Partner für
 die Zukunft

Deutsche Auslandsschulen leisten Besonderes – das Auswärtige Amt fördert ihr internationales Netzwerk intensiv.

Michael Gottschalk/photothek.net - PASCH

Begeisterung, Engagement, Weltoffenheit – all das war während drei Sommertagen in Berlin zu spüren, als der vierte Weltkongress der Deutschen Auslandsschulen im Auswärtigen Amt und im Haus der Kulturen der Welt stattfand. Neben rund 450 Vorständen, Schul- und Verwaltungsleitern der 141 Deutschen Auslandsschulen nahmen 2014 erstmals auch die Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) als Vertreter der 1100 internationalen Schulen mit Deutschem Sprachdiplom („DSD-Schulen“) am Weltkongress teil. Sie tauschten sich untereinander wie auch mit Persönlichkeiten aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus. Letztere ließen in Berlin keinen Zweifel daran, was ihnen die Schulen bedeuten. Von der Arbeit der Deutschen Auslandsschulen als einem „elementaren Bestandteil der deutschen Außenpolitik“ sprach etwa Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Was sind das für Schulen, die einen solchen Rang einnehmen? Steinmeier machte während seiner Eröffnungsrede auf dem Weltkongress deutlich, dass sie wichtige Partner für Deutschlands Austausch mit anderen Ländern sind: „Unsere Vernetzung mit der Welt ist eine ,Two-Way-Street‘. Sie verändert die Welt, aber sie verändert auch unser Land. Und deswegen heißt Auswärtige Bildungspolitik für mich: Lernen für die Welt genauso wie Lernen von der Welt.“ Deutsche Auslandsschulen wollen Orte der Begegnung und des interkulturellen Dialogs sein. Längst bieten sie mehr als qualitätsvolle Bildung und Erziehung für Kinder im Ausland arbeitender Deutscher. Ihre große Mehrheit bringt Schülern aus ganz verschiedenen Gastländern und Kulturkreisen deutsche Kultur und Sprache näher: gemeinsames Lernen als Basis für eine gemeinsame Zukunft.

Mittlerweile kommen fast vier Fünftel der Schüler Deutscher Auslandsschulen aus den Gastländern. Am Ende ihrer Schulzeit steht meist der deutsche Schulabschluss und ein Schulabschluss des Gastlandes. Viele nutzen ihr Abitur, um in Deutschland zu studieren; oft bleibt die Verbindung zum Land auch im Berufsleben erhalten. Es entstehen Netzwerke, von denen beide Seiten profitieren: in Wirtschaftsbeziehungen, beim kulturellen Austausch, im politischen Dialog. Der Netzwerkgedanke liegt im globalen Trend. Frank-Walter Steinmeier sprach auf dem Weltkongress auch über das Projekt „Review 2014“, das internationale Experten nach ihren Erwartungen an die deutsche Außenpolitik gefragt hat. In den Antworten tauchten immer wieder Stichworte wie „Vermittler, Brückenbauer, interkulturelle Sensibilität, Verständigung“ auf. Dass die Schulen in diesem Sinn eine wichtige Rolle spielen können, machte Steinmeier bereits in seiner ersten Amtszeit als Bundesaußenminister 2005 bis 2009 deutlich.

2008 startete das Auswärtige Amt die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH); es begann ein weltweiter Aufbau des Netzwerks internationaler Schulen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Die Zahl der Deutschen Auslandsschulen hat sich seit 2008 von 117 auf 141 erhöht; die Zahl der DSD-Schulen von 440 auf 1072. Sowohl Deutsche Auslandsschulen als auch DSD-Schulen werden von der ZfA betreut. Ebenfalls Teil des Netzwerks 
sind die mit PASCH eingeführten FIT-Schulen: Mittlerweile gibt es 584 solcher Schulen in verschiedenen nationalen Bildungs­systemen, an denen Deutschunterricht auf- oder ausgebaut wird; betreut werden sie vom Goethe-Institut. Zählt man alles zusammen, wird das Ausmaß des Engagements deutlich: Die Zahl der Schulen, die das Auswärtige Amt im Zuge seiner Auslandsschularbeit fördert, ist seit 2008 von rund 550 auf knapp 1800 gestiegen. Sie sammeln sich unter dem PASCH-Dach, um sich untereinander auszutauschen und vielfältig zu vernetzen. Auch wurde im Rahmen der PASCH-Ini­tiative das Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) für Absolventen Deutscher Auslands-, DSD- und Fit-Schulen stark ausgeweitet. Stipendien für ein Vollstudium in Deutschland wurden erstmals weltweit ausgeschrieben; ihre Zahl verdoppelte sich von 60 auf 120. „Wir brauchen junge Talente händeringend“, betont Bundesaußenminister Steinmeier.

Hier können die Auslandsschulen eine wertvolle Grundlage schaffen: Indem sie ein vielschichtiges Bild des modernen Deutschlands und die deutsche Sprache vermitteln. So werden die Schulen zu Stützen einer Willkommenskultur, die die Bundesregierung intensiv pflegen möchte. Dass Deutschland dabei keinerlei Interesse an einem Talentschwund in den Partnerländern hat, ist für Frank-Walter Steinmeier ebenso wichtig: „Viele von denen, die wir ausbilden, werden später ihr Heimatland prägen, ihre Gesellschaft verändern, Verantwortung in der Welt tragen.“ Auf dem Weltkongress der Deutschen Auslandsschulen hob Sylvia Löhrmann, Präsidentin der Kultus­ministerkonferenz, hervor, dass Deutschland bereit sei, „zukünftig stärker auch Initiativen beruflicher Bildung an Auslandsschulstandorten zu unterstützen“. Dies gelte nicht nur vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, sondern auch vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in den von der jüngsten europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise am stärksten betroffenen Ländern.

Damit sich der hinter der PASCH-Initiative stehende Gedanke von Schulen als „Partner der Zukunft“ in den kommenden Jahren weiter in ganz verschiedenen Bereichen entfalten kann, braucht es eine stabile Basis. Die schafft das 2014 in Kraft getretene Auslandsschulgesetz: Erstmals erhält die Förderung der Deutschen Auslandsschulen eine eigene gesetzliche Grundlage; absolventenstarke Schulen haben einen gesicherten Anspruch auf Förderung. Grundsätzlich wurde den Auslandsschulen mehr Autonomie in ihren Budgets eingeräumt und auch die Förderung der DSD-Schulen erstmals gesetzlich festgeschrieben. Frank-Walter Steinmeier bringt Sinn und Zweck des neuen Auslandsschulgesetzes auf den Punkt: „All das hat ein klares Ziel: die Grundlagen zu schaffen, damit unsere Auslandsschulen wachsen können.“ ▪