklung nur eine Richtung: steil nach oben. Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung weiteren Schub gegeben. Im Herbst 2020 wurde der Rekord von 10 Terabits pro Sekunde geknackt. Das entspricht etwa einer Datenmenge von einem 220 Kilometer hohen Stapel beschriebener DIN-A-4-Seiten. Der Knoten zieht Rechenzentren magisch an, denn die Nähe zu ihm verringert die Latenz, also die Verzögerungszeit.

Was passiert in Rechenzentren?

Betreiber wie Interxion stellen Kunden die Fläche und Infrastruktur für ihre Datenverarbeitung zur Verfügung. Entscheidend ist dabei eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, Klimatisierung und maximale Sicherheit. „Sie müssen sich das vorstellen wie bei einer Mietwohnung“, sagt Holger Nicolay, Business Development Manager von Interxion. „Nur dass Sie nicht Ihre Möbel, sondern Ihre Server mitbringen.“

Warum boomt das Geschäft?

Mit etwa 60 Rechenzentren, nicht gezählt die firmeneigenen wie etwa der Deutschen Bahn oder der Deutschen Bank, ist Frankfurt der mit Abstand größte Standort in Kontinentaleuropa. Das liegt an dem rasant steigenden Bedarf an Rechenleistung. Dabei steht die große Zeit von 5G, Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge erst noch bevor. Auch die europäische Cloud-Initiative Gaia-X nimmt Fahrt auf. Mit dem Aufbau einer souveränen Dateninfrastruktur will sich die Europäische Union von US-amerikanischen und chinesischen Cloud-Anbietern unabhängiger machen.

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