Talente auf der Berlinale

Die Berlinale bietet mit dem Programm „Berlinale Talents“ jungen Filmschaffenden eine aussichtsreiche Plattform.

dpa - Berlinale 2017

Mehr als 5.000 Filmschaffende aus mehr als 100 Ländern: So groß ist das Alumni-Netzwerk der „Berlinale Talents“, einer Initiative der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Seit 2003 bringt bringt sie jährlich 250 Nachwuchstalente der Filmbranche – Autoren, Regisseure, Produzenten, Kameraleute, Schauspieler, Filmcutter, Filmverleiher, Produktionsdesigner, Komponisten, Sound Designer und junge Filmjournalisten – mit Profis der internationalen Filmbranche zusammen. Die Plattform hat sich zu einer der spannendsten Initiativen der Berlinale entwickelt und bietet ein Sprungbrett ins Hauptprogramm der Berlinale und ins internationale Filmgeschäft. Die Teilnehmer der Berlinale Talents stehen am Anfang ihrer Karriere. Eine Woche lang bietet die Initiative Coaching-Programme zu allen Bereichen des Filmemachens an. Dazu gehören Diskussionen mit Experten, aber auch die Möglichkeit, eigene Projekte weiter zu entwickeln und einer ausgewählten Festivalöffentlichkeit vorzustellen.  

2017 stehen die Berlinale Talents unter dem Motto „Courage against all odds“ – Mit dem Thema Mut geht Berlinale Talents 2017 bereits in die 15. Runde. Ihr Alter merkt man der Festivalinitiative nicht an, denn sie sucht nach Experimentierfeldern, um sich ständig zu erneuern. Viele Filmemacher und Künstler suchen während der Berlinale den Kontakt zu den Talents-Teilnehmern – in diesem Jahr werden beispielsweise Jurypräsident Paul Verhoeven oder Christo mit Nachwuchstalenten über ihre Arbeit sprechen. Aber eben nicht nur. „Wir schaffen neue Räume. Workshops werden Teil des öffentlichen Programms und wir verbinden somit Formate, die früher klar getrennt waren“, sagt Programmleiter Florian Weghorn.

deutschland.de hat Teilnehmer der Berlinale Talents getroffen:

 

Ayse Gülsüm Özel, Deutschland

Die Produktionsdesignerin Ayse Gülsüm Özel, in Istanbul geboren und aufgewachsen, hat nach dem Studium von Bühnen- und Kostümbild in Berlin-Weißensee am Staatstheater Nürnberg gearbeitet. Heute ist sie freie Produktionsdesignerin in mehreren Theatern in Nürnberg, Dortmund und in Südtirol. Sie findet es besonders spannend, sich vom Ergebnis ihrer Arbeit überraschen zu lassen: „Was mir Spaß macht, ist, dass ich in der Vorbereitung für einen Film einen Raum entwerfe und dass man nie genau weiß, wie das zweidimensionale Ergebnis am Ende aussehen wird.“ Ayse Gülsüm Özel hat sowohl bei Animationsfilmen als auch bei Kurz- und Langfilmen mitgewirkt. Bei Berlinale Talents lernt sie Gleichgesinnte kennen: „Beim Produktionsdesigner-Workshop habe ich festgestellt, dass wir, egal aus welchen Ländern wir kommen, alle dieselben Probleme am Set haben! Es ging viel um die Kommunikation im Filmteam. Das fand ich sehr bereichernd.“ Ayse Gülsüm Özel freut sich, wieder auf der Berlinale zu sein. „Als ich in Berlin studiert habe, war ich viel auf dem Festival unterwegs, habe ewig Schlange gestanden um Karten zu bekommen. Dabei habe ich viele interessante Menschen kennengelernt!“ Sie findet, dass das Filmfestival Mut macht: „Bei Premieren sitzt man manchmal nur ein paar Meter von Stars wie George Clooney entfernt. Dadurch wird  die Fantasie greifbar! Wenn ich einen guten Film auf der Berlinale sehe, denke ich mir: Warum nicht ich? Ich kann’s auch!“

 
 

MayJune, Malaysia

Die 33-jährige Schauspielerin MayJune wohnt in Kuala Lumpur. Sie arbeitet für Film und Fernsehen und produziert Beauty- und Musikvideos für ihren YouTube-Kanal. Ihre Kariere begann mit dem Sieg in der Reality-Sendung „The Star Idol“ in Malaysia. Ihr Wunsch: Produzentin werden. „In Malaysia interessiert sich das Publikum nicht wirklich für lokale Filmproduktionen, sondern eher für internationale Filme. Ich möchte das ändern und Filme in Malaysia produzieren“. Deshalb erhofft sie sich, bei Berlinale Talents Einblicke in die Arbeit von Produzenten aus anderen Ländern zu gewinnen. „Ich finde es sehr wichtig, sich andere Arbeitsweisen anzuschauen, also zu gucken, wie zurzeit auf der internationalen Ebene gearbeitet wird“, sagt sie. Bei Berlinale Talents nimmt sie an Workshops für Schauspieler teil: „Wir müssen uns ein Tier aussuchen, das wir nachahmen. Das finde ich spannend! Ich habe mir den Leguan ausgesucht, denn ihn nachzuahmen erfordert viel Flexibilität.“ MayJune ist zum ersten Mal in Berlin. Die Geschichte der deutschen Hauptstadt inspiriert sie: „Mit all seinen historischen Gebäuden sieht Berlin aus wie ein Film“, erklärt MayJune. „Und Architektur bleibt. Wir müssen Filme machen, die ebenfalls bleiben und die der Zuschauer dann für sein weiteres Leben mitnimmt.“

 
 

Mark Middlewick, Südafrika

Der Regisseur und Drehbuchautor Mark Middlewick hat in Johannesburg studiert und Drehbuchschreiben unterrichtet. Nach einem Aufenthalt in Los Angeles, wo er für mehrere Produktionsfirmen als Skriptlektor arbeitete, ist er zurück nach Südafrika gezogen. Dort hat er im Jahr 2014 an Talents Durban teilgenommen. Diese Initiative des Internationalen Filmfestivals Durban ist eine Kooperation mit Berlinale Talents. Denn neben den Workshops in Berlin organisiert Berlinale Talents auch andere Programme für junge Filmschaffende, unter anderem im Südafrika, im Libanon, in Argentinien oder in Japan. Mark Middlewick sieht Berlinale Talents als eine Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen: „Ich werde Schauspiel-Workshops besuchen, denn ich finde es spannend, die Arbeit am Set aus ihrer Perspektive zu sehen“, erklärt er. Er mag die Berlinale sehr: „Hier kann man Filme sehen, die man sonst nirgendwo sehen könnte. Es geht hier nicht um große Namen, sondern nur um Filmkunst.“ Der südafrikanische Regisseur ist nicht zum ersten Mal in Berlin und mag die Stadt so sehr, dass er sich überlegt, in die deutsche Hauptstadt zu ziehen. Aber zuerst möchte er Filme in und über Südafrika machen. „Ich will Filme darüber machen, wie es ist, ein weißer Südafrikaner zu sein. Denn darüber spricht man nur wenig.“

Berlinale Talents von 11. bis 16. Februar 2017

www.berlinale-talents.de

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