Gemeinsam forschen

Wissenschaftskooperation Deutschland und Lateinamerika: Hier erfährst du, wie eng und fruchtbar die Zusammenarbeit ist.

Blick in die Zukunft: So wird im Jahr 2025 CTA aussehen.
Blick in die Zukunft: So wird im Jahr 2025 CTA aussehen. Akihiro Ikishita BMBF

Lateinamerika hat in den vergangenen Jahrzehnten als Wissenschaftsstandort an Bedeutung gewonnen. Und die deutschen Forschungskooperationen mit Ländern der Region haben ebenfalls zugenommen – das gilt vor allem für Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Argentinien. Hier stellen wir die wichtigsten Impulsgeber bei der Vernetzung der Forschungscommunitys und einige ihrer Projekte vor.

Max-Planck-Gesellschaft

Die Gesellschaft unterhält Max-Planck-Institute und Partnerorganisationen weltweit. Die Anfänge der Zusammenarbeit mit Lateinamerika lagen bereits in den 1950er-Jahren; offizielle Kooperationen entwickelten sich aber erst nach und nach. Seit 2011 dient das „Biomedicine Research Institute of Buenos Aires – CONICET-Partner Institute of the Max Planck Society“ (IBioBA-MPSP) in Argentinien als Brückenkopf nach Lateinamerika.

Lateinamerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler promovieren an Max-Planck-Instituten oder verbringen Postdoc-Aufenthalte in Deutschland. Neben dem Partnerinstitut in Argentinien gibt es etwa 50 assoziierte Forschungsgruppen in Lateinamerika und etwa 160 Forschungsprojekte zwischen Max-Planck-Instituten und Partnern in der Region. In den überwiegend in Deutschland angesiedelten Max-Planck-Instituten forschen über 650 Forschende aus Lateinamerika. Beispielhafte Projekte sind:

  • APEX – die Hochebenen und Wüsten der Anden in Chile sind ein idealer Standort für Hochleistungsteleskope. 2003 wurde mit dem Atacama Pathfinder Experiment eine Grundlage für das seit 2013 betriebene Großteleskop ALMA gelegt.
  • CTA – die Atacama-Wüste wird auch das Cherenkov-Teleskop-Array (CTA) der südlichen Hemisphäre beherbergen, das der nördlichen wird auf La Palma errichtet. Dort wurde 2018 das erste der an beiden Standorten insgesamt 100 Teleskope fertiggestellt. 2022 sollen die ersten Teleskope in Betrieb gehen, bis 2025 sollen beide Anlagen fertiggestellt sein und Gammastrahlen aus dem Weltall messen. An CTA sind die Max-Planck-Institute für Physik (München) sowie für Kernphysik (Heidelberg) beteiligt.
  • ATTO – bereits in den 1960er-Jahren richtete das Max-Planck-Institut in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen National Institute of Amazonian Research (INPA) eine tropenökologische Forschungsstation in Manaus ein. Inzwischen betreiben das Max-Planck-Institut für Chemie und das Max-Planck-Institut für Biogeochemie dort ökologische und atmosphärische Forschung am Amazonian Tall Tower Observatory (ATTO).
Zentrum der Zusammenarbeit mit Fraunhofer: Das Projektzentrum in São Paulo.
Zentrum der Zusammenarbeit mit Fraunhofer: Das Projektzentrum in São Paulo. Fraunhofer

Fraunhofer

In Brasilien ist die Fraunhofer-Gesellschaft mit einem Fraunhofer Liaison Office in São Paulo und der Fraunhofer Innovation Platform for New Food Systems sowie mit dem Fraunhofer Project Center for Innovations in Advanced Manufacturing im Bundesstaat São Paulo vertreten. Diese Kooperationen bilden den Rahmen für gemeinsame Forschungsprojekte mit den brasilianischen Partnern. Das Ziel: innovative Produkte und Verfahren zu entwickeln sowie kleine und mittelständische Unternehmen in beiden Ländern durch anwendungsorientierte Entwicklungs- und Innovationsprojekte zu stärken.

