Den Islam studieren

Vielfalt des Glaubens, Vielfalt der Wissenschaft: Die wichtigsten Fakten zum Studium der Islamischen Theologie in Deutschland.

Studentin der Islamischen Theologie an der Universität Tübingen
Studentin der Islamischen Theologie an der Universität Tübingen dpa

Wo kann man in Deutschland Islamische Theologie studieren?
Zentren für Islamische Theologie gibt es an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Frankfurt (mit der Universität Gießen), Münster, Osnabrück und Tübingen. Alle Zentren werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, das seit 2019 auch den Aufbau von Instituten für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität und an der Universität Paderborn unterstützt. Zudem wurde in Baden-Württemberg an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Weingarten das Fach Islamische Theologie/Religionspädagogik eingeführt, um Lehrer für den islamischen Religionsunterricht an Schulen auszubilden.

Warum wurden Zentren für Islamische Theologie eingerichtet?
Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hatte schon 2010 die Einrichtung von Zentren für theologisch orientierte Islamische Studien empfohlen. Das Ziel war, „auch die institutionellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Pluralität islamischen Glaubens in der Bundesrepublik Deutschland adäquat berücksichtigt werden kann“. Das BMBF griff den Vorschlag mit der Förderung der Zentren in Erlangen-Nürnberg, Frankfurt und Gießen, Münster, Osnabrück und Tübingen auf. In Deutschland leben rund 4,5 Millionen Muslime; sie sind nach katholischen und evangelischen Christen die drittgrößte religiöse Gruppe. Die meisten Studierenden der Islamischen Theologie streben ins schulische Lehramt, in die Sozial- und Gemeindearbeit sowie in die Wissenschaft.

Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster
Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster
dpa

Welche Schwerpunkte setzen die Professoren?
Die Professorinnen und Professoren der Zentren für Islamische Theologie haben ganz unterschiedliche regionale, ethnische und wissenschaftliche Hintergründe. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums an der Universität Münster, forscht zum Beispiel zur Islamischen Religionspädagogik und zum Islam in Europa. Merdan Güneş, Professor in Osnabrück, beschäftigt sich unter anderem intensiv mit Islamischer Ideengeschichte und der Systematischen Theologie des Islams. Lejla Demiri, Inhaberin des Lehrstuhls für Islamische Glaubenslehre an der Universität Tübingen, arbeitet ebenso zu osmanisch-türkischen Textquellen wie zur arabischen Papyrologie.

Welche Rolle spielt religiöse Vielfalt?
Der Aufbau eines Instituts für Islamische Theologie an der Universität Paderborn sei „ein großartiger Erfolg“, sagt Birgitt Riegraf, Präsidentin der Hochschule. „Er bestärkt uns in unseren Bemühungen, die Theologien miteinander ins Gespräch zu bringen und das Lehramt im Bereich der Islamischen Theologie aufzubauen.“ Die Kooperation mit den christlichen Theologien ist ein zentrales Element des Islam-Studiums an den deutschen Hochschulen. Einen besonderen Schwerpunkt setzt zudem der im Wintersemester 2019/20 startende neue Bachelor-Studiengang Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität: Mit dem Anspruch einer „Theologie der Vielfalt“ sollen insbesondere sunnitische und schiitische Strömungen innerhalb des Islams vergleichend berücksichtigt werden.

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