Die deutsche Kolonialgeschichte

Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin beschäftigt sich mit dem Thema „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“. 4 Fragen an den Projektleiter der Ausstellung, Arnulf Scriba.

dpa/akg-images - Colonialism

Herr Scriba, das Deutsche Historische Museum in Berlin eröffnet am 14. Oktober 2016 eine Ausstellung zum deutschen Kolonialismus mit rund 500 Exponaten. Stellen Sie uns doch bitte zwei, drei Objekte vor.

Jedes Exponat in der Ausstellung gibt Auskunft über einen bestimmten Aspekt der Kolonialgeschichte. So thematisieren wir beispielsweise die Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85, die unter Ausschluss afrikanischer Vertreter als imperiale Anmaßung und als ein zentraler Erinnerungsort deutscher wie europäischer Kolonialgeschichte gilt. Wenn man so möchte, markiert die Konferenz den Eintritt des Deutschen Reichs in die aktive Phase des Kolonialismus. Die originale Schlussakte der Konferenz vom 26. Februar 1885 steht gleich zu Beginn der Ausstellung und verortet den deutschen Kolonialismus in einen europäischen Gesamtzusammenhang.

Ein wesentliches Ziel der Ausstellung ist es, mit Hilfe eines thematischen Zugangs einen Einblick in die Interessen, den Verlauf und die Dynamiken der deutschen Kolonialgeschichte zu geben und die zugrundeliegende Ideologie des Kolonialismus offenzulegen. Koloniale Herrschaft war strukturell gewalttätig und mit Machtdemonstration verbunden. So präsentieren wir unter anderem ein Maxim-Maschinengewehr, das mit über 500 Schuss in der Minute die wirkungsvollste Waffe ihrer Zeit und ein Symbol für die koloniale Unterwerfung Afrikas war.

Die Ausstellung endet nicht mit 1919, als dem Deutschen Reich im Frieden von Versailles sämtliche Kolonien aberkannt worden sind.

Nein, denn wir fragen auch nach dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit. Die Erinnerung daran war in der Bundesrepublik Deutschland sehr lange weitgehend durch Nostalgie mit einem positiven öffentlichen Andenken an den deutschen Kolonialismus geprägt. Erst die studentische Bewegung der 1960er-Jahre begann im Grunde die deutsche Kolonialgeschichte allmählich zu revidieren. Eines der größten Objekte in der Ausstellung ist das 1967 in Hamburg gestürzte Denkmal von Hermann von Wissmann, des ehemaligen Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika, das bis heute in der Sternwarte der Universität Hamburg eingelagert ist.

Es gab in den vergangenen Jahren viel Kritik, dass das DHM nicht zur Genüge auf die deutsche Kolonialgeschichte eingehe. Ist diese Ausstellung eine Reaktion darauf?

Eine direkte Reaktion darauf ist die Sonderausstellung nicht, gleichwohl uns die Kritik sicherlich darin bestärkt hat, sie zu realisieren. Dieses Vorhaben trägt zunächst einmal dem Umstand Rechnung, dass Kolonialismus in deutschen Geschichtsmuseen bislang kaum thematisiert wurde. Nachdem das Deutsche Historische Museum bereits die Ausstellungen „Tsingtau – ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in China. 1897–1914“ (1998) und „Namibia – Deutschland. Eine geteilte Geschichte“ (2004/05) in Zusammenarbeit mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln gezeigt hat, gab es in unserem Haus schon länger entsprechende Überlegungen, eine Ausstellung zum Deutschen Kolonialismus zu präsentieren. Nicht zuletzt zeigen ja die aktuellen Debatten über die Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama die Bedeutung des Themas Kolonialgeschichte bis heute.

Im DHM wird viel Wert auf Inklusion gelegt. Wie machen Sie Ihre neue Ausstellung auch für Blinde und Gehörlose erfahrbar?

Zunächst bieten wir sämtliche Raumtexte auch in Leichter Sprache, Brailleschrift und über einen Bildschirm in Gebärdensprache an. Die 16 Inklusiven Stationen greifen dies ebenfalls auf und vertiefen verschiedene Inhalte. Zum Beispiel kann eine Kolonfigur, die sonst in einer Vitrine hinter Glas präsentiert wird, angefasst und ertastet werden. Ein taktiler Globus zeigt blinden Besucherinnen und Besuchern, wo überhaupt die deutschen Kolonien gelegen haben. Daneben gibt es noch viele weitere taktile Elemente zum Ertasten sowie auch Audiodeskriptionen von Objekten und Filmausschnitten.

Ausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ vom 14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017 im Deutschen Historischen Museum Berlin

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