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Schneller als das Virus

Wie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mit Partnern in Afrika die Welt besser für die nächste Pandemie wappnet.

Clara KrugClara Krug, 12.05.2026
Zwei Personen in Schutzanzügen stehen auf einem Hof vor Klinikgebäuden; daneben ein Metallbettgestell.
Pandemievorsorge in Afrika © BNITM

Schutzanzug, Visier, blaue Handschuhe und ein Bettgestell, das gleich gebraucht werden könnte. Zwei Mitarbeitende stehen im Freien vor niedrigen Gebäuden, der Boden ist feucht, die Luft klar. Es ist eine dieser Situationen, in denen Gesundheitsforschung sehr praktisch wird: Schutzanzug schließen, Visier nachjustieren, Handschuhe prüfen und die Handgriffe so absprechen, dass sie auch unter Stress sitzen. Wer bringt das Bett in Position? Wer bereitet die Isolation vor? Welche Abläufe greifen, wenn ein Patient mit Verdacht auf schwere Virusinfektionen wie Lassa-Fieber aufgenommen wird? Infektionen, die gravierende Folgen haben können – für die Patientinnen und Patienten ebenso wie für das Personal. 

Im Projekt MEVIN 2.0 arbeiten Teams des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und des Irrua Specialist Teaching Hospital in Nigeria zusammen. Ziel ist, Patientinnen und Patienten mit hochgefährlichen Virusinfektionen besser zu versorgen und gleichzeitig medizinisches Personal zu schützen. Das gilt etwa für Lassa-Fieber, Ebola oder neu auftretende Viren. MEVIN 2.0 ist eines von sechs Projekten, die das BNITM gemeinsam mit internationalen Partnern im Rahmen des Global Health Protection Programme (GHPP) umsetzt. Das Bundesgesundheitsministerium fördert die Vorhaben mit mehr als neun Millionen Euro. Sie sind Anfang 2026 gestartet und laufen drei Jahre.

Vier Labormitarbeitende in Kitteln und Handschuhen arbeiten an einem Labortisch.
Internationale Zusammenarbeit ist für die weltweite Pandemievorsorge unverzichtbar. © BNITM

Woran genau arbeiten die Projektpartner, welche Ziele haben sie und was haben sie bereits erreicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist das Global Health Protection Programme (GHPP) – und warum spielt es eine Rolle für die globale Gesundheit?

Seit 2016 unterstützt das GHPP Projekte in Ländern, die häufig von gefährlichen Infektionskrankheiten betroffen sind. Forschende bauen dort Labore auf, trainieren medizinisches Personal und verbessern die Früherkennung von Ausbrüchen. So sollen Epidemien schneller eingedämmt werden.

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Worum geht es bei AfroLabNet3 – und was hat das mit Pandemievorbereitung zu tun?

Eines der geförderten Projekte ist AfroLabNet3. Es setzt bei einem Kernproblem an: In vielen Regionen südlich der Sahara erschweren begrenzte Ressourcen und Infrastruktur eine schnelle Ausbruchsreaktion – besonders neu auftretenden Infektionskrankheiten. Das Projekt stärkt deshalb regionale Labornetzwerke in Hochrisikogebieten Benins, Guineas, Nigerias sowie Sierra Leones und hält mobile Laboreinsatzkapazitäten auf dem neuesten Stand, damit Diagnostik auch im Feld möglich ist. Zusätzlich untersucht AfroLabNet3, wie Viren zwischen Tieren und Menschen übertragen werden. Das soll auch Früherkennung und Prävention verbessern.

Wie können Erreger schneller identifiziert werden?

Das Projekt CELESTA 2.0 baut Kapazitäten zur genomischen Überwachung auf: In Laboren sequenzieren Forschende Viren, analysieren also ihr Erbgut. So können sie Erreger bei Ausbrüchen schneller identifizieren, verfolgen, überwachen und genauer charakterisieren – eine wichtige Grundlage für Entscheidungen im Public-Health-Krisenmanagement. Das Projekt konzentriert sich auf Nigeria und Guinea und arbeitet eng mit dortigen Partnern zusammen, etwa dem Irrua Specialist Teaching Hospital in Nigeria, der Université Gamal Abdel Nasser (UGANC) in Guinea oder Laboren in Guinea. Auch die Gesundheitsministerien Nigerias und Guineas sowie eine belgische Universität sind beteiligt. 

Warum gehört Intensivmedizin in ein Programm zur Ausbruchsvorsorge – wie bei MEVIN 2.0?

Weil Ausbruchsvorsorge nicht aufhört, wenn ein Erreger im Labor identifiziert ist. Bei Lassa-Fieber und anderen viralen Infektionen können Erkrankte schwerste Komplikationen entwickeln und intensivmedizinische Betreuung benötigen. MEVIN 2.0 setzt deshalb in Zusammenarbeit mit dem Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH) in Nigeria auf den Ausbau von Behandlungskapazitäten und knüpft an wichtige Schritte aus der vorherigen Projektphase an: Am ISTH haben die Projektpartner zum Beispiel innerhalb der Isolierstation eine auf Lassa-Fieber ausgerichtete Intensivstation aufgebaut und mit moderner Überwachungstechnik ausgestattet, begleitet von Schulungen und der Arbeit an klinischen Leitlinien. Zusätzlich baut das Projekt eine weltweit einsetzbare medizinische Eingreiftruppe auf. Sie soll im Ernstfall schnell klinische Expertise in Ausbruchsregionen bringen.

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Welche weiteren Projekte gibt es?

Im GHPP-Verbund laufen drei weitere Vorsorge-Projekte:

  • Expand‑AMR nimmt mit Partnern in Ghana und Tansania antimikrobielle Resistenzen in den Blick, also Bakterien, die gegen Antibiotika unempfindlich werden. Das Team überwacht Resistenzmuster, analysiert Behandlungsergebnisse und entwickelt Strategien für eine wirksamere Versorgung.
  • Forschende des Projekts SMART II untersuchen in Ghana, ob Malariamedikamente zunehmend ihre Wirkung verlieren. Gleichzeitig erfassen sie, wie stark die Krankheit in der Bevölkerung verbreitet ist.
  • Im Projekt FOR-GHP schulen Forschende und medizinische Fachkräfte Mitarbeitende für den Umgang mit Krankheitsausbrüchen in Subsahara-Afrika. Dafür kombinieren sie Onlinekurse mit Workshops in Ghana, Uganda und Deutschland und trainieren den Ernstfall in Übungen.