Pionierstudium für die Quantenwelt
Mit 23 Studierenden startet die Hochschule Karlsruhe ihren neuen Bachelor-Studiengang Quantencomputing. Im Fokus: Praxisnähe am eigenen Quantencomputer.
Als Jana Pohl auf dem Campus der Hochschule Karlsruhe (HKA) Plakate für den neuen Studiengang Quantencomputing entdeckte, war ihr Interesse sofort geweckt. „Das klingt spannend, herausfordernd“, sagt die 20-Jährige. Sie schrieb sich als Erste ein. Dass sie damit Neuland betritt, schreckt sie nicht: „Es fasziniert mich, in einem Bereich zu studieren, wo wir mitgestalten können.“
Zum Wintersemester 2026/2027 startet an HKA der erste anwendungsorientierte Bachelorstudiengang Quantencomputing im deutschsprachigen Raum. 23 Studierende haben sich eingeschrieben, darunter neben Jana Pohl zwei weitere Frauen. Das sieben Semester umfassende Studium verbindet Elektrotechnik, Informatik und Quantenphysik. Auf Mathematik, Experimentalphysik, Digitaltechnik und Programmierung folgen unter anderem Quantenmechanik, Architekturen von Quantencomputern, Quantenalgorithmen und Quantensensorik. Auch ein Praxissemester ist fest eingeplant.
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Einverständniserklärung öffnenPraxis statt reiner Theorie
Die HKA will sich bewusst von stärker forschungsorientierten Angeboten absetzen. Studierende sollen nicht nur verstehen, wie Quantentechnologien funktionieren, sondern sie in Laboren und später in Unternehmen anwenden. Im Studium soll dafür auch ein eigener Quantencomputer zur Verfügung stehen. Seine Finanzierung ist durch private Spenden gesichert, das Gerät ist bereits bestellt. Die HKA setzt zudem auf Kontakte zur Industrie und zu Forschungspartnern; auch die Bachelorarbeit kann in einem Unternehmen entstehen.
Fachkräfte für technologische Souveränität
Für Studiendekan Philipp Nenninger geht es um mehr als ein neues Studienangebot: „Um Deutschlands technologische Souveränität zu sichern, müssen wir jetzt eigene Kompetenzen bei Forschung, Hardware, Software, Cybersecurity und industriellen Anwendungen aufbauen.“ Quantencomputer arbeiten grundlegend anders als klassische Rechner. Sie gelten als vielversprechend für Aufgaben, bei denen herkömmliche Systeme an Grenzen stoßen – etwa in Materialwissenschaften und Pharmazie, bei Künstlicher Intelligenz, Logistik oder komplexen Optimierungsproblemen. Hierfür braucht es laut Professor Nenninger „Fachkräfte, die an der Schnittstelle Hardware und Software ausgebildet und mit industrieller Anwendung vertraut sind.“
Für Jana Pohl ist noch offen, wohin der berufliche Weg sie führt. Zunächst reizt sie die Chance, eine Technologie kennenzulernen, deren praktische Anwendungen gerade erst entstehen. (Mit dpa)