Trend zur maschinellen Übersetzung

Computer erleichtern das Übersetzen, aber sie können (noch) nicht alles. Ein Interview mit Philipp Köhn, dem Wegbereiter der maschinellen Übersetzung.

Alexander Heimann/Frankfurter Buchmesse

Philipp Köhn hat mit seiner Forschung die maschinelle Übersetzung revolutioniert. Der gebürtige Bayer ist Professor für Informatik an der University of Edinburgh in Schottland und an der Johns Hopkins University im US-amerikanischen Baltimore. Ein Interview über Fortschritte und Hindernisse bei der maschinellen Übersetzung.

Herr Professor Köhn, wer heute einen Text im Internet automatisch übersetzen lässt, nutzt dabei meistens eine Erfindung von Ihnen. Was genau verbirgt sich hinter Ihrer Innovation?

Wir haben das Modell der maschinellen Übersetzung grundlegend verändert. Früher versuchte man, dem Computer einzelne Wörter und grammatikalische Regeln beizubringen – das erwies sich als äußerst schwierig und war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Unsere Methode dagegen übersetzt statistisch und phrasenbasiert.

Was bedeutet das?

Der Computer übersetzt nicht einzelne Wörter, sondern ganze Satzteile. Dafür greift er auf riesige Textmengen zurück, die bereits in verschiedenen Sprachen vorliegen, und rechnet so Wahrscheinlichkeiten für die Bedeutung von Wörtern und Wortgruppen aus. Im Prinzip haben wir dem Computer auf diese Weise auch beigebracht, eigenständig zu Lernen. Die wichtigsten Unternehmen im Bereich der Internetübersetzung verwenden unser Modell, auch Google Translator. Einer der Autoren, mit dem ich 2003 die Methode detailliert beschrieben habe, leitet übrigens heute die Machine Translation Group bei Google.

Kommt die maschinelle Übersetzung auch für literarische Texte in Frage?

Momentan nicht. Denn bei literarischen Texten kommt etwas hinzu, worauf es zum Beispiel bei Bedienungsanleitungen nicht ankommt: sprachliche Ästhetik und zwischen den Zeilen verborgene Bedeutungen oder Anspielungen. Wir haben generell nicht den Anspruch, menschliche Übersetzer zu ersetzen. Vielmehr geht es uns darum, ihnen ein Hilfsmittel an die Hand zu geben. Das gilt übrigens nicht nur für diese Berufsgruppe, sondern für jeden Menschen, der – sei es privat oder beruflich – einen Text in seinen Grundzügen verstehen möchte. Diesem immer größer werdenden Bedarf an Informationen werden wir gerecht.

Ihre Muttersprache ist Deutsch. Heute leben Sie in Schottland und in den USA. Wie bewerten Sie die Qualität von maschinellen Übersetzungen ins Deutsche?

Leider ist ausgerechnet Deutsch eine der wenigen Sprachen, die die maschinelle Übersetzung noch vor Herausforderungen stellt. Das hängt mit dem komplexen Satzbau zusammen. Er unterscheidet sich fundamental von Sprachen wie dem Englischen oder dem Französischen. Aber natürlich wollen wir immer besser werden – und arbeiten bereits an einem neuen Übersetzungsmodell.

Frankfurter Buchmesse vom 8. bis 12. Oktober 2014 in Frankfurt am Main

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