Auf der Suche nach dem „home“

Was bedeutet Zuhause? Dieser Frage gehen Künstlerinnen aus Deutschland und Israel in der Ausstellung „home.frankfurt.telaviv“ nach. 

„Home is where your chosen family is“ von Xinan Pandan
„Home is where your chosen family is“ von Xinan Pandan Xinan Pandan

Es gibt viele Antworten auf die Frage, was Zuhause ist. Jede und jeder hat einen eigenen Blick darauf – so auch zwölf Kunstschaffende aus Deutschland und Israel, die nach ihrem „home“ gesucht haben. Im Mai 2022 zeigten sie in Frankfurt am Main ihre Antworten in der Ausstellung „home.frankfurt.telaviv“, die sie in Bildern, Videos oder Tanzperformances ausdrückten. Erstmals konnten sie die Werke des Projekts der beiden Partnerstädte Frankfurt und Tel Aviv live vor Publikum präsentieren. Zuvor hatte die Corona-Pandemie dies nur online zugelassen. Ende 2022 wird die Ausstellung auch in Tel Aviv zu sehen sein.

„home“ in der AusstellungsHalle Frankfurt
„home“ in der AusstellungsHalle Frankfurt Katharina Dubno

Die Veranstalterinnen in Frankfurt zogen eine positive Bilanz der Ausstellungswoche. „Wir haben durch die Mittel der Kunst einen gemeinsamen Raum geschaffen“, sagt Linda Kagerbauer vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt, das die Ausstellung organisiert hat. Um die Vielfalt der Perspektiven und Kunstformen mit einem breiten Publikum zu teilen, gab es gleich fünf Ausstellungsorte in der Stadt, darunter das Jüdische Museum und das Schauspiel Frankfurt. So vielfältig die Kunstwerke waren, so unterschiedlich waren auch die Künstlerinnen. Den Organisatorinnen war es neben der Interdisziplinarität wichtig, ganz bewusst Vielfalt zu zeigen. „Wir wollten, dass möglichst viel an Perspektiven, auch an marginalisierten, sichtbar wird“, sagt Kagerbauer. Wie unterschiedlich die Künstlerinnen die Frage nach ihrem Zuhause angegangen sind, zeigen zum Beispiel die Werke von Xinan Pandan aus Frankfurt und Vered Nissim aus Tel Aviv.

Freundschaften als Zuhause                                                                                                                                                

Die fehlende Akzeptanz ihrer geschlechtlichen Identität in ihrer Familie verarbeitet Xinan Pandan in der Kunst. Sie bezeichnet sich als non-binär, definiert sich also weder als Frau noch als Mann. Ihr Projekt in der Ausstellung trägt den Titel „Home is where your chosen family is“. Dazu gehören digitale Zeichnungen, aber auch Texte und Gedichte zu Themen wie Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Wie auch bei anderen „home“-Werken flossen Xinan Pandans  Erfahrungen während der Pandemie in die Arbeit ein: „Das war eine sehr schwierige Zeit für mich, in der ich meinen Job verloren habe und eine schwierige Wohnsituation hatte. Ich habe deswegen eine Zeit bei Freunden gewohnt“, erzählt sie und stellt fest: „Home ist kein physischer Ort für mich.“ Das Konzept der „Chosen Family“ wird von vielen queeren Personen benutzt, die in ihren Herkunftsfamilien nicht sie selbst sein können und sich daher ein eigenes Zuhause aufbauen.

Raum der Freiheit

„Um über Heimat zu sprechen, muss ich über Israel sprechen, ein Land, das auf Immigration beruht“, sagt Vered Nissim aus Tel Aviv. Ihre Eltern sind Mizrachim, Juden aus vorwiegend arabischen Ländern. Sie kamen in den 1950er-Jahren aus Irak nach Israel, wo sie es schwer hatten. „In meiner Arbeit versuche ich zu thematisieren, dass meine Eltern es für uns besser haben wollten.“ Eines ihrer Werke ist ein Video, in dem ihre Mutter in einem traditionellen Gewand singt, ein Akt der Rebellion in ihrem ultraorthodoxen Glauben. Sie gibt damit Frauen eine Stimme, für die „Zuhause“ erzwungener Rückzug bedeutet: „Meine Mutter hat ihr gesamtes Leben für andere Menschen geputzt. Jetzt schreiben Sie über diese Frau, weil sie Star meiner Arbeit ist.“

Vered Nissim in ihrem Video „For God‘s sake“
Vered Nissim in ihrem Video „For God‘s sake“ Vered Nissim

Gehört werden, die eigene Rolle finden, Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum aufbrechen: Das sind Themen, die sich durch die Ausstellung ziehen. „Wir konnten aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Frage ‚Was ist eigentlich Home?‘ blicken“, sagt Linda Kagerbauer. Ob das Zuhause in Tel Aviv oder Frankfurt sei, habe keine Rolle gespielt: „Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gefunden und hatten in diesem Moment tatsächlich ein gemeinsames „Home“ – verbunden zu sein durch die gemeinsame Suche nach Antworten, die wir auch gefunden haben.“

Die Website der Ausstellung home-ffm-tlv.com