Umjubelte Rede der Kanzlerin in Harvard

Bundeskanzlerin Merkel hielt die Abschlussrede vor Harvard-Absolventinnen und Absolventen – und gab ihnen sechs Gedanken für ihre Zukunft mit auf den Weg.

Angela Merkel an der Harvard Universität
dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat an den diesjährigen Abschlussfeierlichkeiten der Harvard University teilgenommen. Sie bekam von der ältesten Universität der USA die Ehrendoktorwürde verliehen – eine große Ehre für sie persönlich, aber auch als Vertreterin Deutschlands. 

Vor rund 20.000 Harvard-Absolventinnen und Absolventen, Studierenden, Eltern, Lehrkräften und Gästen hielt die Kanzlerin die Abschlussrede - die sogenannte Commencement Speech. Sie schilderte Erfahrungen aus ihrem Leben, sprach auch über die Zeit der DDR und das Jahr 1989, als überall in Europa der gemeinsame Wille zur Freiheit unglaubliche Kräfte freigesetzt habe.

Merkels Ansprache, die immer wieder von langem Beifall und Jubel unterbrochen wurde, war ein Plädoyer für den Multilateralismus: „Veränderungen zum Guten sind möglich, wenn wir sie gemeinsam angehen“, sagte sie. „In Alleingängen wird das nicht gelingen.“

Sechs Gedanken für die Zukunft der Absolventen

Kanzlerin Merkel gab den Harvard-Absolventen in ihrer Rede sechs Gedanken für deren Zukunft mit auf den Weg:
 

  • "Reißen Sie Mauern der Ignoranz und Engstirnigkeit ein, denn nichts muss so bleiben, wie es ist."
  • "Handeln Sie gemeinsam – im Sinne einer multilateralen globalen Welt."
  • "Fragen Sie sich immer wieder: Tue ich etwas, weil es richtig ist, oder nur, weil es möglich ist?"
  • "Vergessen Sie nicht: Freiheit ist niemals selbstverständlich."
  • "Überraschen Sie sich damit, was möglich ist."
  • "Bedenken Sie: Offenheit birgt immer Risiken. Das Loslassen des Alten gehört zum Neuanfang dazu. Und zuerst und vor allem: Nichts ist selbstverständlich, alles ist möglich."
     

Wie kam Merkels Rede in Harvard an?

Merkel trat in Harvard bescheiden auf, wurde aber dennoch wie ein Popstar gefeiert. Mehr als 30 Mal brandete bei der 35-minütigen Ansprache Beifall auf, mehrfach erhob sich das Publikum, um Merkel Respekt zu zollen.

Er sei „begeistert“, dass Merkel bei seiner Abschlussfeier spreche, sagte der 26-jährige Harvard-Absolvent Ethan Hughes. „Viele Amerikaner blicken auf sie, wegen des Mangels an politischer Führung hier.“ Mit-Absolvent Ahmad Kareh (37) bescheinigte Merkel eine „Leidenschaft für Demokratie“. Der Jordanier Malek Hassan (27), der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat, nannte die Kanzlerin „eine Inspiration für die junge Generation“. Harvard-Absolventin Marcella Vutto (38) aus Düsseldorf sagte: „Frau Merkel hat international einen ausgezeichneten Ruf.“ Ihre Kommilitonin Sonja Krein (28) aus Köln meinte: „Ich glaube, Merkel hat ein sehr gutes Image – gerade in Zeiten von Trump.“ Krein fügte mit Blick auf Merkels Rede hinzu: „Das ist schon cool, heute als Deutsche dabei sein zu können.“

Merkels Harvard-Rede im Wortlaut

Besonderes Band zwischen Harvard und Deutschland

Die wiederholte Einladung der Universität an deutsche Bundeskanzler beziehungsweise an die Bundeskanzlerin zur Teilnahme an der Abschlussfeier steht auch für das besondere Band, das nicht nur Harvard, sondern auch die USA und Deutschland verbindet.

Bereits die Bundeskanzler Konrad Adenauer (1955), Helmut Schmidt (1979) und Helmut Kohl (1990) waren als Hauptredner zum Harvard Commencement eingeladen. Bundespräsident Richard von Weizsäcker war 1987 dort zu Gast.

Gespräch in Zentrum für Europa-Studien

Die Reise von Kanzlerin Merkel nach Boston galt allein dem Besuch der Universität Harvard und der Teilnahme an der 368. Commencement-Feier. Bei ihrem Besuch traf Merkel auch den Gouverneur von Massachussetts, Charlie Baker. Außerdem führte sie ein Gespräch mit Vertretern des Center of European Studies der Universität Harvard und deutschen Studentinnen und Studenten. 

Quelle: Bundesregierung.de/dpa