Plötzlich Superstar in Myanmar

Wie der 28 Jahre alte Mikis Weber aus Bremen die Herzen der Menschen in dem südostasiatischen Land eroberte.

Smart: Mikis Weber in Myanmar
Smart: Mikis Weber in Myanmar privat

Wenn Mikis Weber seine Wohnung in Yangon, der größten Stadt in Myanmar, verlässt, bleibt er nicht lange unerkannt. Passanten winken ihm zu und rufen „Ko Mikis“. Das ist der Künstlername des 28-jährigen Deutschen, „Ko“ heißt so viel wie „großer Bruder“. 

In Deutschland ist Mikis, in Bremen geboren und aufgewachsen, fast unbekannt; in Myanmar dagegen, wo er seit 2016 lebt, ein Superstar. Er war nach eigenen Angaben der erste Ausländer im birmanischen Showbusiness – und auch der Bekannteste. Er singt auf Birmanisch, spielt in Filmen mit und ist ein gefragtes Gesicht in der Werbung.

 

Geschäftstüchtig: Mikis Weber als Model

Geschäftstüchtig: Mikis Weber als Model
© privat

 

Doch warum Myanmar? Mit zehn Jahren nahm Mikis‘ Vater ihn mit nach Thailand, ins Grenzgebiet zu Myanmar. Der Vater ist Gründer der kleinen Hilfsorganisation Between Borders e.V., die sich für verfolgte Burmesen aus dem Volk der Shan im Dreiländereck Thailand-Laos-Myanmar einsetzt.

Englisch unterrichtet, Burmesisch gelernt

Nach dem Abitur entschied sich Mikis für einen Freiwilligendienst in der thailändischen Grenzstadt Mae Sot, in der viele burmesische Geflüchtete leben. Er unterrichtete Ex-Kindersoldaten und Prostituierte in Englisch und lernte dabei selbst fließend Burmesisch. Er fühlte sich magisch angezogen von dem abgeschotteten, geheimnisvollen Land, aus dem seine neuen Freunde stammten.

Zurück in Deutschland begann Mikis eine Ausbildung in einem Hamburger Reisebüro mit Blick auf Myanmar. 2015 war es soweit: Mikis reiste zum ersten Mal für einen Monat ins Land seiner Träume. Gleich am ersten Tag habe er sein Portemonnaie verloren – und zurückbekommen, sein ganzes Geld und alle Karten noch drin, erzählt er. Mikis schwärmt vom großen Zusammenhalt und der Hilfsbereitschaft der Menschen. 

Mit einem Video über Nacht berühmt

Ein Jahr später bekam er einen Job beim Goethe-Institut in Yangon. Mikis traf sich mit burmesischen Musikern, die er zuvor in Deutschland kennengelernt hatte. Sie luden ihn ein, auf einem Konzert zu singen. Mikis, der seit Teenagertagen auf seiner Ukulele spielte, eine „große Klappe und keine Scheu vor der Bühne“ hatte, wie er selbst sagt,  trat auf einer Dachterrasse auf. Er rappte einen bekannten englischen Song und ein selbstgeschriebenes Lied auf Burmesisch. Das Video seines Auftritts wurde im Netz millionenfach geklickt und Mikis in Talkshows eingeladen. Über Nacht war er berühmt.

Mikis spricht von „Narrentum und Glück“, wenn er auf seine wundersame Karriere in Myanmar blickt. „Ich habe nie etwas geplant in meinem Leben“, sagt er. „Ich lasse die Dinge einfach auf mich zukommen“. Doch wenn sich Gelegenheiten bieten, dann zögert Mikis nicht.

Konzertauftritte, Filmrollen, Werbung

Auf das erste Konzert folgten Werbeverträge und Nebenrollen im Film, dann eine erste Hauptrolle in einem Liebesdrama. Und das, obwohl Mikis nie Schauspielunterricht hatte. „Ich musste früher meiner Mutter öfter mal was vorgaukeln“, sagt er dazu grinsend. Musik macht Mikis auch weiterhin –  „ich tanze auf vielen Hochzeiten.“

Er habe schon immer gern den Entertainer gegeben, sagt Mikis. Vielleicht weil er als Einzelkind bei einer jungen, unkonventionellen Mutter aufgewachsen ist. Mit einem gemeinsamen Freundeskreis und vielen Freiheiten. Die vermisst Mikis manchmal in Myanmar. „Myanmar ist konservativ wie Deutschland es in den 1950er-Jahren war“, sagt Mikis. Nur langsam gebe es Lockerungen.

Vorerst sind – wie fast überall auf der Welt – alle größeren Drehs wegen der Corona-Pandemie gestoppt. Dafür drehte Mikis mit der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Video, das die Burmesen aufrief, sich an der Parlamentswahl im Herbst zu beteiligen.

Ihn persönlich habe Corona bisher nicht sehr getroffen, sagt Mikis. Die freie Zeit nutzt er zum Malen, Schreiben und Ukulele spielen. Er klingt entspannt, wie er das erzählt. Und es ist wohl einfach Mikis‘ Art: Nichts groß planen, einfach machen. Denn wer weiß schon, was morgen kommt.

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