Rollentausch beim Girls’ Day und Boys’ Day

Der Zukunftstag soll Mädchen und Jungen neue Jobperspektiven eröffnen.

picture-alliance/dpa - Future Day
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Mädchen hantieren mit Chemikalien, bringen Metalle mit dem Lötkolben zum Schmelzen, programmieren eine Computersoftware. Ihre männlichen Klassenkameraden spielen mit Kindern, versorgen ältere Menschen und frisieren sich gegenseitig die Haare. Damit das nicht nur nach einer Wunschvorstellung klingt, gibt es in Deutschland den Girls’ beziehungsweise Boys´ Day – Mädchen- oder Jungen-Zukunftstag, wie die offiziellen Untertitel des Projekts lauten. Mädchen und Jungen der Schulklassen 5 bis 10 versuchen sich in einem Beruf, in dem es wenig weiblichen oder männlichen Nachwuchs gibt. Auf diese Weise sollen das Interesse für bestimmte Berufe geweckt und der Fachkräftemangel eingedämmt werden. Das ist das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekts.

 

IT bei Mädchen, soziale Berufe bei Jungs

 

Bei den Mädchen geht es vor allem um Branchen wie IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik. Jungen versuchen sich am Boys´ Day dagegen vor allem in sozialen, erzieherischen oder Pflege-Berufen – in den Bereichen also, in denen männliche Fachkräfte und Bezugspersonen gesucht werden. Der 13 Jahre alte Mark Schneider aus Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen hat den Boys´ Day 2013 in einem Jugendzentrum verbracht. Nach Kennenlernrunden und Spielen stellten er und andere Kinder ihre Koch-Kenntnisse auf die Probe und beantworteten zum Beispiel Fragen über den Siedepunkt des Wassers oder Gefahrensymbole. Der Tag habe ihm zwar großen Spaß bereitet, „Erzieher möchte ich aber nicht unbedingt werden“, sagt Mark. Eher vorstellen könne er sich den Beruf des Rennfahrers.

 

Bei Nele Rosenberger ist der Plan der Initiatoren aufgegangen. Neben mehr als 100.000 anderen Mädchen ist sie beim Girls´ Day in die männlich dominierte Arbeitswelt von Technik, Naturwissenschaften und IT eingetaucht. Die 15 Jahre alte Schülerin des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums in Osnabrück schaute einen Tag lang hinter die Kulissen der Industrierobotik. Nele besuchte ein Projekt des Gleichstellungsbüros der Hochschule Osnabrück und durfte mit anderen Mädchen einen Roboter programmieren. „Wir brachten ihm zum Beispiel bei, durch ein Labyrinth zu laufen.“ Davon war sie so beigeistert, dass sie im neuen Schuljahr das Fach Informatik belegt. „Ohne den Girls´ Day hätte ich diese Entscheidung wahrscheinlich nicht getroffen“, sagt sie.

 

www.girls-day.de

 

www.boys-day.de

 

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