Seit 2015 besteht das Fraunhofer Chile Research Center for Solar Energy Technologies (FCR-CSET) in Santiago, das mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE die Entwicklung einer nachhaltigen Solarwirtschaft in Chile unterstützen. Das Center arbeitet an anwendungsorientierten Themen der Photovoltaik, Solarthermie, Prozesswärme, Wärmespeicherung sowie Wasseraufbereitung/Entsalzung.

DWIH

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus DWIH in São Paulo fördert den Austausch von wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland und Brasilien. Es wird vom DAAD, der DFG, der Bundesregierung und zahlreichen Hochschulen unterstützt und informiert Interessierte unter anderem über Studien- und Forschungsmöglichkeiten in Deutschland. Das Schwerpunktthema für Forschung und Veranstaltungen im Jahr 2021 lautet „Gesellschaft im Wandel: Auswirkungen der Pandemie“.

DFG

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG fördert internationale Kooperationen durch Beziehungen zu Partnerorganisationen. Seit 2006 entsendet der von Bund und Ländern finanzierte eingetragene Verein Vertrauenswissenschaftlerinnen nach Chile und Mexiko. Seit 2011 unterhält die DFG ein Büro in São Paulo, Brasilien, das als Anlaufstelle für alle Wissenschaftler aus Lateinamerika dient.

Die DFG arbeitet eng mit der Stiftung FAPESP (São Paulo Research Foundation) zusammen, die Forschung im brasilianischen Bundesstaat São Paulo fördert. Sie unterhält auch Partnerschaften zu Forschungsförderorganisationen in Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Kolumbien und Mexiko. Je nach Partnerorganisation werden gemeinsame Fördermaßnahmen in Ausschreibungen oder als Antragsmöglichkeit mit Kofinanzierung im Standing Open Procedure (SOP) veröffentlicht.

Forschung fördern und gemeinsam Forschen: Das sind die großen Ziele der Zusammenarbeit.
Forschung fördern und gemeinsam Forschen: Das sind die großen Ziele der Zusammenarbeit.
AdobeStock/BillionPhotos.com

BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt über seine internationale Abteilung unter anderem Mittel für projektbezogene Mobilität von Forschenden bereit.

Seit 2017 werden in Brasilien zwei Projekte zum Aufbau von gemeinsamen Forschungsinfrastrukturen gefördert. Die Initiativen untersuchen Fragestellungen zur Aquakultur und zu den Folgen des Klimawandels in Metropolregionen. In den BMBF-Fachabteilungen werden etwa 20 FuE-Verbundprojekte des BMBF in Kooperation mit Brasilien finanziert. Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Bioökonomie International“ ist Brasilien eines der Schwerpunktländer, dazu kommen Projekte zu wirtschaftsstrategischen Rohstoffen. Hier gibt es einen Überblick:
Bilaterale und multilaterale Projekte mit einer Förderung des BMBF

DAAD

Das DAAD-Büro in São Paulo liegt im gleichen Gebäude wie die Anlaufstelle der DFG. Brasilien ist auch das wichtigste Austauschland Lateinamerikas, es folgen Mexiko und Kolumbien. Anfang 2021 wurde das DAAD-Informationszentrum in Kolumbien in eine DAAD-Außenstelle verwandelt, um den steigenden Zahlen kolumbianischer Studierender in Deutschland Rechnung zu tragen.

Der DAAD fördert Exzellenzzentren in lateinamerikanischen Ländern, darunter

  • das  Corporation Center of Excellence in Marine Sciene CEMarin für Meeresforschung in Kolumbien.
  • das Exzellenzzentrum mit den Fachbereichen Astronomie, Geo- und Umweltwissenschaften, medizinische Informatik und medizinische Physik am Heidelbergcenter Lateinamerika HCLA in Chile.
  • das Center für Friedensforschung Instituto Colombo-Alemán para la Paz CAPAZ in Kolumbien.

© www.deutschland.de