„Deutsche Musik lebt vom Inhalt“

Milky Chance sind einer der erfolgreichsten deutschen Musik-Exporte weltweit. Wie sich die Band das erklärt, erfahrt ihr im Interview.

Milky Chance landete mit „Stolen Dance” einen globalen Hit.
Milky Chance landete mit „Stolen Dance” einen globalen Hit. Universal Music

Mehrfach Platin in den USA, einen Gig auf Coachella, einem der größten US-Festivals, und eine Tour von Melbourne bis Santiago de Chile: Milky Chance hat geschafft, was nur sehr wenigen deutschen Künstlerinnen und Künstlern bisher gelungen ist. Ihre Single „Stolen Dance“ wurde 2013 zu einem internationalen, viralen Hit. Über 530 Millionen Aufrufe hat das Musikvideo mittlerweile alleine auf Youtube. Aktuell tourt die Band aus Kassel mit ihrem dritten Album „Mind the Moon“ um die Welt. Wir haben mit Philipp Dausch, neben Clemens Rehbein einer der Band-Gründer, über den Erfolg von Milky Chance, die deutsche Musikszene und Nachwuchsförderung gesprochen.

Wie erklärt ihr euch euren internationalen Erfolg?

Wenn wir das nur selbst wüssten (lacht). Dass wir englische Texte schreiben, hat wahrscheinlich sehr geholfen. Denn deutsche Musik hat es definitiv schwerer im Ausland. Außer natürlich Rammstein – aber das ist sowieso ein ganz besonderes Phänomen. Wir sind einfach nur froh, dass wir anscheinend weltweit einen Nerv getroffen haben und genießen es, neue Länder und Kulturen zu entdecken.

Habt ihr jemals überlegt, deutsche Musik zu machen?

Um ehrlich zu sein, nein. Clemens und ich haben auch schon vor Milky Chance ausschließlich englische Musik gemacht, weil wir auch überwiegend englische Musik gehört haben, es uns leichter von der Hand ging und uns ganz natürlich vorkommt. Deutsch ist tatsächlich oft nicht ganz so melodisch und zugänglich wie Englisch oder Spanisch, dort muss man kein Wort verstehen, um die Musik gut zu finden – wobei es natürlich auch wirklich tolle Singer-Songwriter gibt, die deutsche Musik machen.

Zum Beispiel?

Bilderbuch finde ich klasse oder Felix Kummer hat mit „KIOX“ ein ganz tolles neues Solo-Album produziert. Außerdem hat mir meine Mutter früher immer viele deutsche Singer-Songwriter wie Hannes Bader vorgespielt.

Wenn Deutschland ein Musikgenre wäre, welches wäre es?

Da uns immer nachgesagt wird, dass man uns nicht klar einem Genre zuordnen kann, erfinde ich für Deutschland auch einfach mal ein neues: Deutschland wäre das Genre „Geistiger Schmalz“ – im positiven Sinne. Deutsche Musik lebt für mich persönlich vor allem auch vom Inhalt. Die Texte sind oft sehr präzise, persönlich und tiefgründig – egal ob Deutschrap oder Pop. Erst wenn man diese klugen Lyrics versteht, begreift man, was deutsche Musik so besonders macht.

Wie unterscheidet sich die deutsche Musikszene von der anderer großer Musiknationen wie den USA?

Ich habe das Gefühl, dass die Musiklandschaften in den USA oder auch Australien immer noch etwas diverser sind als die deutsche Szene und Indie-Künstler dort mehr Chancen haben. Hier in Deutschland gibt es auch viel Raum für Experimentelles, aber eher in der Subkultur, bisher leider weniger im Mainstream.

Unterstützt ihr deshalb in eurer Heimatstadt Kassel mit der kostenlosen Levi’s Music School den musikalischen Nachwuchs?

Ja, vielleicht. Wobei hier ehrlich gesagt kein großer Masterplan dahinter steckt. Wir wollten einfach Kindern eine musikalische Förderung ermöglichen, die genau wie wir früh Spaß an der Musik haben, aber sich außerschulischen Musikunterricht nicht leisten könnten. Das war unsere größte Motivation. Wenn die deutsche Musikszene dadurch ein klein wenig diverser wird, umso besser.

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