Für Gleichstellung und Diversität

Die neue Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft, die pakistanische Molekularbiologin Asifa Akhtar, hat Prioritäten für ihre Amtszeit gesetzt.

Asifa Akhtar: neue Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft
Asifa Akhtar: neue Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft Wolfram Scheible / MPG

Seit 1. Juli 2020 ist die Molekularbiologin Asifa Akthar Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Die MPG ist eine der weltweit angesehensten Einrichtungen für Grundlagenforschung. „Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen“, sagte Max Planck (1858-1947), Nobelpreisträger und Begründer der Quantenphysik. Das ist auch heute noch das Motto der nach ihm benannte Gesellschaft. Sie zählt 18 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger seit ihrer Gründung 1948. In den 86 Max-Planck-Instituten betreiben die besten Wissenschaftler ihres Fachs Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

Zu verstehen, wie Chromosomen funktionieren, ist mein Hauptforschungsschwerpunkt

Asifa Akhtar, Molekularbiologin

Asifa Akthar wurde 1971 in Karachi in Pakistan geboren. 1990 begann sie ein Biologiestudium am University College London in Großbritannien. Sie promovierte 1997 am Imperial Cancer Research Fund in London. Anschließend war sie als Postdoktorandin am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg und am Adolf-Butenandt-Institut in München tätig. 2013 wurde sie die erste ausländische Direktorin am MPI für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Akhtar ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Early Career European Life Science Organization Award. Außerdem ist sie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

„Zu verstehen, wie Chromosomen funktionieren, ist mein Hauptforschungsschwerpunkt“, sagt Akthar, insbesondere interessiere sie sich für die Epigenetik des X-Chromosoms. Die Epigenetik befasst sich mit der Frage, wie Merkmale über die Generation einer Zelle oder eines Organismus hinweg vererbt werden, ohne dass sich dabei die DNA-Sequenzen verändern. Denn zunächst tragen alle Zellen im menschlichen Körper die identische genetische Information. Eine grundlegende Frage der Biologie ist, wie aus diesem Genom Zellen mit unterschiedlichsten Funktionen entstehen. Inzwischen weiß man, dass unterschiedliche Zelltypen jeweils nur bestimmte Teile des Genoms aktivieren.

Bei Frauen ist das zweite X-Chromosom inaktiviert, um so das Ungleichgewicht, dass Frauen zwei X-Chromosome haben, Männer aber ein Y- und ein X-Chromosom haben, auszugleichen. Diese Entscheidung wird im Embryonalstadium getroffen und dann während der gesamten Lebenszeit in den Zellen gespeichert. Akthars Forschungsziel ist es, „zu verstehen, wie Chromosomen funktionieren und wie diese Regulierung erreicht wird“. Langfristig möchte sie herausfinden, wie der Verlust bestimmter Regulatoren zur Entstehung von Krankheiten führt.

Mit Unterschieden zwischen den Geschlechtern befasst sich Akthar auch auf ganz praktischer Ebene. Sie fordert: „Wenn wir wollen, dass Frauen in der Wissenschaft vorankommen, müssen wir praktische Lösungen wie Kinderbetreuung und flexible Zeiteinteilung oder Home-Office-Optionen ermöglichen.“ Akthar möchte während ihrer Amtszeit Gleichstellung und Diversität in der Max-Planck-Gesellschaft vorantreiben. Außerdem will sie sich für die Zusammenarbeit der MPG mit lokalen Bildungseinrichtungen einsetzen. „Mein Herz schlägt für die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagt Asifa Akhtar, die in den kommenden sechs Jahren auch Ansprechpartnerin für die Max Planck Schools ist. Diese bieten Förderprogramme für herausragende Uniabsolventen aus aller Welt.

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