Janosch: Der Mann hinter der Tigerente
Bär, Tiger und Tigerente: Janoschs Figuren zaubern seit Jahrzehnten weltweit bei Jung und Alt ein Lächeln ins Gesicht. Am 11. März wird der Künstler 95.
Es sind Figuren, bei deren Anblick einem sofort warm ums Herz wird: der kleine Tiger, der kleine Bär und die Tigerente auf Rollen. Seit Jahrzehnten begleiten ihre Abenteuer Menschen rund um den Erdball – vom Kleinkind bis ins hohe Alter, das nun auch ihr Schöpfer erreicht hat: Janosch feiert am 11. März 2026 seinen 95. Geburtstag. Seine Bücher sind in rund 40 Sprachen erschienen und wurden millionenfach verkauft. Die gängige Etikettierung „Kinderbuchautor“ greift allerdings zu kurz: Janosch ist Zeichner und Maler, hat Radierungen geschaffen und neben Bilderbüchern auch zahlreiche Texte für Erwachsene veröffentlicht.
Geboren wurde er 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze, dem früheren Hindenburg. Nach einer schwierigen Kindheit – mit leidvollen Erfahrungen von Gewalt und Alkoholismus in seinem Elternhaus – führte ihn sein Weg nach dem Krieg nach Deutschland. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Schmied, studierte später in München, arbeitete als freier Künstler und nahm den Künstlernamen „Janosch“ an. Seit vielen Jahren lebt er auf Teneriffa.
Der Durchbruch: eine Kiste, ein Duft, ein Entschluss
Sein bekanntestes, erstmals 1978 erschienenes Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ beginnt mit einem Fundstück. Der kleine Bär fischt am Flussufer eine Holzkiste aus dem Wasser. Außen steht „Panama“, innen hängt noch der Duft von Bananen. Für den Bären ist die Sache klar: Wenn es so riecht, muss es dort gut sein. Aus Aufschrift und Aroma wird ein Bild vom „Land der Träume“, in dem alles größer, schöner, bequemer ist – gern auch mit weichem Sofa. Die Reise dorthin ist eine Folge von Begegnungen, Verwechslungen und Entscheidungen. Am Ende landen Tiger und Bär wieder am eigenen Haus – und halten es für das gesuchte Paradies.
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Einverständniserklärung öffnenIn Janoschs Geschichten und Dialogen stecken nicht nur viel Herz und sanfte Ironie, sondern auch philosophische Weisheit, die manchen Erwachsenen nachdenklich stimmt. Zu den Sätzen, die dieses Universum prägen, gehört etwa der kurze Dialog über das Glück: „O Bär … ist das Leben nicht unheimlich schön, sag!“ – „Ja … ganz unheimlich und schön.“ Janosch lächelt den Irrsinn des Alltags beiseite. Seine Figuren kennen Unsicherheit, Krankheit, Überforderung; doch sie organisieren das Leben mit Fantasie, kleinen Ritualen – und mit Freundschaft, die Sicherheit gibt: „Wenn man einen Freund hat“, sagt der kleine Bär, „der Pilze finden kann, braucht man sich vor nichts zu fürchten!“
Vom Buch in die Welt
Dass Janoschs Figuren bis heute so präsent sind, liegt nicht nur an den Büchern. Es gibt Verfilmungen, Hörspiele, Bühnenfassungen, Musicals und allerlei Begleitformate, die sich an seinen Stoffen orientieren. Auch im Alltag sind Janoschs Motive Wegbegleiter vieler Menschen: Durch Postkarten mit Zeichnungen und Sprüchen, Kalender, Plakate und Spiele bis hin zu Merchandising-Artikeln, mit denen Tiger, Bär und Tigerente längst eine zweite Karriere hingelegt haben.
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Einverständniserklärung öffnenWarum die Geschichten mitwachsen
Janoschs Stil wirkt bis heute eigen: etwas schnoddrig, teils anarchisch im Text und bewusst etwas krakelig im Bild. Gerade ihre Unaufgeregtheit macht die Geschichten offen für große Themen: dem Wunsch nach einem einfachen, glücklichen Leben, nach Freundschaft und Liebe, nach Freiheit und dem Recht, den eigenen Weg zu gehen.
Für Kinder heißt das: ausprobieren zu dürfen, ohne dass ihnen ständig erklärt wird, was richtig oder falsch ist. Und viele Erwachsene erkennen erst, wenn sie ihren Kindern oder Enkeln Janoschs Geschichten vorlesen, die Tiefe seiner Werke – die zum Beispiel darin liegt, einfach loszugehen, wenn eine Kiste nach Bananen duftet.